Anja Müller Adagio

Alternative zu Airbnb

Quelle: AccorHotels | Ort: München

Das Adagio-Netzwerk soll bis 2020 auf insgesamt 150 Aparthotels mit 15.000 Apartments wachsen. Anja Müller, Director of European Operations bei Adagio Aparthotels, erklärt, weshalb sich Adagio immer mehr vom klassischen Hotel-Konzept verabschiedet und wie sie das Aparthotel der Zukunft sieht.

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first class: Wie kam es zur Idee, eine Kette für Aparthotels zu gründen?

Anja Müller: Unsere Eigentümer, Accorhotels und Pierre & Vacances Center Parcs haben frühzeitig erkannt, dass die Aparthotellerie ein zukunftsträchtiger Markt ist und vor zehn Jahren ein Joint Venture gegründet. Menschen müssen häufiger reisen und länger an einem Ort bleiben. Der Bedarf an einem Produkt mit mehr Platz und größerer Privatsphäre, aber auch Kochmöglichkeiten war damals bereits vorhanden und ist seither ständig gewachsen.

Das Herzstück unserer Häuser sollen offene Bereiche bilden.

Was hat sich seitdem verändert?

Wir folgen privaten Haushaltstrends. Wir haben z. B. die Qualität der Betten stetig optimiert. Ein anderer Bereich ist die Technik. Heutzutage hat man als Geschäftsreisender mindestens drei elektronische Geräte bei sich, die alle eine schnelle Verbindung brauchen. Im öffentlichen Bereich rücken wir mehr und mehr vom klassischen Hotelkonzept ab.

Also weg von der Rezeptionstheke?

Das Herzstück unserer Häuser sollen offene Bereiche bilden. Wir werden in Deutschland ab kommendem Jahr die Rezeptionen peu à peu entfernen. Alle Mitarbeiter werden langfristig „Hosts“, die Adagio-Gäste in der Lounge in Empfang nehmen. Zur Neuausrichtung des Begrüßungsbereichs kommen Gemeinschaftsküchen und Co-Working-Spaces.

Was ändert sich bei den Personalanforderungen?

Unser Langzeitgast möchte einen Partner, mit dem er auch mal reden kann, der ihm Tipps gibt, wenn er drei Monate in einer fremden Stadt ist. Unsere Mitarbeiter sollten also kulturell offen sein und mehrere Sprachen sprechen. Eine Ausbildung im Hotelgewerbe ist nicht mehr unbedingt notwendig. Die Systeme zum Check-In und -Out müssen die Kolleginnen und Kollegen aber natürlich schon kennen.

Wir wollen mit „Shops@Adagio“ eine Art Minimarkt implementieren

Spiegelt sich die Neuausrichtung auch im F&B-Bereich wieder?

Allerdings. Der Gast möchte so beweglich wie nur möglich sein. Also brauchen wir statt fester Frühstückszeiten flexible Angebote. Daher bieten wir „Coffee to go“ an, künftig sogar aus hauseigenen Coffee-Shops. Müsli oder Brötchen kann der Gast weiterhin vom Frühstücksbuffet holen und gerne mit auf sein Zimmer nehmen, um dort zu essen. Oder er bestellt sich im Vorfeld Lebensmittel in seinen Kühlschrank – auch ein Trend, den wir aufnehmen. Außerdem arbeiten wir daran, mit „Shops@Adagio“ eine Art Minimarkt zu implementieren. Im ersten Quartal 2018 werden die ersten Märkte in den Aparthotels eröffnen.

 Langzeitgäste benötigen auch Reinigungsservice…

…und zwar nicht nur fürs Apartment, sondern auch für ihre Kleidung. Das wollen wir künftig genauso eingliedern wie einen Bügelservice. Denkbar wäre auch eine Poststelle für Päckchen. Sie sehen, wir haben unterschiedlichste Gedanken, sicher ist jetzt schon: Wir wollen dem Langzeitgast möglichst guten und innovativen Service bieten.

 Worüber freuen sich Ihre Businessgäste am meisten?

Während der normale Hotelgast unerkannt bleiben möchte, spielen beim Langzeitgast Emotionen eine bedeutendere Rolle. Er ist wesentlich länger von zuhause weg, von seiner Familie getrennt. Daher wollen wir ihm das Gefühl geben, wir sind sein Wohnzimmer, er darf sich jederzeit bei uns aufhalten und wir reden gern mit ihm. Wir stellen sogar kleine Geschenke aufs Zimmer, wenn wir wissen, was er besonders gerne mag. Der Langzeitgast schätzt die Aufmerksamkeit wirklich sehr.

 Spielen denn Familien für Adagio eine Rolle?

Sie sind definitiv eine wichtige Zielgruppe. Dies bedeutet für uns im Umkehrschluss, dass wir auch entsprechende Services anbieten müssen, vor allem für Kinder. Sind sie zufrieden, fühlt sich die ganze Familie wohl. Neben speziellen Willkommens-Paketen wird es künftig eine Gaming-Zone im öffentlichen Bereich geben.

Wir müssen bei der Ratengestaltung flexibler werden.

Ihr Motto lautet „länger bleiben – weniger zahlen“. Genügt das auch in Zukunft?

Wir müssen bei der Ratengestaltung flexibler werden. Als Apartment-Brand haben wir uns in der Vergangenheit kaum Gedanken über das Thema Frühstück gemacht. Wir haben mit Standards, ähnlich wie im Hotel, gearbeitet. Unsere Raten haben wir jedoch immer ohne Frühstück verkauft, was sehr schwierig zu managen ist. Wir wussten nie, wie viele Gäste wirklich erscheinen.

Was haben Sie dagegen unternommen?

Seit Anfang 2017 haben wir eine neue Rate, die es erlaubt, dass Gäste auch online mit Frühstück buchen können. Das ist bei Hotels die Norm, bei Aparthotels jedoch nicht. Das war eine kleine Revolution und kam von Anfang an bestens an. Wir haben so viele Frühstücke wie noch nie verkauft, können aber wesentlich besser planen. Momentan denken wir auch über eine Frühbucherrate nach.

Welche Zielgruppen haben Sie noch im Visier?

Ganz stark vertreten sind Berufseinsteiger und -umsteiger. Wir arbeiten mit Relocation-Agenturen zusammen, die sich darauf spezialisiert haben, die Umzüge neuer Mitarbeiter zu organisieren – von der Anmeldung in der Stadt bis zur vorübergehenden Unterkunft. Manche Gäste kommen auch unfreiwillig zu uns. Wir hatten in München z. B. schon Familien, die in ihrer Wohnanlage einen Wasserrohrbruch hatten und fast zwei Jahre bei uns zu Gast waren.

In welchen Ländern gibt es Aufholbedarf?

Zunächst haben wir definitiv noch genug Raum in Deutschland. Schwerpunkte sollen darüber hinaus die wichtigsten Städte in Europa wie auch im Mittleren Osten und in Lateinamerika werden. 20 Eröffnungen, unter anderem in Deutschland und Großbritannien, sind bereits geplant.

Adagio 2028 – wie wird es aussehen?

Zunächst einmal wollen wir weiter wachsen, vor allem in unseren Keymärkten Deutschland, Frankreich und Schottland. Wir möchten in diesem Segment Marktführer bleiben. Wir wollen eine echte Alternative zu einem normalen Hotelprodukt, aber auch zu privaten Anbietern wie Airbnb, bieten. Diese werben mit Sicherheit um das gleiche Klientel wie wir. Deshalb müssen wir innovativ und kreativ vorangehen, damit wir auch in mehr als zehn Jahren noch gut dastehen.

www.gastroinfoportal.de/adagio

 

Udo Schwickal / Gastroinfoportal

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