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30.000 leere Stühle

Datum: 27.04.2020Quelle: Leaders Club Germany, Fotos: Lemm, Leaders Club | Ort: München

Das Gastronomie-Netzwerk Leaders Club zeigt sich überwältigt vom Erfolg des bundesweiten Aktionstags der Branche am vergangenen Freitag und der Solidarität innerhalb des Gastgewerbes. Tausende Gastronomen und Hoteliers, die wegen der andauernden Schließung ihrer Betriebe um ihre Existenzen fürchten, organisierten den Protest der Leeren Stühle in fast 80 deutschen Städten, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Am kommenden Freitag soll die Aktion wiederholt werden – allerdings im Internet, dafür aber noch größer und kreativer.

Nach Dresdener Vorbild

Ursprünglich stammt die Idee der leeren Stühle aus Dresden. Hier hatten am 17. April rund 500 Gastronomen ihre Stühle in den öffentlichen Raum gestellt, um auf ihre prekäre Lage angesichts der anhaltenden Schließung ihrer Betriebe aufmerksam zu machen. Der Leaders Club griff die Initiative auf und startete einen Aufruf an die Branche, dem Dresdner Beispiel zu folgen. Am 24. April beteiligten sich tausende Gastronomen und Hoteliers in fast 80 Städten, indem sie rund 30.000 Stühle auf öffentlichen Plätzen und vor ihren Restaurants aufstellten.

Vor der Münchner Feldherrnhalle (siehe Video) waren es knapp 400 Stühle.

Michael Kuriat, Präsident des Leaders Clubs Deutschland, ist begeistert. „Es ist großartig, dass unser Aufruf wirklich dazu geführt hat, dass die Kollegen die Idee in ihrer Stadt umgesetzt haben. Damit haben wir erreicht, dass unsere Botschaften und Forderungen jetzt auch in der lokalen Politik wahrgenommen werden. Einige Städte haben schon Unterstützung in Form von Gebührenverzicht in Aussicht gestellt, beispielsweise für Freiflächen.“

Gastgewerbe steht zusammen

Stühle
Nicht nur Stühle – auch ein leeres Bett war am Freitag, den 24.4. vor der Münchner Feldherrnhalle zu sehen.

Der Erfolg der „Leeren Stühle“ zeigt: Das Gastgewerbe steht in der schweren Zeit des Corona- Lockdowns zusammen und kämpft gemeinsam für den Erhalt des vielfältigen Restaurant- und Hotelangebots in Deutschland. „Die Gesellschaft muss den Ernst der Lage erkennen. Große Teile der Branche stehen tatsächlich unmittelbar vor der Insolvenz“, unterstreicht Patrick Rüther, Vorstandsvorsitzender des Leaders Clubs, die Dringlichkeit der Forderungen. „Über die ersten erfreulichen Ansätze hinaus benötigt unsere Branche jetzt schnell Soforthilfen und ein Rettungspaket, damit alle weiteren Maßnahmen überhaupt noch bei den Betroffenen ankommen.“

Tim Mälzer: „Werde zum Wut-Koch!“

Rüther führt u. a. gemeinsam mit Tim Mälzer in Hamburg das Lokal Die Bullerei. Der TV- Koch war mit leeren Stühlen aus seinen Restaurants bei der Kundgebung vor dem Rathaus der Hansestadt dabei. „Ich habe Kollegen mit Tränen in den Augen gesehen, die sich mit Händen und Füßen gegen die Tatsache stemmen, dass ihre Läden nicht mehr existieren. Das macht mich zum Wut-Koch! Wir brauchen endlich mehr finanzielle Hilfen!“

Leere Stuuehle_Brandenburger Tor
Leere Stühle am Brandenburger Tor, Berlin.

Leere Stühle: Gemeinsam statt gegeneinander

Deutschlandweit beteiligten sich sowohl kleine als auch große Unternehmen an der Aktion. Ingrid Hartges, Hauptgeschäftsführerin des Dehoga Bundesverbands, lobte das Engagement der Branche am Brandenburger Tor in Berlin. Dort machten knapp 1.000 Stühle auf das drohende Aus für viele Betriebe aufmerksam. „Ich bin allen Gastronomen sehr dankbar für diese Aktion. Die ganze Branche muss jetzt solidarisch zusammenhalten. Gemeinsam sind wir stark!“ Gastronomin und Leaders Club Vorstand Kerstin Rapp-Schwan betonte auf der Veranstaltung in Düsseldorf. „Wir brauchen jetzt eine Perspektive und wollen gemeinsam mit der Politik die Auflagen und Bedingungen erarbeiten, unter denen die Gastronomie in verschiedenen Stufen schnellstmöglich wieder vernünftig öffnen kann.“

Hilfe umgehend erforderlich

Auch 25 Betriebe der Enchilada-Gruppe, einem der führenden Gastronomieunternehmen Deutschlands, stellten in verschiedenen Städten leere Stühle auf. „Die Aktion in Dresden war sehr beeindruckend und hat es für alle sichtbar gemacht. Die Gastronomie droht in ihrer Vielfalt auszusterben, wenn die Politik nicht handelt“, sagt Hermann Weiffenbach, Gründer und Geschäftsführer der Enchilada Franchise GmbH. „Mit dem bundesweiten Protest macht die gesamte Branche deutlich, dass schnelle Hilfe umgehend erforderlich ist. Daher unterstützen wir und unsere Betriebe diese Aktion ausdrücklich und wollen so viele weitere Gastronomen wie möglich mobilisieren.“

Digitaler Aktionstag am 1. Mai

Michael Kuriat hebt die große Unterstützung durch Behörden, Polizei und Politik hervor: „Das war eine wirklich positive Überraschung!“ Umso wichtiger ist dem Leaders Club, dass am kommenden Freitag keine weiteren Aktionen im öffentlichen Raum stattfinden. Da an diesem Tag traditionell viele Demonstrationen und auch Krawalle stattfinden, sollen Behörden, Sicherheits- und Rettungskräfte nicht zusätzlich belastet werden. „Wir bitten daher darum, die Aktionen ins Internet zu verlegen beziehungsweise auf privatem Grund kreativ zu werden.“
Denkbar seien beispielsweise originelle Fotos und Videoclips mit leeren Stühlen und persönlichen Statements, die in den Restaurants oder im Freibereich aufgenommen und am 1. Mai unter den Hashtags #leerestuehle, #Leadersclub, #gastrofriday auf sozialen Plattformen im Internet veröffentlicht werden.

Benjamin Lemm / Gastroinfoportal

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