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Als Chef haben sie es in Zeiten der Coronakrise nicht leicht. Wie Sie als Chef damit umgehen können, haben wir im Interview mit Jessica Lackner herausgefunden.

3 Fragen an Jessica Lackner

Datum: 08.03.2021Quelle: Redaktion 24 Stunden Gastlichkeit | Bild: Clickfotostudio | Ort: München

Jessica Lackner hat Gastronomie und Hotellerie gelebt, jeden Handgriff gelernt, hart für ihren Erfolg gearbeitet und jahrelang gastronomische Betriebe geführt. Zum Internationalen Frauentag spricht sie mit uns über die Vorteile von Frauen und die Launen der Männer.

Frau Lackner, oftmals finden sich vor allem in Führungspositionen Männer: Warum ist das Ihrer Meinung nach so? Was müsste sich ändern, damit auch vermehrt Frauen den Weg dorthin finden?

Da spielen viele Faktoren eine Rolle. Ich bin der Meinung, es fehlt uns an Menschen die einfach machen, egal ob Männer oder Frauen. Jedoch denken Frauen zu viel nach und Männer zu wenig, dafür setzen Männer schneller um. Männer haben oft ein großes Ego und verkaufen sich vielleicht dadurch auch „besser“ bzw. anders. Die weiche Seite der Frau kann anfangs den Eindruck erwecken, dass sie sich nicht durchsetzen kann. Dabei bringen Frauen meist das Gesamtpaket mit, welches Organisationen speziell in der Führungsrolle brauchen.

Aber man kann auch nicht alle über einen Kamm scheren. Da die Führungsposition der nächste Schritt auf der Karriereleiter ist, ist es für die Männer schnell verlockend. Frauen überlegen sich oft bewusst, ob sie diese Führungsrolle mit der verbundenen Verantwortung annehmen wollen und/oder können.

Was können Unternehmen, Organisationen und HR’ler in Zukunft anders machen?

Zum einen sollten sich die Verantwortlichen für die Auswahl der richtigen Führungspersönlichkeiten mehr Zeit nehmen und sich dabei bewusst machen, ob es um das KÖNNEN oder das WOLLEN geht. Dafür sollten sie den Menschen in den Mittelpunkt stellen.

Zum anderen darf und muss die Rolle bzw. Position und die damit verbundenen Erwartungen klar beschrieben werden: Was ist die Vision, welche Werte teilt die Organisation bzw. das Unternehmen? Wofür steht es?

Darüber hinaus sollte man sich genau überlegen, ob man Manager oder Leader, bzw. sogenannte Machkräfte®, braucht: Brauchen wir Menschen die mit Druck ergebnisorientiert arbeiten (das ist oftmals eher die Männerrolle) oder wollen wir Machkräfte, die menschenorientiert führen und die Mitarbeiter zu weiteren Machkräften ausbilden oder zu Markenbotschaftern machen?

Warum sollte ich als Arbeitgeber vor allem auf Frauen setzen? Wie gehe ich im besten Fall mit Vorurteilen und Klischees um?

Aus meinen über 20 Jahren Leadership-Praxis, kann ich sagen, dass Frauen oft in der Lage sind sich in viele Rollen hineinzuversetzen, den Überblick bewahren und somit auf Augenhöhe führen. Sie sind dadurch emphatischer – d. h. aber nicht, dass es keine Männer gibt, die das nicht können. Jedoch beweisen Frauen schon im privaten Umfeld, dass sie Machkräfte sind. Sie gehen arbeiten und einkaufen, schmeißen den Haushalt, kochen, waschen, kümmern sich um die Kinder, machen Homeschooling, sind Mutter, Coach, Ehefrau und vieles mehr in einer Person. Frauen sind in der Lage viele Dinge gleichzeitig im Blick zu behalten.

Und ja, es gibt auch wenige Männer die dazu in der Lage sind. Doch der Unterschied zu Männern ist, Frauen lassen nicht raushängen was sie alles machen oder können. Sie jammern selten und brauchen wenig Bestätigung – was nicht heißt, das wir sie nicht zu schätzen wissen. Aber wir wissen, was wir können. Wir machen einfach, ohne es raushängen zu lassen, ganz ohne Ego.

Bezüglich der „Klischees“ und „Launen“ kann ich sagen, dass Männer diese genauso haben. Ich habe in den vergangenen 15 Jahren über 100 Mitarbeiter geführt, darunter waren mehr als 50 Prozent Männer. Und auch die haben „gewisse Tage“. Kurzum: Ich finde, wir sollten jeden Menschen so akzeptieren wie er ist, frei von Bewertungen. Jeder hat eine Chance verdient. Ganz nach dem Motto: „Raus aus der Bewertungsschublade“, denn echte Machkräfte bewerten nicht.

Vielen Dank für das Gespräch!

Neben Jessica Lackner gibt es noch weitere herausragende Frauen, die innerhalb der Branche zeigen, was Frau alles kann. Den Internationalen Frauentag 2021 wollen wir deshalb zum Anlass nehmen, um (erneut) auf diese ganz besondere Frauen aus dem Gastgewerbe aufmerksam zu machen.

Jeanette Lesch / Redaktion 24 Stunden Gastlichkeit

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