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2. Lockdown: So denken Hoteliers darüber

Datum: 02.11.2020Quelle: a&o, Biohotel Garmischer Hof / Biohotel Bavaria, | Bilder: Rhema Kallianpur on Unsplash, a&o, Garmischer Hof, Lindner Hotels | Ort: München

Seit dem 28. Oktober ist klar: Es wird einen weiteren Lockdown geben, der das Gastgewerbe dazu zwingt, die Türen erneut zu schließen. Aber ist die Branche überhaupt für einen weiteren Lockdown gerüstet? Wie lange können Sie unter den gegebenen Umständen noch durchhalten? Und wie denken Sie über den derzeitigen Corona-Kurs der Bundesregierung? Wir haben in der Hotellerie nachgefragt!

So denken Hoteliers über den erneuten Lockdown

Phillip Winter, Chief Marketing Officer a&o

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Phillip Winter, Chief Marketing Officer a&o

Sind Sie für den erneuten Lockdown gerüstet? Wie lange können Sie unter den gegebenen Umständen noch durchhalten?

Vieles deutete in den vergangenen Tagen darauf hin, dass die Maßnahmen drastisch verschärft werden. Daher haben wir schon vor einigen Tagen wieder damit begonnen, uns nach Alternativgeschäften umzusehen. So kooperieren wir in den a&o-Städten wieder verstärkt mit Hilfsorganisationen, Krankenhäusern, Stadtverwaltungen oder bieten auch Langzeitvermietungen u. a. für Studenten erfolgreich an. Wir können hier an unsere positiven Erfahrungen und Kontakte aus dem Frühjahr anknüpfen. So haben wir in jeder Stadt eine Grundbelegung in unseren Häusern – das hilft unserer Moral enorm. Durchhalten können und werden wir so lange wie nötig – auch und besonders weil nach wie vor ein top motiviertes Team hinter jedem a&o steht.

Wie denken Sie über den derzeitigen Corona-Kurs der Bundesregierung, insbesondere mit Hinblick auf das Gastgewerbe?

Unsere Branche hat sich im Frühjahr viele Gedanken gemacht und zusammen mit Fachleuten umfangreiche Hygienekonzepte erarbeitet. Die Statistiken zeigen, dass diese Konzepte funktionieren, dass Menschen sich nicht auf Reisen bzw. in Hotels oder Restaurants anstecken. Umso weniger lassen sich daher die Beherbergungsverbote für touristische Übernachtungen nachvollziehen. Aber Rückschau bringt jetzt nichts – für die Zukunft der dringende Impuls: intensiverer Austausch und Zusammenarbeit mit Branchen-Insidern. Die deutsche Wirtschaft ist viel mehr als die Automobilindustrie …

Sind die angekündigten Unterstützungs-Maßnahmen ausreichend?

Wenn die vom Bund angekündigte Not- bzw. Überbrückungshilfe von 75 Prozent tatsächlich gewährt wird, wäre das hilfreich. Ändert aber nichts an Einbrüchen übers Jahr gesehen, die insgesamt bei uns bei rund 75 Prozent liegen werden.

Welche Maßnahmen werden Sie nun ergreifen, um ihre Hotels & Hostels zu sichern?

Wir werden unsere Häuser in allen Städten offen halten. Wir versuchen, uns mit Konzepten, Projekten und Ideen zu motivieren. Das gesamte a&o-Team zeigt eine unglaubliche Moral – schon das allein macht Mut und lässt uns nach vorne schauen.


Konstanze Seiwald-von Thurn, Biohotel Garmischer Hof

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Konstanze Seiwald-von Thurn und ihr Mann Florian Seiwald führen gemeinsam die beiden Biohotels Garmischer Hof und Bavaria in Garmisch-Partenkirchen.

Sind Sie für diesen erneuten Lockdown gerüstet?

Momentan sind wir zuversichtlich, wenn es bei vier Wochen bleibt und die zugesicherten Hilfen kommen.
Hier muss es jedoch für viele schnell und unbürokratisch ablaufen. In Garmisch hatten wir einen starken Sommer – das sieht sicherlich nicht in allen Regionen in Deutschland so aus. Vor allem die Stadthotellerie ist stark getroffen und die Gastwirte und Bars ja sowieso.

Wie denken Sie über den derzeitigen Corona-Kurs der Bundesregierung, insbesondere mit Hinblick auf das Gastgewerbe?

Ich habe die Befürchtung, dass sich nun wieder vermehrt zuhause getroffen wird – hier gibt es weder Hygienekonzepte noch Abstandsregeln. Wir werden sehen, wo dieser Kurs hinführt. In Gastronomien, wo Hygienekonzepte gut gelebt wurden, fühle ich mich sehr sicher. Da hat mir der Vorschlag von Tim Mälzer bei Lanz letztens gut gefallen – eine Art Zertifizierung, dass Hyginekonzepte vorhanden sind und richtig gelebt werden. Das fände ich ein gutes Instrument, um den Menschen Sicherheit und den Wirten eine Option zu geben.

Sind die angekündigten Unterstützungs-Maßnahmen Ihrer Meinung nach ausreichend?

Wie gesagt – die Unterstützung sollte schnell und unbürokratisch ablaufen. Eventuell wäre bei vielen Fällen ein Druchschnitt vom Vorjahr anstelle des Monats besser – bei manchem, der sowieso schon am Rand der Belastung ist, könnte ja auch der Vorjahresmonat schlecht gewesen sein und dann sieht es bitter aus.

Welche Maßnahmen werden Sie nun ergreifen, um den eigenen Betrieb zu sichern?

Schnelllebig ist momentan die Zeit – waren wir Mitte der Woche noch gut gebucht für die nächsten zwei Wochen – ist nun natürlich alles so gut wie leer. Nur für Geschäftskunden offen zu halten, macht bei uns wirtschaftlich keinen Sinn. Daher nutzen wir die nächsten (hoffentlich nur) vier Wochen um zu stöbern und viele andere Dinge zu erledigen, die während der guten Sommersaison zu kurz gekommen sind.
Wir sind optimistisch, dass wenn Tourismus wieder erlaubt ist, Garmisch als Destination schnell wieder anlaufen wird.
Bayern, Bio, Bier ,Winter, Berge, Wandern, die Zugspitze, unser Brauchtum und unsere Lage in Deutschland sind unsere Stärke. Jetzt werden wir erstmal den Gutscheinverkauf ankurbeln und den Flaschenverkauf wieder forcieren. Ebenso werden wir in Zusammenarbeit mit „der Laden“ein To-go-Konzept entwickeln. Wir hoffen auf eine starke Wintersaison und sind froh, dass nun auch der zweite Lockdown in die Nebensaison fällt.

Herzlichen Dank für Ihre Meinung!


IHA, DEHOGA und HDV: Besorgte Branche

Lindner Hotels AG
IHA Vorsitzender Otto Lindner

Ein aussagekräftiges Statement gaben außerdem die Vorsitzenden des Hotelverband Deutschland IHA, Otto Lindner (siehe Bild links) und Markus Luthe, auf dem Blog des Verbandes ab. So bezeichneten sie den zweiten Lockdown als „Schlag ins Gesicht“ für die gesamte Branche. „Die Hotellerie ist nachweislich kein Herd und schon gar kein Treiber des Infektionsgeschehens. Das faktisch totale Beherbergungsverbot kann also keine geeignete, zielführende Wellenbrecher-Maßnahme sein, sondern ist kopflose Symbolpolitik“, schreiben sie und verweisen auf die Zahlen des RKI. Auch prangerten sie die ausgebliebenen Zahlungen der bereits zuvor versprochenen Soforthilfen an. Das vollständige Statement lesen Sie hier.

Ähnlich hatte sich Guido Zöllick, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes, bereits vor den Beschlüssen zu einem möglichen Lockdown geäußert: „Es kann nicht sein, dass wir wieder die Leidtragenden sind. Unsere Unternehmer benötigen Planungssicherheit und haben einen Anspruch darauf, dass alle Maßnahmen wohl begründet und verhältnismäßig sind.“

Jürgen Gangl, Vorsitzender der Hoteldirektorenvereinigung Deutschland, sprach gar von einem Lockdown durch die Hintertür. Der Branche werde schrittweise die Existenzgrundlage entzogen. „Die Politik beschädigt zurzeit gezielt die in den vergangenen Wochen leichte Geschäftsverbesserung in der Branche und macht damit jedes Fünkchen Hoffnung zunichte. Betriebe, die um ihre Existenz kämpfen, werden so ohne eigenes Verschulden immer weiter in die Insolvenz gedrängt. Und die Politik sieht untätig zu.“

Benjamin Lemm / Redaktion first class

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