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Appell an die Politik: Das DNSV fordert in einem offenen Brief die Unterstützung von Kita- und Schulcaterern.

Offener Brief des Deutschen Netzwerk Schulverpflegung

Datum: 23.04.2020Quelle: DNSV | Foto: Colourbox.de | Ort: Berlin

In einem offenen Brief wendete sich Dr. Michael Polster, Vorsitzender des Deutschen Netzwerk Schulverpflegung (DNSV), am 22. April an Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Bundesländer, um an diese bzgl. der prekären Lage der Kita- und Schulcaterer zu appellieren.

In dem offenen Brief des DNSV heißt es: „In ganz Deutschland bleiben die meisten Schulen und alle Kitas weiter geschlossen. Für die mittelständischen privaten deutschen Caterer mit einer Mitarbeiterzahl unter 100 Beschäftigten, die sich in der Kita- und Schulverpflegung engagieren, hat dies weitreichende Konsequenzen. Für die überwiegende Mehrheit der Betriebe sind die Umsätze auf nahezu null zurückgegangen, doch die laufenden Kosten, wie Mieten und Pacht, Leasingraten, Kreditbedienungen etc., sind geblieben.“

„Es wird zu Insolvenzen und Betriebsschließungen bei schätzungsweise über 90 Prozent der Betriebe kommen.“

Zukunft der Kita- und Schulverpflegung

Die Auswirkungen seien daher absehbar: „Es wird zu Insolvenzen und Betriebsschließungen bei schätzungsweise über 90 Prozent der Betriebe kommen“, warnt Michael Polster in seinem offenen Brief. Hinzu komme bereits jetzt: Viele Caterer können aufgrund fehlender Liquidität oder gar Insolvenzen die Struktur der Kita- und Schulverpflegung nicht mehr aufrechterhalten. Viele Kita- und Schulcateringbetriebe stehen schon jetzt vor den Scherben ihrer Existenz.

Für die Zukunft der Kita- und Schulverpflegung bedeutet dies Michael Polster zufolge, „dass eine gesetzlich verlangte Bereitstellung einer täglichen Essensversorgung zukünftig nicht mehr möglich ist – schlicht, weil es keine Anbieter mehr geben wird“. Deshalb fordert er, um die Versorgung der Kinder und Schüler in Zukunft jederzeit sicherstellen zu können, dass die Mitarbeiter der Kita- und Schulcaterer weiter als Beschäftigte gehalten und die Erhaltung der systemrelevanten Infrastruktur sichergestellt werden muss.

„Das Kita- und Schulessen, das heute nicht verkauft wird, kann drei Monate später nicht einfach mehrfach an die Schulen und Kitas ausgeliefert werden.“

Verantwortung liegt bei der Politik

Weiter heißt es in dem Brief an die Bundeskanzlerin: „Die aktuellen Preiskalkulationen und Rücklagen sind nicht auf die Krisensituation ausgerichtet. Die Caterer stehen mit dem Rücken an der Wand und ihre Existenz ist dramatisch gefährdet. Denn das Kita- und Schulessen, das heute nicht verkauft wird, kann drei Monate später nicht einfach mehrfach an die Schulen und Kitas ausgeliefert werden. Das unternehmerische Risiko im Bereich der Kita- und Schulverpflegung auf die Privatwirtschaft abzuwälzen, darf nicht die politische Lösung sein, denn die Verantwortung liegt hier eindeutig bei der Politik, wie es ja in den entsprechenden Schulgesetzen festgeschrieben ist.“

Appell an die Politik

Aus diesem Grund fordert das DNSV von den politischen Entscheidungsträgern, sich für sofortige, unbürokratische Nothilfemaßnahmen einzusetzen. Dazu reiche es allerdings nicht, dass das Essen steuerlich mit dem reduzierten Mehrwertsteuersatz belegt wird – da dies niemandem nütze, der keinen Umsatz generiert – wie im Falle der Kita- und Schulcaterer.

Als konkrete Forderungen an die Regierungen der Länder und den Bund nennt Michael Polster in seinem Schreiben folgende Aspekte:

  • Die Essensbeiträge – für die zum Stichtag der Kita- und Schulschließungen angemeldeten Kinder – sollen rückwirkend für mindestens drei Monate getragen werden.
  • Die Bezahlung (bei weiterer Schließung von Kitas und Schulen) von mindestens zwei Drittel der bisher bestellten Portionen, um die Fixkosten decken zu können.

Michael Polster betont dazu: „Denn nur so kann auch in Zukunft die ,Bereitstellung eines Mittagessens für alle Kinder’ gesichert werden (Beschluss KMK 2009, S. 4). Die Kita- und Schulcaterer brauchen jetzt eine Planungsperspektive – oder die Schul- und Kitaküchen werden in Zukunft kalt bleiben.“ Auch Schul- und Kitacateringunternehmen benötigen einen Zeitplan, der angebunden ist an den der Wiedereröffnung der Schulen und Kitas.

„Die Covid-19-Problematik ist ein bundesweites, ja weltweites Problem, und es sollte hier zumindest eine bundeseinheitliche Lösung favorisiert werden, im Sinne einer Sonderregelung für vorübergehende Möglichkeiten der Verpflegung an Kitas (3,5 Mio. Kitakinder) und Schulen (ca. 8. Mio. Schüler*innen)“, appelliert der DNSV-Vorsitzende in seinem offenen Brief und fordert einen sofortigen Rettungs- und Entschädigungsfonds speziell für Anbieter von Kita- und Schulessen. Sowohl das DNSV als auch der Verband der Deutschen Schul- und Kitacaterer e.V. stehen der Politik für eine baldige Lösung als Ansprechpartner zur Verfügung.

Nachbesserung gefordert

In der aktuellen Coronakrise haben sich auch Kita- und Schulcaterer des Landes NRW in einem offenen Brief an ihren Ministerpräsidenten gewendet, in dem es um die klare Aufforderung zur Nachbesserung der Soforthilfe des Bundes 2020 geht.

Sarah Hercht / Gastroinfoportal

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