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Mafia erpresst Gastronomen

Datum: 05.10.19Quelle: Mit Material von dpa, deutschlandfunk | Foto: Colourbox.de | Ort: München |

Von italienischen Staatsanwälten kommt oft der Vorwurf, die deutsche Polizei nehme Mafia-Clans nicht genügend unter Feuer. Neben dem Kokain-Handel ist der „Verkauf“ von Lebensmitteln an Gastronomen ein beliebtes Geschäftsfeld der Mafiosi.

‚Ndrangheta

Die ‚Ndrangheta aus Kalabrien gilt als mächtigste italienische Mafiaorganisation. Eine Fehde zwischen zwei Clans der ‚Ndrangheta war Hintergrund der Mafiamorde von Duisburg, wo 2007 nachts vor einer Pizzeria sechs Menschen erschossen wurden.

Erpressung als Tagesgeschäft

Besonders aktiv ist die Mafia in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen. Zu ihren Haupteinnahmequellen zählen der Rauschgifthandel, Fälschungen und die Erpressung von Gastwirten italienischer Herkunft. Diese werden von den Mafia-Clans häufig gezwungen, überteuerte oder minderwertige Lebensmittel aus Italien zu beziehen – zum Beispiel Wein, Olivenöl oder Salami.

Auslegung vor Gericht

Das ist für die Täter einfacher als die traditionelle Schutzgelderpressung, wo Gastwirte mit vorgehaltener Waffe gezwungen werden, einen Teil ihrer Einnahmen abzugeben. Denn wenn es zu einer Verurteilung kommt, wird der Lebensmittelhandel unter Zwang meist als Nötigung eingestuft. Die Strafe fällt dann niedriger aus als bei der klassischen Schutzgelderpressung – auch weil die Ware ja nicht ganz ohne Wert ist. Außerdem muss sich der Mafia-Clan in diesem Fall gar nicht erst die Mühe machen, das Geld zu waschen. Denn es ist ja schon Teil des „legalen“ Wirtschaftskreislaufs. „Zum Teil handelt es sich auch um Lebensmittel, die von Clan-nahen oder Clan-eigenen Unternehmen in Italien produziert werden“, sagt Sandro Mattioli, der Vorsitzender des Vereins „Mafia? Nein Danke!“.

Legale Geschäfte

Sandro Mattioli erklärt, dass die Mafia Gastwirte dazu nötigt, überteuerte Pizzakartons, Tomaten oder Weine zu kaufen. Für diese Produkte gäbe es auch eine eigene Lieferstruktur. Das Hauptinteresse der Mafia liege aber darin, illegal erwirtschaftetes Geld durch legale Investitionen zu waschen. Der Vereinsvorsitzende weiß: „Wir haben die klassischen Mafia-Geschäfte in Deutschland: Kokainhandel, Waffenhandel, Abfall, Schwarzarbeit und Steuerhinterziehung. Wir haben aber auch legale Geschäfte: Investitionen in Immobilien, Investitionen in Flächen, in Unternehmen, Gastronomie, Hotellerie natürlich.“

Mehr Schutz

Innenpolitikerin Irene Mihalic (innenpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen), selbst Polizeibeamtin, findet, die Bundesregierung müsse bei der Bekämpfung der Mafia ein noch größeres Problembewusstsein an den Tag legen und die Sicherheitsbehörden „personell und strukturell befähigen, gegen diese Gruppierungen vorzugehen“. Im vergangenen Jahr richteten sich 13 Ermittlungsverfahren gegen die ‚Ndrangheta, die Camorra und die sizilianische Cosa Nostra. Tatsächlich hängt die Zahl der OK-Verfahren immer auch mit den Ressourcen der Polizeibehörden zusammen. Konkret heißt das zum Beispiel: Wenn mehr Kräfte für die Observation islamistischer Gefährder eingesetzt werden müssen, geht das auch zulasten der Verfahren gegen die Organisierte Kriminalität.

Redaktion Gastroinfoportal

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