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Lieferanten Lockdown

Lieferanten im Lockdown

Datum: 17.03.2021Quelle: B&L MedienGesellschaft | Bilder: Jens Maes on Unsplash, Brauerei Maisel, Staatl. Fachingen | Ort: München

Die Schließung der Gastronomie und der Hotellerie wirkt sich nicht allein auf das Gastgewerbe aus, sondern in zweiter Reihe auch auf das produzierende Gewerbe, die Lieferanten. Diesen fehlen bei geschlossenem Außer-Haus-Markt die Abnehmer. Weitere Standbeine, wie der Lebensmitteleinzelhandel, können die Verluste oft ein wenig abfangen. Gerade die Getränkebranche, die bei Take-away-Angeboten kaum eine Rolle spielt, trifft der Lockdown. Wie also geht es den Zulieferern? Wir haben bei drei Getränkeproduzenten nachgefragt.

Brauereien in der Krise

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Jeff Maisel, Inhaber der Brauerei Gebrüder Maisel

Insbesondere Brauereien sind wirtschaftlich oft stark mit dem Gastgewerbe verbunden. So generiert das Staatliche Hofbräuhaus München etwa zwei Drittel seines Absatzes in der Gastronomie, Hotellerie und bei Veranstaltungen. Auch Jeff Maisel, Inhaber der Brauerei Gebrüder Maisel, berichtet, dass ein hoher Anteil des Umsatzes in der Gastronomie erwirtschaftet wird. Bei beiden Brauereien leidet insbesondere der Fassbierabsatz. Flaschenbier konnte nach wie vor im Einzelhandel abgesetzt werden. Die Absätze konnten dort zwar gesteigert werden – die Verluste wurden dadurch aber nicht aufgefangen. Für Jeff Maisel gibt es trotzdem positives zu berichten:

„Wir haben davon profitiert, dass Menschen in 2020 statt in der Gastronomie zu Hause getrunken haben. Wir hatten zudem einen hervorragenden Weißbiersommer mit geöffneten Terrassen und Biergärten.“

Bei der Marke Maisel’s Weisse ließ sich so der Marktanteil im Handel sogar steigern.

Mineralwasser – Hoher Absatz im LEH

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Heiner Wolters, Geschäftsführer der Fachingen Heil- und Mineralbrunnen GmbH

Ähnliche Entwicklungen wie bei den Brauereien verzeichnet auch der Mineral- und Heilwasseranbieter Staatl. Fachingen. Geschäftsführer Heiner Wolters spricht von einem „sehr turbulenten Jahr 2020“, welches im Bereich Gastronomie/Hotellerie ein zweistelliges Minus zur Folge hatte. Die Nachfrage im LEH und Getränkefachhandel stieg aber auch hier deutlich an. Wolters berichtet, dass sie dies vor eine völlig neue Problematik stellte: „Der Verbraucher gab die Kästen für den Mehrwegkreislauf nicht im entsprechenden Maße zurück. Wir haben daher regelmäßig auf unserer Homepage und unseren sozialen Kanälen dazu aufgerufen, weiterhin das Leergut abzugeben, damit wir den Mehrweg-Kreislauf für unsere Kunden aufrechterhalten können.“ Dank des Plus im Handel konnte insgesamt sogar ein Wachstum von 3,2 Prozent erzielt werden.

Die Branche nach Corona

Die Zukunft der Branche schätzen alle zunächst zwar als schwierig ein, da viele Betriebe kurz vor dem Aus stehen oder gar nicht mehr öffnen werden. Man ist jedoch zuversichtlich, dass die Gäste schnell wieder kommen werden und sich die Branche zeitnah erholt. Bis sich eine neue Stabilität einstellt wird es jedoch, nach Einschätzung aus dem Hofbräuhaus München, einige Jahre dauern. Hier rechnet man auch damit, dass der Absatz im Handel im Vergleich zu heute deutlich an Bedeutung gewinnen wird. Das Gastgewerbe wird aber sowohl bei Maisel, Staatl. Fachingen und Hofbräuhaus München weiterhin ein wichtiges Standbein bleiben.

Die Krise wird sich nach Einschätzung von Heiner Wolters auch langfristig in den Preisen bzw. im Wettbewerb am Markt bemerkbar machen:

„Der Wettbewerb um die Gunst der Kunden wird sich verschärfen und die Kosten für Hygiene-Maßnahmen und Abstandsregelungen führen nicht zu höheren Umsätzen. Ganz im Gegenteil, lassen sich nicht alle Kosten auf den Gast umlegen und das führt zu einer Spannenverschlechterung.“

Auch das Hofbräuhaus München lässt verlauten, dass „ein aggressiver Preiskampf bzw. der Verdrängungswettbewerb bei Bier sich wahrscheinlich noch weiter zuspitzen wird.“

Positives aus der Krise mitnehmen

Dass man aus Krisen auch immer gestärkt hervorgehen kann, beweisen die befragten Betriebe. Jeff Maisel ist überzeugt, dass die Pandemie gezeigt hat, „wie wichtig der soziale Kontakt für die Menschen ist und wie sehr es den Menschen fehlt, sich für den sozialen Austausch in der Gastronomie zu treffen.“ Das Hofbräuhaus München hat die Krise genutzt, um Arbeitsabläufe genau unter die Lupe zu nehmen: So konnte man nicht nur so manche Ineffizienz entdecken und beheben, sondern hat auch die Digitalisierung vorangetrieben.

Bei der Staatl. Fachingen hat sich zudem gezeigt, dass der nachhaltige Gesundheitstrend weiter anhält und die Nachfrage nach Produkten mit Mehrwert, wie das Staatl. Fachingen Heilwasser, gestärkt wurden.

Appell an die Politik

Um wieder Absatz in der Gastronomie, Hotellerie und im Catering generieren zu können und den Wegfall der Gastronomie-Kultur abzuwenden, erhofft man sich neben einer baldigen Öffnungsperspektive, auch finanzielle Unterstützung des Gastgewerbes – u. a. auch der bisher nicht inkludierten Brauereigasthöfe – über den Lockdown hinaus.

Und im Food-Bereich?

Gibt es für die Produzenten ähnliche Probleme: Am Beispiel Kartoffel zeigt sich, dass hier deutlich weniger Flexibilität herrscht, denn die Produktionszeiten sind länger und die Ausweichmöglichkeit LEH ist nicht einfach möglich, wie Michael Pabst und Benedikt Oberhauser, beide Kartoffelproduzenten aus Bayern, die hauptsächlich Großverarbeiter für den Gastro-Bereich beliefern, berichten. Nicht jede Sorte eignet sich auch für die private Verarbeitung. So musste im vergangenen Jahr etwa ein Viertel der Ernte in niedriger Verarbeitungsrichtung „entsorgt“ und Anbauflächen verkleinert werden.

Dank weiterer Standbeine, wie die Direktvermarktung bestimmter Sorten über einen Onlineshop, Bio-Kartoffeln für den LEH sowie stabilen Exportzahlen sehen beide die Zukunft des Betriebes aber verhalten positiv – auch bei einer möglichen Pleitewelle des deutschen Gastgewerbes und trotz sinkender Vertragspreise. Zukünftig will man den Vertrieb wieder stärker in die eigene Hand nehmen, denn „für die Kartoffel direkt vom Hof sind alle bereit einen vernünftigen Preis zu bezahlen“, schildert Michael Pabst seine Erfahrungen.

Antonia Perzl / Redaktion GastroInfoPortal

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