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Bayerischer Hof Front exkl

Ein Hotel für die Menschen

Datum: 10.04.2018Quelle: Bayerischer Hof, Anja Wechsler Ort: München

Innegrit Volkhardt führt das Hotel Bayerischer Hof in der vierten Generation. Nach einer Hotellehre und einem Studium der Betriebswirtschaftslehre übernahm sie 1992 von ihrem Vater die Geschäftsführung. Seither hat sie nicht nur eine völlig neue Organisationsstruktur geschaffen, sondern das erfolgreiche Traditionshotel rundum renoviert und umgebaut. Neben dem wirtschaftlichen Erfolg ihres Hotels liegt ihr die Entwicklung ihrer Heimatstadt München besonders am Herzen.

first class: Frau Volkhardt, was zeichnet den Bayerischen Hof aus, was macht ihn zu etwas Besonderem?

Innegrit Volkhardt: Unser Hotel ist seit 1897 im Besitz der Familien, und wird nunmehr in der vierten Generation von mir geleitet. Das macht den Geist dieses Hauses aus: die Vielfalt und das Bestreben unserer Familie, den Menschen und speziell den Münchner anzusprechen und ihn mit einem großen Angebot glücklich zu machen. Das Motto meines Vaters war: Niemand sollte das Hotel unbedingt verlassen müssen. Der Bayerische Hof soll vielmehr eine kleine Stadt in der großen Stadt sein und alles davon widerspiegeln.

Sie haben den Bayerischen Hof 1992 von Ihrem Vater übernommen. Was ist Ihre persönliche Handschrift dabei?

Es war für die Familie immer normal, Veränderungen anzugehen. Das Haus wurde im Laufe meiner Führung mittlerweile für knapp 170 Mio. Euro umgebaut. Einzig unser historisches Palais aus dem 19. Jahrhundert ist noch nahezu unverändert. Ich habe das Hotel mit der Handschrift der Familie renoviert: in Tradition, Verbundenheit und mit Respekt vor der Vergangenheit. Ich denke, der ursprüngliche Geist ist dabei erhalten geblieben. Ich möchte nie etwas tun, was unsere Stammgäste vor den Kopf stößt und wodurch sie sich nicht mehr zu Hause fühlen.

Innegrit Volkhardt
Seit 1992 die Chefin des Bayerischen Hofs, Innegrit Volkhardt.

“Wir wollen jede Bevölkerungsschicht erreichen.”

Der Bayerische Hof blickt auf eine 120-jährige Tradition zurück. Mit welchen Angeboten sprechen Sie eine jüngere Zielgruppe an?

Es war schon immer unser Anliegen, wie im Palais Keller, jede Bevölkerungsschicht anszusprechen. So veranstalten wir nach wie vor den Kinderfasching und zahlreiche Bälle, um jede Zielgruppe zu erreichen. Das Restaurant Trader Vic’s wird inzwischen in der vierten Generation besucht. Viele Jugendliche wünschen sich dort einen Besuch, um den Schulabschluss mit ihrer Familie zu feiern. Wir haben darüber hinaus ein eigenes Kino und einen Night-Club mit renommierten internationalen Bands. Auch der Spa-Bereich ist für eine jüngere Zielgruppe konzipiert. Wir haben zudem das Glück, dass wir schon immer das Hotel für die Musik- und Filmbranche waren. Diese Verbundenheit ist geblieben und beschert uns ein junges und cooles Publikum.

Wie hat sich Ihre Klientel in den letzten Jahren verändert?

Durch das globale Reiseverhalten ist alles weltoffener und anspruchsvoller geworden. Die Gäste aus Russland und den arabischen Ländern gab es früher nicht, und das sind jetzt mit unsere Kernmärkte. Die meisten Kunden kommen aber nach wie vor aus Deutschland und Amerika. Allmählich steigt auch die Zahl der chinesischen Gäste. Wir sind seit mehr als 50 Jahren Partner von „The Leading Hotels of the World“ und „Preferred Hotels and Resorts“. Über deren weltweites Netz werden Gäste aus aller Welt angesprochen. Natürlich führt auch an den OTAs kein Weg mehr vorbei.

Sie haben erst vor Kurzem die neue Penthouse Garden Suite eröffnet. Beim Innendesign haben Sie wieder auf den Innendesigner Axel Vervoordt gesetzt. Was schätzen Sie an ihm?

Axel Vervoordt will die Einfachheit. Ich habe ihn mal auf der Biennale in Venedig besucht und war von seiner Arbeit beeindruckt. Eine Aussage von ihm lautet: „I love everything that is very real.“ Dem stimme ich zu. Ich habe großen Respekt vor früherer Handwerkskunst, und wir haben bei unserem Umbau nur natürliche Materialien wie alte Hölzer und Klosterdielen verwendet. Die Wände wurden aus einem Zement-Sand-Gemisch mit Materialien aus der Gegend und mit Farbpigmenten verfeinert. Das ist nicht unbedingt teurer als ein modernes Zimmer, aber unsere Kunden schätzen dieses Engagement. Dazu haben wir im Bad Naturstein verwendet. Es gibt viele Vervoordt-Fans, und die bekommen dann auch die Zimmer.

 

Lesen Sie das komplette Interview in der aktuellen Ausgabe der first class 04/2018!

 

“So eine tolle Stadt wie München hat es verdient, dass man behutsam mit ihr umgeht und sie nicht zerstört.”

München hat inzwischen mehr Hotelbetten als Manhattan. Wie beurteilen Sie den hiesigen Markt?

Die Entwicklung finde ich bedauerlich. Die Hotellerie ist eine attraktive Anlagemöglichkeit und daher wird sehr viel Geld von internationalen Fonds in den Markt gepumpt. Aber irgendwann ist der Punkt erreicht – und der Zeitpunkt ist schon fast erreicht –, wo sich die Investitionen nicht mehr rechnen. Was passiert dann mit den Objekten? Besonders die Entwicklung im Vier-Sterne-Bereich boomt. Man erhofft sich dort mehr Auslastung bei geringerer Kostenstruktur, um eine bessere Rendite zu erzielen. Das halte ich für sehr gefährlich, denn die Stadt und das Tourismusamt wollen eigentlich qualitativ hochwertige Gäste in die Stadt holen – und jetzt muss man aber die ganzen Vier-Sterne-Betten füllen und eine quantitative Nachfrage erzeugen. Wie will die Stadt diesen Widerspruch auflösen? Zugleich wird der Wohnungsbau stark vernachlässigt. So eine tolle Stadt hat es verdient, dass man behutsam mit ihr umgeht und sie nicht zerstört.

Wie beurteilen Sie die heutige Hotellandschaft?

Die heutige Hotellerie ist sehr unifomiert und austauschbar. Ich finde es allerdings gut, dass bei neuen Hotelkonzepten erkannt wurde, dass es wichtig ist, die einheimische Bevölkerung in den Betrieb zu integrieren. Das haben wir immer gemacht, und ich hoffe, dass das nicht nur ein kurzfristiger Trend ist.

Stichwort Fachkräftemangel: Leidet der renommierte Bayerische Hof auch unter zu wenig geeigneten Bewerbern?

Wir sind alle betroffen. Die Schwemme an neuen Hotels verschärft diese Situation noch weiter. Sie bekommen in München fast in allen Branchen keine Fachkräfte mehr. Ausländische Arbeitskräfte sind anfangs oftmals schwierig, aber wahrscheinlich die einzige Lösung. Der neue Work-Life-Balance-Trend, anstelle von Karriere auf Lebensqualität und Familie zu setzen, verschärft die Situation zusätzlich. Wir haben es als eingeführte Marke leichter. Zudem stellen wir vielen Mitarbeitern Wohnungen in Innenstadtlage zur Verfügung. Darüber hinaus haben wir flexible Arbeitszeitmodelle eingeführt, um viele Wünsche abdecken zu können.

Worauf legen Sie bei Ihren Mitarbeitern wert?

Sie müssen Lust auf Dienstleistung haben, freundlich sein und Spaß an der Arbeit haben. Wir bieten auch Quereinsteigern und Flüchtlingen ohne Ausbildung eine Chance und unterstützen diese in ihrer Ausbildung.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Udo Schwickal / Gastroinfoportal

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