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Seit Anfang 2020 hat die Hotelkette Achat Hotels ein neues Marketingkonzept. Letzteres geht auch auf das Konto von Tabea Schalkowsky und ihrem Kreativ-Team.

„Marketing muss man fühlen“

Datum: 11.05.2021Quelle: Achat Hotels | Ort: Mannheim

Neues Logo, neuer Claim, neue Ausrichtung – seit Anfang 2020 hat sich die Hotelkette Achat Hotels mitten in der Krise einen Namen in der Branche erarbeitet. Dies geht auch auf das Konto von Marketingleiterin Tabea Schalkowsky und ihrem Kreativ-Team.

Im Gespräch verrät die Expertin mehr über Ihren beruflichen Hintergrund und die Chancen, die etwa die Coronakrise mit sich bringt.

Im Gespräch mit Tabea Schalkowsky

Frau Schalkowsky, Sie kommen aus der Touristik und sehen die Hotellerie mit anderen Augen. Was sind die Unterschiede?

Ein Reiseveranstalter verkauft oftmals dasselbe Hotel mit demselben Flug wie die Konkurrenz – als Hotel sind wir jedoch einzigartig und möchten das unserem Gast nicht nur zeigen, sondern vor allem auch spüren lassen. Dazu versetzen wir uns immer in den Gast hinein: Was spricht ihn zum jetzigen Zeitpunkt an? Welches Problem hat er und wie lösen wir es? Nach dem Prinzip des „Golden Circles“ von Simon Sinek:

Kunden kaufen nicht das „What“ (das Produkt), sondern das „Why“, also eher das Gefühl, die Emotion.

Daher ist eine klare Markenpositionierung wichtig, um immer das Gefühl oder die Problemlösung dahinter zu vermarkten. Diese Idee haben wir bei jeder kreativen Aktionsentwicklung im Hinterkopf.

Wie entwickeln Sie Neues? Bedienen Sie sich klassischer Methoden wie Brainstormings, Kreativmeetings oder „Think out of the box“?

Brainstormings oder Kreativmeetings können sicherlich einigen Unternehmen helfen und haben ihre Berechtigung. Bei Achat greifen wir aber momentan noch nicht darauf zurück, da wir eher mit zu vielen Ideen kämpfen, als mit zu wenigen. Wir sind ein sehr junges und motiviertes Team, da brauchen wir keine aufgesetzten Meetings. Im Marketing gilt es, auch privat, stets die Augen offen zu halten – alles wirkt inspirierend. Und diese Möglichkeiten, neue und kreative Ideen zu überlegen und umzusetzen, werden auch ganz gezielt von der Geschäftsführung unterstützt und gepusht.

Man hört, bei Achat gäbe es „Inspirationspicknicks“…?

Oft sitzen wir einfach mit der Kaffeetasse auf dem Boden, haben viele Post-its um uns und schwelgen angeregt durch mitunter „wilde“ Ideen. Dann kommen Kollegen aus dem Sales, Revenue oder HR vorbei und schließen sich unserem Inspirationspicknick an. Sie bringen ganz andere Blickwinkel mit ein und geben ganz andere Impulse, von denen wir uns dann beflügeln lassen. Auch wenn man nach Feierabend Sport treibt oder durch Social Media scrollt, entstehen Ideen, die wir dann im Team direkt am nächsten Arbeitstag besprechen.

Aber ein Erfolgsrezept für kreative Ideen gibt es wohl nicht…

Nein, das gibt es tatsächlich nicht. Gute Ideen wollen nicht aktiv gesucht werden, sondern sich spontan finden lassen. Einfach sich selbst vertrauen und locker bleiben. In einer positiven und offenen Arbeitsatmosphäre, in der man sich wohlfühlt, kann man im Team sehr kreativ sein.

Hotellerie kann ja weitaus mehr als nur Übernachtung und Frühstück.

Absolut! Und daher fragen wir uns immer wieder: Was rundet den gesamten Aufenthalt ab? Welche Dinge erwartet der Gast explizit nicht, wenn er eine Übernachtung bucht, und wie überraschen wir ihn eben damit positiv? Wie sprechen wir ihn auf emotionaler Ebene an? Wie hebt man sich also ab? Das funktioniert nur durch Emotionen und Markenbildung, oder eben kleinen unerwarteten Überraschungen, wie unseren Achat-Momenten.

Corona hat ja auch vielen Ideen einen Strich durch die Rechnung gemacht…

Anlässlich unseres 30. Geburtstages in 2021 hatten wir die Idee, eine populäre 90er-Jahre Boygroup für unsere Hotels zu engagieren. Dazu sollten auch alle unsere Mitarbeiter Kleidung aus dieser Zeit als Uniform tragen. Diese Nummer ist jetzt jedoch vom Tisch, es kommt aber auf jeden Fall etwas echt Gutes – passend zu 30 Jahren Achat.

In jeder Krise steckt bekanntlich eine Chance – welche erkennen Sie für die Achat Hotels und die Hotellerie gesamt?

Auf jeden Fall sollte man sein Geschäftsmodell hinterfragen. Welche Zielgruppen gibt es nun, die bislang vielleicht noch nicht gezielt angesprochen wurden? Welche Bedürfnisse haben die Gäste nach Corona? Das große Problem, vor allem für Familien, werden vermutlich ausgebuchte Hotels in den bekannten deutschen Feriengebieten sein. Daher stellen wir uns schon jetzt die Frage: Wie lösen wir das und schnüren gute Familien-Produkte. Viele unserer Hotels verfügen über Apartments und Hotelzimmer mit Kitchenettes, die prädestiniert auch für Familien und längere Aufenthalte sind. Diese sind derzeit sehr gefragt. Damit auch Häuser abseits der typischen Touristengebiete an diesem Boom teilhaben können werten wir diese beispielsweise mit attraktiven und emotional aufgeladenen Angeboten auf. Was begeistert diese Zielgruppen darüber hinaus? Was ist typisch Achat und welche Momente schaffen wir? Wie vermitteln wir den Gästen Sicherheit? Und dies auf eine charmante und überraschende Art und Weise.

Danke für das Gespräch!

Redaktion first class

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