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Der WBAE fordert in seinem Gutachten zur Politik für nachhaltigere Ernährung u. a. einen Systemwechsel in der Kita- und Schulverpflegung inkl. Beitragsbefreiuung.

Für Systemwechsel in der Kita- und Schulverpflegung

Datum: 26.08.2020Quelle: BZfE | Bild: Colourbox.de | Ort: Berlin, Bonn

Der unabhängige wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz (WBAE) des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) empfiehlt in seinem Gutachten „Politik für eine nachhaltigere Ernährung“ u. a. einen Systemwechsel in der Kita- und Schulverpflegung.

„Politik für eine nachhaltigere Ernährung“

Die heutige Ernährungsweise beeinflusst den Gesundheitsstatus, die Lebensqualität sowie das Wohlbefinden eines Einzelnen wesentlich, erklärt der Wissenschaftliche Beirat – dem Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) zufolge. Denn viele Lebensmittel tragen einen großen sozialen, umwelt-, klima- und tierschutzbezogenen Fußabdruck.

Das Gutachten definiert daher eine Politik für nachhaltigere Ernährung, die vier Zieldimensionen integriert: Gesundheit, Soziales, Umwelt (einschließlich Klima) und Tierwohl. Notwendige Fortschritte seien hier nur mit einer umfassenden Transformation des heutigen Ernährungssystems erreichbar.

Problem: Verteilte Verantwortung

Der WBAE nennt als zentralen Ansatzpunkt zur Verbesserung von Ernährungsumgebungen u. a. eine für alle Kinder zugängliche nachhaltigere Kita- und Schulverpflegung. Aus Sicht des Beirats besteht ein zentrales Steuerungsproblem darin, dass die Verantwortung für den Bereich Ernährung im föderalen System Deutschlands auf verschiedene Ebenen verteilt ist und sich verschiedene Ministerien mit unterschiedlichen Aspekten von Ernährung befassen. Das führe zu einer Verantwortungsdiffusion, die besonders deutlich im Politikfeld Kita- und Schulverpflegung sichtbar sei. Eine verstärkte staatliche Steuerung und mehr Unterstützung sei hier erforderlich.

Beitragsfreie Kita- und Schulverpflegung gefordert

Das Gutachten konstatiert, dass sich die derzeitige Verpflegungssituation in Kitas und Schulen weit überwiegend durch ein Speisenangebot kennzeichnet, dessen Qualität nicht den wissenschaftlichen Empfehlungen entspricht sowie durch eine wenig attraktive Essumgebung.

Um das Potenzial von Kitas und Schulen im Sinne einer nachhaltigeren Ernährung besser zu nutzen, empfiehlt der WBAE einen Systemwechsel. Dieser soll u. a. herbeigeführt werden durch eine schrittweise und evidenzbasierte Einführung einer beitragsfreien Kita- und Schulverpflegung, eine verpflichtende Umsetzung des Qualitätsstandards der DGE, die Schaffung von angemessenen Räumlichkeiten, die Regulierung kompetitiver Verpflegungsangebote sowie die qualitative Stärkung handlungsorientierter Ernährungsbildung. Ein Bundesinvestitionsprogramm „Top-Mensa“ soll den quantitativen und qualitativen Ausbau der Kita- und Schulverpflegung unterstützen.

Stellungnahme des Deutschen Netzwerk Schulverpflegung

Dr. Michael Polster, Vorsitzender des Deutschen Netzwerks Schulverpflegung (DNSV), bezieht Stellung zur Veröffentlichugn des Gutachtens: „Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) fordert nun vor dem Hintergund der Studie auf einmal von den Bundesländern Standards für Schul- und Kitaverpflegung verpflichtend einzuführen. Dies sei eine Investition in die Gesundheit unserer Kinder, hier dürfe es keine Ausreden mehr geben, erklärte Julia Klöckner im Spiegel. Es geht dabei um die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, die im Auftrag des Ernährungsministeriums schon vor langer Zeit entwickelt und in den letzten zehn Jahren mehrfach schon evaluiert wurden.

Sie bleibt sie eine Antwort schuldig, warum sie gerade in den Tagen der Coronakrise auf diesen Ladenhüter ihres Ministeriums zurückgreift. ,Wir sollten die Arbeit des Ernährungsministeriums nicht an der Qualität seiner PR-Aktivitäten messen, sondern an seinem verbraucherschutzpolitischen Handeln’, verlangte nicht nur foodwatch schon. Es reicht eben nicht, die Bundesländer freundlich zu bitten, denn wer den Sumpf trockenlegen will, darf dazu nicht die Frösche fragen. Der Bund muss dafür die rechtlichen Rahmenbedingungen schaffen.

PR-Aktionen hatten ihre Vorgänger im Ministerium schon mit viel ,Dampf’ gemacht – Hilfen für die Caterer waren das leider nicht. Das System muss vom Kopf auf die Füße gestellt werden, oder wie es in dem Gutachten lautet: ,ein Systemwechsel in der Kita- und Schulverpflegung’ wird empfohlen!“

Redaktion Schulverpflegung

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