x
Andreas Luebke

5 Fragen an Andreas Lübcke

Datum: 27.04.2020Quelle: Gastrofix by Lightspeed | Fotos: Facebook/Old MacDonald; Gastrofix | Ort: Hamburg

Anlässlich der Coronakrise hat Gastrofix by Lightspeed mit seinen Kunden Telefoninterviews durchgeführt. Der Dienstleister wollte wissen, wie es Gastronomen in der aktuellen Lage ergeht, wie sie mit den politischen Entwicklungen zufrieden sind und wie sie sich für die Zeit nach Corona wappnen. Gestern berichtete Ralf Sander, Geschäftsführer Gimme Gelato Eismanufaktur in Berlin, über seine Erfahrung.

Auch Andreas Lübcke, Geschäftsführer Old MacDonald in Hamburg, gab ein Interview:

Herr Lübcke, was denken Sie über den derzeitigen Corona-Kurs der Bundesregierung?

Da bin ich zwiegespalten, fühle mich manchmal wie Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Auf der einen Seite verstehe ich als Privatperson natürlich, dass der Staat die Gesundheit seiner Bürger an erster Stelle sieht. Die Zahlen geben der Bundesregierung und ihrem bisherigen Kurs ja auch Recht und ich bin heilfroh, mit meiner Familie in diesen Zeiten in Deutschland zu leben. Auf der anderen Seite bin ich Geschäftsmann und trage die Verantwortung für meine Mitarbeiter und unseren gemeinsamen Arbeitsplatz. Von dieser Warte aus sieht die Situation schon anders aus.

Was kritisieren Sie konkret?

Bei allem Verständnis für die Gesamtsituation: Für uns Gastronomen muss es jetzt praktikable Lösungen und Hilfen geben. Und ich spreche hier nicht nur von Steuererleichterungen oder Krediten. Es ist doch illusorisch zu glauben, dass wir in unserem Metier so viel Geld verdienen bzw. vor Corona verdient haben, dass wir nach der Krise mal eben Kredite zurückzahlen könnten, welche die Kosten von mehreren Monaten decken würden. Von welchen Umsätzen sollen die Kredite denn getilgt werden? Die angezogene Handbremse aufgrund von Corona wird unser Geschäft jedenfalls noch lange Zeit beeinträchtigen, da sind Kredite der völlig falsche Ansatz.

Welche Hilfen müssten denn jetzt für Gastronomen dringend aufgesetzt werden?

Der Staat muss Mieten und Personalkosten übernehmen. Ich muss fürs Old MacDonald und die Better Burger Company jeden Monat einen hohen vierstelligen Betrag an Miete zahlen. Die stunden mir meine Vermieter zwar freundlicherweise gerade, trotzdem muss ich sie ihnen irgendwann zurückzahlen. Woher soll ich das Geld nehmen, wenn ich keinen Umsatz machen darf? Das gleiche gilt für die Personalkosten: Die meisten Mitarbeitenden sind leider Geringverdiener und leben von Zuschlägen, Trinkgeldern usw. Da diese jedoch gerade wegfallen, ist das für sie eine Katastrophe. Hier muss der Staat jetzt deutlich mehr als die veranschlagten 60 Prozent Kurzarbeitergeld zahlen. Es ist doch so: Wenn wir uns als wichtiger Wirtschaftsteil mit 2,4 Mio. Beschäftigten zum Wohle der Gesellschaft zurückhalten, muss die Gesellschaft diesen Wirtschaftsteil im Gegenzug auch unterstützen.

Woran liegt es in Ihren Augen, dass andere Branchen gerade langsam wieder hochgefahren werden, während das Gastgewerbe immer noch still steht?

Ganz klar damit, dass das Gastgewerbe immer schon schlechter behandelt wurde als andere Branchen. Viele denken auch heute noch, ach, das sind doch alles Geldwäscher. Hinzu kommt, dass wir bei weitem nicht so eine starke Lobby haben wie andere Wirtschaftsbereiche. Unsere Verbände haben einfach zu wenig Gewicht, um echten Druck auf die politischen Entscheidungsträger aufbauen zu können. Wären wir Banken, würden ganz andere Hilfsprogramme für uns aufgesetzt.

Über was haben Sie sich in den letzten Wochen besonders geärgert?

Mir stößt sauer auf, wie sich jetzt einige Versicherungen vor ihrer Verantwortung drücken wollen. Selbst Betriebe, die sich ausdrücklich gegen zum Beispiel behördlich angeordnete Betriebsschließungen versichert haben, werden unter fadenscheinigen Gründen im Regen stehen gelassen und mit lächerlichen Kulanzangeboten abgefunden. Bei diesem Verhalten der Versicherungswirtschaft stellen sich mir die Nackenhaare auf.

Martina Kalus / Gastroinfoportal

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Auflagen für Lebensmittelbetriebe Aufgrund der unabhängig vom Coronavirus bestehenden hohen Hygiene- und Sicherheitsstandards in Lebensmittelunternehmen und dem Umstand, dass Lebensmit...
Richtig reinigen Für die langsam wieder hochfahrende Wirtschaft hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) Arbeitsschutzstandards speziell für die Zeiten...
Onyx Hospitality: Anlauf nehmen Die Onyx Hospitality Group (Onyx), ein Hotelunternehmen der Italthai Group, ergreift zurzeit Maßnahmen, um die Ausbreitung des Corona-Virus in den Hot...
Perspektiven für den Neustart Der Tourismus in Deutschland wird noch sehr lange mit den Folgen der Corona-Krise zu kämpfen haben. Seine Akteure brauchen jetzt dringend eine klare P...
Artikel mit Bildern drucken Artikel ohne Bilder drucken

Newsletter

Immer die aktuellsten Informationen. Melden Sie sich hier für unseren Newsletter an.
Zum Datenschutz

Send this to friend