Bioprodukten

Qualitätssicherung bei Bioprodukten

Datum: Quelle: Inhalt: Ökolandbau.de, Foto: Colourbox.de | Ort: Bonn

Über das Qualitätsmanagement bei der Verwendung von Bioprodukten in der Gemeinschaftsverpflegung wird viel diskutiert. Auch bei den 17 Mitgliedern des Netzwerkes der deutschen Biostädte steht das auf der Tagesordnung. Bislang gibt es noch kein ausgereiftes und in der Praxis bewährtes Konzept. Doch viele Kommunen arbeiten hier an Lösungen und sammeln Erfahrungen.

In Berlin hat die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe 2013/2014 eine zentrale Kontrollgruppe eingerichtet. Diese unterstützt öffentliche Auftraggeber dabei, dass die im Berliner Ausschreibungs- und Vergabegesetz (BerlAVG) vorgeschriebenen Auflagen sowie die damit verbunden vertraglichen Verpflichtungserklärungen seitens der Auftragnehmer und ihrer Nachunternehmen eingehalten werden. Seit dem Frühjahr 2018 prüft sie auch die vereinbarten Anteile von Bioprodukten beim Mittagessen in Grundschulen. Ökolandbau sprach dazu mit Jacqueline Müller, Leiterin dieser Kontrollgruppe.

Was unternimmt das Land Berlin um sicherzustellen, dass die in Ausschreibungen für die Schulspeisung vertraglich vereinbarten Bio-Anteile eingehalten werden?

Jacqueline Müller: Als Dienstleister für die öffentlichen Auftraggeber des Landes Berlin schauen wir uns zunächst einmal die Ausschreibungsunterlagen und vereinbarten Leistungen im Leistungsverzeichnis sowie dem geschlossenen Vertrag genau an. In Berlin ist für das Schulessen vorgesehen, dass Cateringunternehmen einen Mindestanteil von 15 % des monatlichen Wareneinsatzes in Bioqualität verwenden. Öffentliche Auftraggeber und Catering-Unternehmen können aber auch höhere Bio-Anteile vertraglich vereinbaren. Anschließend fordern wir bei den Auftragnehmern die entsprechenden Nachweise schriftlich an. U. a. nehmen wir Einblick in die Lieferantenlisten, die Informationen zu Lieferketten und Subunternehmen, aktuelle Bio-Zertifikate, Speisepläne und Buchhaltungsunterlagen. Falls die Unternehmen uns diese Informationen z. B. aus Datenschutzgründen nicht alle schriftlich liefern können, vereinbaren wir einen Vor-Ort-Termin.

Konstruktive Zusammenarbeit bei Bioprodukten

Wie reagieren die Catering-Unternehmen auf diese Kontrollen?

Jacqueline Müller: Bisher machen wir ausschließlich positive Erfahrungen. Die Caterer sind aufgeschlossen für dieses Verfahren und arbeiten konstruktiv mit uns zusammen. Allerdings berichten einzelne, dass dies für sie mit einem nicht unerheblichen Verwaltungsaufwand verbunden ist. Vor allem kleinere Cateringunternehmen arbeiten noch nicht alle mit einer IT-gestützten Buchhaltung, aus der sie über Kostenstellen ohne großen Aufwand die Kosten für die eingesetzten Biowaren ermitteln können. Wer noch händisch einzelne Buchungen aus Haushaltsbüchern heraussuchen muss, hat natürlich einen höheren Aufwand und die Nachweiserbringung wird erschwert.

Was passiert, wenn die Prüfung ergibt, dass ein Unternehmen nicht alle Vorgaben erfüllt?

Jacqueline Müller: Im Falle von Beanstandungen sieht das BerlAVG einen Katalog an möglichen Sanktionen vor. Diese reichen von einer Abmahnung über Vertragsstrafen in Höhe von 1 % des Auftragswertes bis hin zu einer Kündigung des Vertrages oder einer zeitlich befristeten Sperrung im Unternehmer- und Lieferantenverzeichnis des Landes Berlin. In der Praxis sind solche härteren Sanktionen jedoch selten. In der Regel erteilt der öffentliche Auftraggeber seinem unmittelbaren Vertragspartner, dem Auftragnehmer, zunächst eine Abmahnung und weist diesen darauf hin, die vertraglich vereinbarten Leistungen einzuhalten. Sofern ein Nachunternehmen die vertraglich vereinbarten Verpflichtungen nicht eingehalten hat, steht der Auftragnehmer nach den gesetzlichen Regelungen des BerlAVG dafür ein. Eine Rückforderung von z. B. Schadensersatzansprüchen kann der Auftragnehmer gegenüber seinen Nachunternehmen im Rahmen des zivilrechtlichen Innenausgleichs im eigenen Vertragsverhältnis erwirken. Die Kontrollgruppe selbst darf jedoch keine Sanktionen erteilen und ahnden, da wir nicht mit hoheitlichen Befugnissen ausgestattet sind.

Das ganze Interview finden Sie unter www.oekolandbau.de.

Mareike Knewitz / Gastroinfoportal

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