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Besondere Menschen kochen für München

Datum: 26.03.2020Quelle: Wiesnwirte | Ort: München

Die Kunst-Werk-Küche kocht für Menschen, die daheim bleiben wollen oder müssen. Das Inklusions-Projekt arbeitet mit elf Behinderten zusammen.

Ungewöhnliche Hilfe

Gefahrlos genießen in Zeiten von Corona – ohne dass man einen Fuß vor die Tür setzen muss. Und zwar eine ganze Woche lang. Das gibt es jetzt in München von einem ungewöhnlichen Catering-Unternehmen. Die Kunst-Werk-Küche von Wiesn-Wirtin Katharina Inselkammer ist ein so genanntes Inklusions-Projekt, bei dem elf Behinderte mitarbeiten und jetzt für alle Münchner kochen, die während der Coronakrise das Haus nicht verlassen wollen oder können. Die Wochenpakete werden selbstverständlich geliefert.

 Besondere Mitarbeiter

„Ob Gnocchi mit Gorgonzola-Sauce, Tafelspitzbrühe mit Speckknödel oder Goulasch vom Landschwein – alle Gerichte sind bei uns frisch, natürlich, gesund und regional“, sagt Katharina Inselkammer. Normalerweise betreibt die Kunstwerkküche ein eigenes Deli, einen Catering-Service für Firmen und sogar eine Kochschule. 30 Mitarbeiter sind es insgesamt, ein Drittel davon Behinderte. „Besondere“, sagt die Wiesnwirtin lieber, der Ausdruck gefällt ihr besser. „Meine Besonderen sind wahre Tausendsassas, jeder macht bei uns alles.“

 Neue Ideen bieten neue Hoffnung

Natürlich hat es den Betrieb im Münchner Werksviertel auch in der Corona-Krise getroffen. Aber die Idee gibt neue Hoffnung. Die Köche produzieren jetzt so genannte Wochenpakete mit sieben Gerichten für sieben Tage. „Die Portionen sind für einen Menschen gemacht. Man wird gesund satt“, erklärt Katharina Inselkammer. „Das Essen wird schockgefroren und vakuumverpackt, sodass alle Spurenelemente und Vitamine erhalten bleiben!“ Und dann wird ausgeliefert, kostenlos im ganzen Stadtgebiet von München. Bestellen, zahlen (entweder per Überweisung oder per PayPal) und schon hängt das Essenspaket an der Tür. Es kostet 69,50 Euro. Solange der Vorrat reicht, kommt die kulinarische Wochenration in einem ganz besonderen Packerl: Katharina Inselkammer hat alte Dirndl zu kleinen Taschen umnähen lassen. 350 Stück gibt es davon und das Beste ist: Sie müssen nicht zurückgegeben werden.

 Hilfe in der Krise

Angeboten werden bis zu drei unterschiedliche Wochenpakete (auch vegetarische), damit man die Corona-Krise zu Hause auch mit einer gewissen Abwechslung beim Essen übersteht. Die Zubereitung ist dabei ganz einfach. Entweder die Speisen im Wasserbad erhitzen. Oder man holt sie einen Tag vor dem Gebrauch aus der Gefrierbox und legt sie in den Kühlschrank. Dann kann man sie in Topf oder Pfanne warm machen. Selbstverständlich funktioniert es auch mit Mikrowelle. „Unserer Pakete sind für Menschen, die vorsichtshalber zu Hause bleiben wollen, oder zu einer Risikogruppe gehören, oder die schon in Quarantäne leben müssen“, meint Katharina Inselkammer. Hygienisch und ganz ohne Kontakt zu anderen Menschen kann sich jeder selbst das Essen bestellen und liefern lassen. „Aber die Münchner können auch Patenschaften annehmen für diejenigen, die sich das nicht leisten können.“ Dann werden die Packerl mit einer Grußkarte vom Spender oder, wenn gewollt, anonym an einen Bedürftigen geliefert.

 Inklusion als Chance

Die Kunstwerkküche hat sich der Inklusion von Menschen mit geistiger, körperlicher oder mehrfacher körperlicher Behinderung in die allgemeine Berufswelt zum Ziel gesetzt. Insbesondere die Unterstützung in der Ausbildung und dauerhafte Beschäftigung von Menschen mit Behinderung in der Gastronomie. Die Einrichtung wird nicht staatlich gefördert und muss den Betrieb unter ganz normalen wirtschaftlichen Gesichtspunkten aufrechterhalten. Das ist eine besondere Herausforderung, gerade in Krisenzeiten.

Eva Fürst / Gastroinfoportal

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