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Datum: 18.06.2013Quelle: Uwe Knop

Hofheim. Seit 13 Jahren
wird der Verzehr von täglich 5 Portionen Obst und Gemüse propagiert. Eine
aktuelle Studie des Robert Koch-Instituts RKI offenbart nun, dass sich nur eine
Minderheit der Bürger an diese staatliche Empfehlung hält: „Der Anteil der
Personen, der 5 Portionen Obst & Gemüse am Tag konsumiert, ist immer noch
sehr gering", lautet das Fazit des RKI. Nur 15% der Frauen und 7% der Männer
erreichen die empfohlenen 5 Portionen pro Tag [1]. Zu vergleichbaren
Ergebnissen kam das RKI bereits 2012 in der „GEDA 2010"-Studie [2]. „Wenn eine
Kampagne nach 13 Jahren Laufzeit fast 90% der Bürger nicht erreicht, dann
sollte man den Mut haben, sie als gescheitert zu betrachten", appelliert
Ernährungswissenschaftler Uwe Knop an DGE und BMLEV, die hierzulande 5-am-Tag
propagieren.Insbesondere vor
dem Hintergrund, dass bislang kein wissenschaftlicher Nachweis vorliege, ob
5-am-Tag der Gesundheit der Bürger nutzt oder schadet, müsse die Kampagne auf
den Prüfstand. Denn möglicherweise bestehe sogar ein Zusammenhang zwischen
dem propagierten Pflanzenmehrverzehr und dem 80%-igen Anstieg
klinischer Fälle diverser Magen-Darm-Krankheiten, die seit Beginn der Kampagne
in der Gesundheitsberichterstattung
des Bundes
 dokumentiert
sind [3]: „Trotz der niedrigen 5-am-Tag-Quoten sind es noch immer Millionen
Menschen, die mit viel Obst und Gemüse ihrer Gesundheit etwas `Gutes´ tun
möchten – und dabei vielleicht ihren Verdauungstrakt überstrapazieren, weil sie
schwer verdauliche Pflanzennahrung nicht vertragen", vermutet Knop. Einen
solchen Zusammenhang sieht auch die deutsche Fachgesellschaft für
Ernährungstherapie und Prävention (FET e.V.)
 auf Basis entsprechender Rückmeldungen
Betroffener [4].

Auch bei Reduktion auf 3-am-Tag: „Roh(r)krepiererkampagne"

Selbst wenn die
Kampagne „3-am-Tag" hieße, müsse man den bisherigen Einsatz der Abermillionen
staatlicher Fördergelder kritisch hinterfragen: Laut RKI verzehren 39% der
Frauen und ein Viertel der Männer mindestens 3 Portionen Obst und Gemüse am
Tag, davon die meisten unter den 60- bis 69-Jährigen. „Vor allem wenn man
berücksichtigt, dass bei den Verzehrsmengen beispielsweise auch Säfte,
Konservengemüse und Kompott eingerechnet werden, sind auch die Quoten für
3-am-Tag zu niedrig, um von einem Erfolg zu sprechen", so Knop. „Eine
entscheidende Frage ist immer, woran man Erfolg messen kann – und das kann bei
der 5-am-Tag-Kampagne nur der Verein selbst und das Bundesministerium
beantworten", erklärt Harald Seitz, Pressesprecher des
aid-infodiensts
. Die entsprechenden Anfragen, die Knop an
5-am-Tag, die DGE und das BMELV gerichtet hat, blieben jedoch unbeantwortet.
Der langjährige Kampagnen-Kritiker Udo Pollmer, Leiter des Europäischen
Instituts für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften e.V. (EU.L.E.)
,
erklärt das „Schweige-Dilemma" der angefragten Akteure: „Nachdem die größte
europäische Ernährungsstudie (EPIC) zeigen konnte, dass Obst und Gemüse gerade
nicht vor Krebs schützen, muss man sich schon fragen: werden hier Steuergelder
verpulvert? Bereits 2004 hatte die DGE darauf hingewiesen, dass in den USA die
Kampagne zu keiner nennenswerten Konsumsteigerung geführt habe. Das Scheitern
ihrer eigenen 5-am-Tag-Kampagne war schon damals vorhersehbar. Die
Verschwendung der vielen Millionen Euro Fördergelder sollte in Anbetracht der
aktuellen RKI-Daten und der potenziellen Gesundheitsschäden schnellstmöglich
Gegenstand einer Parlamentarischen Anfrage werden."

Quellenangaben:
[1] Bundesgesundheitsblatt: "Obst- und Gemüsekonsum in Deutschland (DEGS1)",
online publiziert 27. Mai 2013
[2] Robert Koch-Institut: „Gesundheit in Deutschland aktuell 2010", 06. September
2012
[3] Gesundheitsberichterstattung des Bundes, GBE-Bund-Daten-PDF extrahiert
Mai 2013 / NOVO-Argumente: „Ernährung: Obst und Gemüse als Krankmacher", 03. Juni 2013
[4] FET e.V.: „Wenn
ernährungspolitische Maßnahmen eher schaden als nutzen"
, 04. Juni 2013


mp, RbB

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