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Schultafel mit Büchern davor.

Kostenfreies Schulessen in Berlin

Datum: 25.09.2019Quelle: Inhalt: Redaktion Schulverpflegung | Foto: Colourbox.de | Ort: Berlin

Kostenfreie Schulessen, wie sie seit diesem Schuljahr in Berlin auf den Tisch kommen, bedeuten für die Eltern der Schüler eine jährliche Entlastung um 444 Euro; pro Monat entsprich das einer Kostenersparnis von 37 Euro. Die Kosten für die bis zu 198.000 Mittagessen pro Tag trägt die Stadt Berlin. Laut der Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) bieten fast alle Berliner Grundschulen seit dem Start des neuen Schuljahrs ein kostenloses Mittagessen an.

Die Umsetzung obliegt den Cateringunternehmen, die mit der Realisierung der Schulverpflegung vertraglich gebunden wurden. Der Caterer der Schule muss mit den Eltern eine Vereinbarung bzw. einen Vertrag über die Lieferung eines kostenbeteiligungsfreien Mittagessens schließen. Schule und Essensanbieter sollen damit ein Planungsgröße erhalten. Allein die Bildungsgewerkschaft GEW in Berlin rechnete zuletzt mit 9.000 zusätzlichen Essenteilnehmern.

Anlauf zum Start

Bildungssenatorin Sandra Scheeres betonte auf einem Presstermin, dass der Start an den meisten Schulen erfolgreich war und dort, wo es knirschte, Lösungen gefunden wurden. Einer vorausgegangenen Kritik waren Maßnahmen des Senates gefolgt, im Rahmen derer Schulen finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt wurde, z. B. für eine zusätzliche Ausstattung mit Geschirrspülern oder Möbeln.

Die Berliner Cateringunternehmen, die mit der Schulverpflegung betraut sind, sehen den Start in das kostenfreie Angebot von Schulessen eher nüchtern und pragmatisch. Im Vorfeld betonte man gegenüber den Medien, dass es ungewiss sei, wie viele Schüler tatsächlich Mittag essen wollen. Verpflegungsanbieter müssten demnach so planen, dass sie alle 170.000 Grundschüler sowie rund 5.000 Fünft- und Sechstklässler an Oberschulen versorgen können. Anfänglich bedeutet das, das viel Überhang produziert wird und demnach Essen weggeworfen müssen. Eine Abfrage der Essensbeteiligung in den Schulen vor Beginn des neuen Schuljahrs sollten helfen, das unnötige Abfallaufkommen zu verringern.

Nachgefragt bei Anbietern

Auf Nachfrage bei einigen Berliner Caterern, wie der Anlauf tatsächlich war, gab es eine einhellige Meinung: Der Start war absolut reibungslos bzw. ist wie jedes neue Schuljahr ziemlich normal verlaufen. Aufgrund guter Vorbereitung seitens den Cateringunternehmen konnten die Wünsche der Schulen auch gleich zu Beginn erfüllt werden. Die größte Herausforderung, die es zu meistern gilt, so die Meinung der Caterer, ist eine einheitliche Herangehensweise aller Berliner Stadtbezirke. Es berge große Gefahren, sowohl für die Stadtbezirke als auch für die Produzenten des Schulessens, wenn z. B. Insellösungen gerade im Bereich der Abrechnung geschaffen würden.

Wichtig ist es deshalb, dass die Caterer nun gemeinsam mit den Hort- und Schulleitungen eine Routine in die täglichen Abläufe bringen. Dabei müssen die örtlichen Gegebenheiten stärker berücksichtigt werden. Die befragten Caterer begrüßen die Entwicklung hin zum kostenfreien Schulessen, „da ein warmes Schulessen für alle Grundschulkinder nun zur Normalität und zum Mittelpunkt des Schulalltags gehört und dass endlich jedes Kind, unabhängig vom Geldbeutel der Eltern, die Möglichkeit bekommt, mittags ein warmes, gesundes Essen zu sich zu nehmen“.

Wie geht’s weiter?

Bis Oktober soll es eine neue Musterausschreibung für die Berliner Schulcaterer geben, die ab 2020 gelten soll. Statt bei 15 Prozent – wie bisher – soll der Bioanteil dann bei 50 Prozent liegen. In den landeseigenen Mensen und Betriebsrestaurants soll nicht nur mehr Qualität auf die Teller kommen, sondern auch mehr Biolebensmittel verarbeitet werden. Die Caterer stehen damit jetzt schon vor besonders großen Herausforderungen. Obwohl Berlin der größte Biomarkt Europas ist, kommen nur rund 15 Prozent der Biolebensmittel, die im Berliner Biofachhandel angeboten werden, aus Berlin und Brandenburg.
Generell bleibt festzuhalten, das Berlin nicht nur das einzige Bundesland ist, welches die Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung verpflichtend umsetzt und damit eine hohe Qualität des Mittagessens sichert, sondern auch das erste Bundesland, welches durch die Kostenfreiheit für alle Kinder eine warme Mittagsverpflegung in der Ganztagsschule garantiert.

Hintergrund zum Schulessen

Das Berliner Abgeordnetenhaus beschloss die gesetzliche Grundlage auf seiner Plenarsitzung im April 2019. Die Abgeordneten votierten mehrheitlich für die von der rot-rot-grünen Regierungskoalition eingebrachten Anträge. Beschlossen wurde auch ein Maßnahmenpaket zur weiteren Qualitätsverbesserung und es erging an den Berliner Senat die Aufforderung, bis Januar 2021 ein Konzept zur Umsetzung für ein flächendeckendes Angebot eines subventionierten Mittagessens an Oberschulen vorzulegen. Seit dem 1. August besteht damit durch die Änderung des Berliner Schulgesetzes ein Rechtsanspruch auf ein Mittagessen ohne Kostenbeteiligung für alle Schülerinnen und Schüler der Grundschulen.

Noch mehr Beiträge rund um die Kita- und Schuvlverpflegung lesen Sie in der aktuellen Ausgabe unseres Fachmagazins Schulverpflegung.

Dr. Michael Polster

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