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Stefan Marquard, der im Rahmen von Küche macht Schule, mit Kindern gemeinsam kocht, ist Schirmherr des 12. Deutschen Kongress Schulverpflegung.

Bock auf Schulverpflegung

Datum: 11.05.2020Quelle: B&L Medien | Fotos: privat, Rockchef | Ort: Poing/Berlin

„Wenn wir an dem Dilemma Schulverpflegung etwas verbessern wollen, müssen alle mitmachen – vom Bund über die Schulträger und die gesamte Schulfamilie bis hin zum Hausmeister, der in der Pause die Brötchen verkauft“, betont TV- und Sternekoch Stefan Marquard. Kein Wunder also, dass er sich für die Schirmherrschaft des 12. Deutschen Kongresses für Schulverpflegung entschied, der am 6. November 2020 in Berlin stattfindet. Auf dem Kongress spricht er in einem Beitrag über das „Stefan-Marquard-Prinzip“.

Sterneküche trifft Kinderernährung

Seit mehr als 38 Jahren steht Stefan Marquard für revolutionäres Arbeiten und Denken – seine kreative, teils „schräge“ Küche brachte ihm neben begeisterten Gästen auch Kritiker.

Gemeinsam mit der Knappschaft setzt er sich für eine gesunde Ernährung an deutschen Schulen ein. Im Rahmen des Präventionsprojekts „Sterneküche macht Schule“ haben sie so bereits über 70 Schulen und Kitas auf eine frische und gesunde Verpflegung umgestellt. Auch dieses Jahr dürfen 20 weitere Schulen, die ihre Verpflegungssituation verbessern wollen, an dem kostenlosen Projekt teilnehmen.

Warum er sich für das Thema Kinderernährung in Kitas und Schulen engagiert, hat der DNSV-Botschafter uns berichtet:

Stefan Marquard, Schirmherr des 12. Deutschen Kongress Schulverpflegung
Stefan Marquard, Schirmherr des 12. Deutschen Kongresses Schulverpflegung

Herr Marquard, Sie engagieren sich aktiv für das Thema Kita- und Schulverpflegung, warum?

Als meine Kinder noch zur Schule gingen, haben sie mich gefragt, ob ich nicht mal an ihrer Schule kochen könnte und so ging mein Engagement los. Es zog dann immer größere Kreise und aus meinem ursprünglichen Ehrenamt, entwickelte sich gemeinsam mit der Krankenkasse Knappschaft ein professionelles Projekt. Unter dem Motto „Sterneküche macht Schule“ besuchen wir jährlich 20 neue Schulen; mittlerweile machen wir das schon im vierten Jahr.

Wie schätzen Sie die derzeitige Situation zur Schulverpflegung ein? Was ist bereits gut, was muss hingegen verbessert werden?

Es wird Land hoch, Land runter viel diskutiert, aber es fehlt an einem bundesweiten Konzept. Die Schulen können diese Versorgungsaufgabe allein nicht übernehmen, die haben eine andere Kernkompetenz. Um die Schulverpflegung in Deutschland nachhaltig zu verbessern, müssen wir dem Fachpersonal, Schülern und Lehrkräften konkrete Verbesserungsvorschläge für gesunde Ernährung an die Hand geben – und das ohne zusätzliches Personal und ohne zusätzliche Kosten. Dazu habe ich in den vergangenen Jahren ein neues System entwickelt.
Das nächste Problem ist das zu geringe Budget, das den Schulen zur Verfügung steht. Sie sollen damit alle Anforderungen erfüllen und das ist einfach nicht möglich. Mit der Umstellung der Kernprozesse in der Küche hätte man unter anderem keine Gewichtsverluste bei Fleisch, Fisch und Geflügel, die Zubereitung ginge wesentlich schneller und effektiver und alles, was für die Ernährung wichtig ist, bleibt zu 100 Prozent erhalten.

Schulverpflegung ist nach wie vor ein heikles Thema – oder wie sehen Sie das?

Das stimmt, überall im Land wird die Verantwortung für eine vernünftige Ernährung von Kindern und Jugendlichen weitergereicht. Keiner packt das Thema richtig an – das ist eine Sackgasse. Und die Kinder, um die es dabei eigentlich geht, werden überhaupt nicht gefragt.
Was wäre, wenn das Thema Ernährung in allen Unterrichtsstunden zwei bis drei Minuten spielend mit einfließen würde? Oder besser noch, wenn täglich vier bis sechs Schüler im Rahmen eines rollierenden Systems, in der Küche mitmachen dürfen? Wenn die Schüler ein Mitspracherecht bei der Gestaltung ihrer Mensen – weg von der Wartehallenatmosphäre – hätten? Wenn sie bei den wöchentlichen Speiseplänen mitreden dürften, dann würden sie sich ernstgenommen fühlen. So entstünde eine neue Basis, um gemeinsam an die Sache heranzugehen.
Es geht letztlich bei allen diesen Überlegungen nur um eines, um unsere Kinder und die haben das Recht, ein vernünftiges Essen auf die Teller zu bekommen.

Mit Ihrem Projekt „Sterneküche macht Schule“ ziehen Sie durch die Lande, was bezwecken Sie damit und was muss eine Schule dafür tun, dass Sie zum Mensa-Check und einem gemeinsamen Kochevent vorbeikommen?

Wir wollen den Menschen, die sich da draußen Tag für Tag an ihren Schulen für die Verpflegung engagieren, helfen. Wir kommen mit Lösungen, die sogar für „Nicht-Köche“ einfach umzusetzen sind. Schulen, die gerne auf eine leckere, frische und gesunde Ernährung umstellen wollen, können sich einfach auf unserer Website zu Sterneküche macht Schule bewerben. Die Teilnahme ist kostenlos.

Worauf legen Sie besonders großen Wert im Rahmen des Projektes, um Kindern gesundes Essens spielerisch näher zu bringen?

Ich arbeite auf Augenhöhe mit den Kindern und gehe dabei sogar noch einen Schritt weiter: Ich übergebe an sie auch die Verantwortung für komplexe Prozesse – unter dem Motto „Du hast jetzt den Hut auf“. Dabei empfinden sie Wertschätzung und Respekt und sind am Ende im wahrsten Sinne des Wortes meine Botschafter für das Kochen an die Familien, Eltern und Freunde. Ich möchte damit einen „Flächenbrand lostreten“, damit wir wieder eine Generation bekommen, die zuhause kocht.
Jeder sollte live mit erleben, mit welcher Lust Kinder beim Kochen dabei sind. Das ist für mich das Großartigste, das es gibt. Das Feedback, das ich dabei zurückbekomme, ist unglaublich.

Beim Thema Schulverpflegung wird immer auf die Politik geschaut, was meinen Sie dazu und haben Sie Forderungen an die politisch Verantwortlichen in unserem Land?

Ich wünsche mir, das gesunde und nachhaltige Schulverpflegung, die sau-lecker schmeckt, mit allem was dazu gehört, zur Selbstverständlichkeit wird. Dazu muss man die Regierung in die Pflicht nehmen – und das bundesweit. Ich glaube, wenn ein Bundesland mit der Einführung eines Schulfaches „Ernährung & Bewegung“ beginnt, werden die anderen nachziehen – davon bin ich fest überzeugt. Ich wiederhole mich gerne, wir müssen eine Generation unterstützen, die wieder zuhause kocht. Das ist ein solidarisches Thema, welches sofort anpacken müssen!

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Den Schirmherr live erleben

Den Schirmherr des 12. Deutschen Kongresses Schulverpflegung erleben Sie live auf der Veranstaltung, die am 6. November 2020 in Berlin stattfindet. Dort spricht Stefan Marquard über sein „Stefan-Marquard-Prinzip“. Weitere Informationen und das Programm des Kongresses finden Sie auf der Website des Deutschen Netzwerk Schulverpflegung sowie im Beitrag zum Programm.

Dr. Michael Polster

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