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Seit dem 28. Oktober ist klar: Es wird einen weiteren Lockdown geben. Aber ist die Branche überhaupt dafür gerüstet? Wir haben in der Branche der Gemeinschaftsverpfleger nachgefragt!

2. Lockdown: So denken GV-Verantwortliche darüber

Datum: 30.10.2020Quelle: Redaktion GVMANAGER | Bilder: Colourbox, privat | Ort: München

Seit dem 28. Oktober ist klar: Es wird einen weiteren Lockdown geben, der das Gastgewerbe dazu zwingt, die Türen erneut zu schließen. Aber ist die Branche überhaupt für einen weiteren Lockdown gerüstet? Wie lange können Sie unter den gegebenen Umständen noch durchhalten? Und wie denken Sie über den derzeitigen Corona-Kurs der Bundesregierung? Wir haben in der Branche der Gemeinschaftsverpfleger nachgefragt!

So denken GV-Betriebe über den erneuten Lockdown

Florian Fischer, Inhaber, Köstlich & Co Catering, Poing b. München

Florian Fischer, Inhaber, Köstlich & Co Catering, Poing b. München

Sind Sie für einen weiteren Lockdown gerüstet? Wie lange können Sie unter den gegebenen Umständen noch durchhalten?

Wir sind für einen zweiten Lockdown gerüstet. Die Mitarbeiter sind ebenfalls auf eine Erweiterung der Kurzarbeit vorbereitet worden. Und unser Betrieb bereitet sich auch schon wieder auf das reine To-go-Geschäft vor.

Wie lange können wir durchhalten? Entscheidend ist für uns, was mit den Kitas und Schulen passiert. Sollten diese auch kein Essen beziehen dürfen, dann würde es nach zwei bis drei Monaten eng. Sollten die Kitas und Schulen offenbleiben und auch das Essen nachgefragt werden, dann können wir mit einer schwarzen Null überleben. Die Betriebsgastronomie alleine rechnet sich aufgrund des Homeoffice und eines eventuellen reinen To-go-Geschäfts nicht.

Wie denken Sie über den derzeitigen Corona-Kurs der Bundesregierung?

Ein neuerliches Herunterfahren des privaten Bereichs, mit einem ausschließlichen Vergnügungsfaktor, erachte ich als vollkommen sinnvoll. Die Strategie, Kitas- und Schulen sowie die Wirtschaft offen zu halten, erachte ich als richtigen Ansatz.

Welche Unterstützungs-Maßnahmen sind Ihrer Meinung nach zwingend erforderlich?

Die finanziellen Hilfen aus dem vergangenen Frühjahr, wie die Soforthilfen, waren der richtige Ansatz.

Welche Maßnahmen werden Sie aufgrund des Lockdowns ergreifen, um den eigenen Betrieb zu sichern?

Wir haben es in den vergangenen Monaten geschafft, nur noch bei 15 bis 20 Prozent Kurzarbeit zu sein. Durch den zweiten Lockdown müssen wir die Kurzarbeit wieder erheblich ausweiten.


Uwe Ochott, Senator im Senat der Wirtschaft, Knigge-Vorstandsmitglied und jahrelang in der Betriebsgastronomie in Führungspositionen tätig

Uwe Ochott, u. a. Senator im Senat der Wirtschaft und Verantwortlicher für die disziplinarische und fachliche Führung der Betriebsgastronomie eines Konzerns

Wie denken Sie über den derzeitigen Corona-Kurs der Bundesregierung?

Ich bin stinksauer angesichts der Entscheidung, dass Gastronomie und Hotellerie schließen müssen. Wenn es jemand richtig gemacht hat, dann doch unsere Branche! Wir haben Hygienekonzepte – nicht erst seit Corona. Über Jahrzehnte haben wir darin Erfahrung, haben diese gelebt.

Die gastronomischen Verbände haben aktuell versagt. Sie hätten Rückgrat beweisen und intervenieren müssen, statt als Ja-Sager zuzusehen. Ich kenne einige Verantwortliche aus der Hotellerie und Gastronomie, die ihre Häuser jetzt komplett schließen und nicht wissen, ob sie diese jemals wieder öffnen können.

Auch die Gemeinschaftsgastronomie ist indirekt getroffen. Angesichts des Ausbaus von Homeoffice werden wir künftig nicht mehr so viele Mitarbeiter an den Standorten brauchen, um unsere gastronomischen Einheiten zu betreiben. Den Fachkräftemangel lindert das aber keineswegs.
Es werden viele Mitarbeiter – auch die sowieso raren Fachkräfte – abwandern  etwa in den lukrativeren Vertrieb oder in den Verkauf des LEH.

Welche Maßnahmen sollten Betriebsgastronomen Ihrer Erfahrung nach ergreifen, um den eigenen Betrieb zu sichern?

Was man als Betriebsgastronom aktuell tun könnte, um sich zu rüsten? Einerseits den Kontakt zu den Mitarbeitern halten. Andererseits sollte man outgesourcte Dienstleistungen neu überdenken. Diese zurückzuholen, ist eine Chance, das eigene Team zu halten. Denn es wäre fatal, sich personell so weit auszudünnen, dass man in der Urlaubszeit handlungsunfähig wird. Was beim Outsourcing zudem oft vergessen oder falsch bewertet wird, sind die infrastrukturellen Kosten. Denn auch wenn Personalkosten wegfallen, müssen zum Beispiels Umkleiden, Büros etc. vorgehalten werden. Viele Dinge müssen neu überdacht werden, gerade solche, die früher weniger relevant waren, können jetzt überlebensnotwendig werden.


Floris Vlasman, Geschäftsführer und Managing Director, Floris Catering

Floris Vlasman, Geschäftsführer und Managing Director, Floris Catering

Sind Sie für einen weiteren Lockdown gerüstet? Wie lange können Sie unter den gegebenen Umständen noch durchhalten?

Den Lockdown haben wir ja nun – zumindest in einer „Light-Version“! Floris als Cateringunternehmen ist nicht unmittelbar betroffen. Sprich: Wir dürfen weiter arbeiten und sind fleißig dabei „neue Formate“ wie unseren frisch gelaunchten Onlineshop, oder unsere neuen hybridfähigen Produkte im Eiltempo zu entwickeln. Wir haben uns derart diversifiziert, sodass wir noch einen langen Atem haben werden.

Wie denken Sie über den derzeitigen Corona-Kurs der Bundesregierung?

Aktuell bin ich geteilter Meinung. Auf der einen Seite weiß ich, dass wir nicht umhin kommen, Leib und Leben aller Bürger zu schützen. Andererseits halte ich die Maßnahmen teilweise für nicht verhältnismäßig. Wenn Herr Spahn zum Beispiel die gesamte Veranstaltungswirtschaft in einen Topf wirft, ist das ein großer Fehler. Eine mit Hygienekonzept und unter Einhaltung sämtlicher Maßnahmen durchgeführte Veranstaltung gehört nicht verboten. In den vergangenen acht Monaten gab es bundesweit keinen Fall, der unsere Branche als „Superspreader“ betiteln lässt. Warum nun also jedermann zum Friseur darf, aber keinen Besuch im Restaurant vornehmen kann, ist und bleibt mir ein Rätsel!

Welche Unterstützungs-Maßnahmen sind Ihrer Meinung nach zwingend erforderlich?

Die Branche benötigt jetzt, bürokratisch unkompliziert, ohne wenn und aber, bedingungslose, zinslose finanzielle Hilfe um etwa Unternehmerlohn, Betriebskosten, etc. bezahlen zu können.

Welche Maßnahmen werden Sie aufgrund des Lockdowns ergreifen, um den eigenen Betrieb zu sichern?

Floris verlässt gezwungenermaßen temporär sein Kerngeschäft. Wir diversifizieren derzeit um kurzfristig hybride, virtuelle sowie weitere intakte Märkte zu bedienen.

Herzlichen Dank für Ihre Meinung!

Claudia Kirchner / Redaktion GVMANAGER

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