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Wie funktioniert man als Bar in Zeiten der Coronakrise? Das Kölner Little Link und die Stuttgarter Tin Tin Bar zeigen, wie es funktionieren kann.

Barbetrieb in Zeiten von Corona

Datum: 08.06.2020Quelle: Cocktailkunst, Meiko, Bacardi; Bilder: Cocktailkunst, Meiko | Ort: Köln, Stuttgart, Hamburg

Im März wurde schnell klar, dass neben den Restaurants auch die Bars ihren Betrieb herunterfahren müssen. Keine Gäste bedeutet auch in dieser Szene keinen Umsatz. Und kein Umsatz bedeutet kein Geld, um die laufenden Kosten zu decken. Einige Barbetreiber haben sich aber etwas einfallen lassen, um die Auswirkungen der Coronakrise zu mildern.

Little Link, Köln

Die Übergabe der Cocktails findet am Fenster des Little Link mit entsprechendem Sicherheitsabstand statt.

„Als heraus kam, dass wir unsere Bar schließen müssen, haben wir innerhalb weniger Tage unser komplettes Geschäft umgestellt. Es wurde ein digitales Bestellsystem auf unserer Website integriert und wir bieten seitdem unsere Speisen und Getränke zum Abholen und Liefern an“, berichtet Andreas Kämmerling vom Kölner Little Link. Die Übergabe findet am Fenster der Bar mit entsprechendem Sicherheitsabstand statt. Auch eine kontaktlose Lieferung nach Hause ist innerhalb von Köln möglich.

Als die offizielle Ansage zur Wiedereröffnung gastronomischer Betriebe kam, hat das Team des Little Link ein umfangreiches Hygienekonzept erstellt. Zudem wurden alle Mitarbeiter zu den neuen Regeln geschult und innerhalb von drei Tagen die komplette Bar umgebaut. Damit gehörte die bekannte Kölner Institution schließlich zu den ersten Betrieben, die wieder öffnen konnten. „Plexiglaswände, Bodenmarkierungen und ein digitales Bestellsystem sorgen dafür, dass wir unsere Gäste wieder begrüßen dürfen. Zur umweltfreundlichen Keimreduktion nutzen wir zusätzlich auch Leuchtdioden mit UVC-Strahlung“, ergänzt Andreas Kämmerling.

Eine entscheidende Herausforderung für viele Betriebe stellt seiner Meinung nach die Erfassung der Gästedaten dar: „Wir haben über unsere Initiative Barback eine App entwickelt, die die digitale Datenerfassung schnell und einfach möglich macht und bieten sie zurzeit kostenlos auch für andere Betriebe an.“

Unter den aktuellen Einschränkungen ist die Gästekapazität im Little Link auf etwa ein Drittel beschränkt. Das bringt entsprechende Umsatzeinbußen mit sich. „Es ist für uns darum entscheidend, die neu erschlossenen Geschäftsfelder durch Abhol- und Lieferservice weiterzuführen und über weitere Möglichkeiten nachzudenken. Dazu zählt etwa die Eröffnung einer Pop-up-Bar im Rheinauhafen, wo wir in den vergangenen Wochen mit einer mobilen Bar Drinks serviert haben“, erklärt Andreas Kämmerling. Mit viel Aufwand und hohen Investitionen habe man die vergangenen Monate vergleichsweise gut überstanden. Langfristig sei ein profitables Geschäft unter den aktuellen Einschränkungen aber nicht möglich.

Tin Tin Bar, Stuttgart

Das Pfand- bzw. Belohnungssystem, das die Tin Tin Bar dank dem Meiko-Flaschenspülkorb einführen konnte, wird sehr gut angenommen.

Auch Benji Blomenhofer und Jonas Hald von der Stuttgarter Tin Tin Bar versorgten ihre Gäste via Onlineshop während des Shutdowns. Seit dem 20. Mai haben sie wieder geöffnet. „Das war schön und tat sehr gut! Insgesamt lief die Wiedereröffnung sehr gut! Jeden Tag war die Bar voll, kein freier Platz – d. h. jetzt in Coronazeiten besetzen wir anstatt 70 Plätze maximal 35. So gewähren wir den Mindestabstand von 1,50 Meter zwischen den Tischen. Außerdem dürfen nur Leute aus maximal zwei Haushalten an einem Tisch Platz nehmen. Weitere Gäste, die auch gerne zu uns in die Bar wollten, haben sich über To-go-Drinks gefreut. Aber wer rechtzeitig reserviert, bekommt ganz sicher beim nächsten Mal einen Platz“, berichtet Benji Blomenhofer.

Einige Gäste seien sogar aus Ludwigsburg, Göppingen oder auch Schwäbisch Gmünd nach Stuttgart gekommen. Weil im Umkreis von 50 Kilometern keine Bar geöffnet habe, nehmen einige Leute eine lange Anfahrt in Kauf. Und auch die Hygienemaßnahmen werden von den Gästen ausnahmslos eingehalten: „Abstand halten geht in der Bar. Da komme ich schon mal mit dem Zollstock und messe nach, wenn es sein muss“, schmunzelt der Bartender.

Bis zu den Betriebsferien im August behält das Team die Vier-Tage-Woche bei: mit Barbetrieb und To-go-Geschäft.

#RaiseYourSpirits

Das Spirituosenunternehmen Bacardi hat bereits im April einen ganzheitlichen Plan zur Unterstützung von Bars und Barkeepern in der Coronakrise ins Leben gerufen. Die Initiative #RaiseYourSpirits unterstützt in ganz Westeuropa mit einer anfänglichen Investition von 1,5 Mio. Euro. Damit will das Unternehmen sicherstellen, dass die Mitglieder der Barkeeper-Gemeinschaft die dringend benötigte Hilfe erhalten.

Der Fokus liegt dabei auf kleineren, unabhängigen Bars, die keine Unterstützung durch ein großes Unternehmen oder eine Kette im Hintergrund haben – dafür aber Kampfgeist. Für sie gibt es keine einheitliche Lösung. Mit #RaiseYourSpirits nimmt sich Bacardi Zeit, um die speziellen Bedürfnisse jedes einzelnen Partners der Barindustrie zu verstehen und herauszufinden, wie die Initiative diese Bedürfnisse am besten erfüllen kann. „Wir durchleben beispiellose Zeiten und dürfen die Herausforderungen nicht unterschätzen, denen sich unsere Partner im On-Trade-Bereich stellen müssen“, erklärt Nicolas Rampf, Geschäftsführer des Unternehmens.

Die Initiative umfasst folgende Hilfen

• Unterstützung von Barkeepern: Bacardi stellt Barkeeper ein, die später Schulungsveranstaltungen durchführen oder Cocktails bei Events servieren und bezahlt ihr Honorar im Voraus. Außerdem beauftragt Bacardi Bartender, die sich bei der Kreation ihrer Lieblingscocktails von Bacardi filmen lassen und den Content in sozialen Medien teilen. So können auch die Menschen zu Hause lernen, die Bacardi-Cocktails selbst nachzumachen.

• Weitere Maßnahmen: Bacardi wird die Branche auch durch die Lieferung von Cocktails nach Hause, den Kauf von Cocktail-Gutscheinen und die Vorauszahlung von Veranstaltungen in Bars unterstützen. Zudem arbeitet das Unternehmen mit der gemeinnützigen Organisation www.supportyourlocalbar.com zusammen.

„Noch nie war es für uns so wichtig, sich zu engagieren und Deutschlands Bar- und Restaurantbesitzer sowie unsere fantastische Barkeeper-Community zu unterstützen“, sagt Florian Riediger, On-Trade Sales Director bei Bacardi.

Jeanette Lesch / Gastroinfoportal

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