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Studierende der FH Münster unterstützen den Kreis Herford bei der Planung der Mensa am Berufsschulzentrum Herford.

Damit die Schulmensa ankommt

Datum: 10.05.2022Quelle: FH Münster, B&L Medien | Bilder: Colourbox.de, privat | Ort: Münster

Studierende der FH Münster unterstützen den Kreis Herford bei der Planung einer neuen Schulmensa am Berufsschulzentrum Herford. Mit der Frage, wie sich die Akzeptanz der Mensa steigern lässt, kamen Vertreter des Kreises auf Wissenschaftler der FH Münster zu. „Bisher ist es kaum üblich, Schüler aktiv in die Planung einzubinden“, sagt Prof. Dr. Carola Strassner.

Genau das haben aber Bachelor- und Masterstudierende des FH-Fachbereichs Oecotrophologie – Facility Management nun mit Methoden der Sozial- und Marktforschung realisiert. In Projekt- und Abschlussarbeiten setzten sich die Studierenden mit verschiedenen Themen rund um die Schulverpflegung auseinander. Betreut wurden sie im gesamten Prozess von den Lehrenden Prof. Dr. Carola Strassner, Lisa Borghoff und Albrecht Fleischer.

Planung der Mensa am Berufsschulzentrum Herford

„Aus den Ergebnissen lässt sich ablesen, dass die Schülerinnen und Schüler Mitbestimmung enorm wichtig finden. Sie möchten mitentscheiden, was und wie es auf den Tisch kommt“, sagt Lisa Borghoff.

Bei einem Treffen in Herford haben die Studierenden Rena Ideus, Lena Nöller, Katharina Schulte und Lisa Gödecke der Leiterin des Schulamtes im Kreis Herford, Martina Soddemann, dem Planungsamtsleiter Andreas Heistermann sowie einigen Schülern und Lehrern ihre Ergebnisse präsentiert. Der Kreis hat angekündigt, für die weitere Planung mit dem FH-Team zusammenzuarbeiten.

Lisa Borghoff, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachbereich Oeoctrophologie – Facility Management an der FH Münster, begleitet das Projekt rund um das Berufsschulzentrum Herford.
Lisa Borghoff, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachbereich Oeoctrophologie – Facility Management, FH Münster

Einblick in die Projektarbeiten

Lisa Borghoff, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachbereich Oecotrophologie – Facility Management der FH Münster, lehrt in den Bereichen Ernährungsökologie und Schulverpflegung und forscht zur Verarbeitung von Bio-Lebensmitteln. Im Interview berichtet sie über besondere Herausforderungen bei der Planung für das Berufsschulzentrum Herford und gibt einen Einblick, wie die „Traummensa“ der Schüler aussehen soll.

Frau Borghoff, welche Themen rund um die Schulverpflegung waren hauptsächlich Bestandteil der Projektarbeiten?

Die Projektarbeiten beschäftigen sich mit dem aktuellen Verpflegungsangebot außerhalb des Berufskollegs, dem zukünftigen Speisenangebot sowie den neuen Rahmenbedingungen der Verpflegung. Die Arbeiten umfassen also nicht nur das, was zukünftig auf den Teller kommen soll, sondern auch das Ambiente, in dem es verzehrt werden wird.

Welches waren die besonderen Herausforderungen für das Projekt, mit denen der Kreis Herford auf Sie zukam?

Am Berufsschulzentrum des Kreises Herford befinden sich drei Berufskollegs, an denen Schüler unterschiedlicher Ausbildungsgänge unterrichtet werden: das Anna-Siemsen-Berufskolleg mit dem Schwerpunkt Soziales, Gesundheit und Ernährung, das kaufmännische Friedrich-List-Berufskolleg und das gewerblich-technische Wilhelm-Normann-Berufskolleg. Am Standort werden rund 4.500 Schüler in Voll- und Teilzeit von rund 300 Lehrern ausgebildet. Die Schülerschaft ist sehr heterogen in ihrer Zusammensetzung bezüglich der Ausbildungsform und Altersstruktur; einige absolvieren eine klassische dreijährige Ausbildung, andere nehmen an einjährigen Berufsvorbereitungskursen teil und wiederum andere erlangen hier ihre Fachhochschulreife.

Bisher verfügt das Berufskollegzentrum über keine Mensa, sondern nur über einen Cafeteria-Bereich. Um eine adäquate Mittagsverpflegung sicherzustellen, wurde der Neubau einer Mensa beschlossen. Das Verpflegungsangebot der Mensa soll gesundheitsförderlich sein und es soll frisch gekocht werden. Neben den Schülern und Lehrern vor Ort sollen außerdem drei Förderschulen des Kreises mit den hier zubereiteten Speisen versorgt werden.

Die Herausforderung für die Gestaltung der Mensa besteht vor allem darin, den Anforderungen der verschiedenen zukünftigen Gäste gerecht zu werden, um so eine hohe Akzeptanz der Mensa zu erreichen.

Worin sehen Sie den großen Vorteil, Schüler in die Befragung/Planung der Mensa einzubeziehen?

Der Einbezug der Schüler in die Verpflegung an Schulen steigert die Akzeptanz des Schulessens. Mit zunehmendem Alter wünschen sich Schüler mehr Mitbestimmung in der Schulverpflegung. Die Vernetzungsstelle Schulverpflegung bietet für die Schülerbefragung bereits Fragebögen an, mit denen regelmäßig ein Feedback zur Verpflegung eingeholt werden kann. Der Neubau einer Mensa eignet sich besonders für den Einbezug der Schüler, da deren Wünsche dann geprüft und bestenfalls in die Planung direkt einbezogen werden können.

Die Entscheidung, wie in der Mensa gekocht werden soll, sollte stets getroffen werden, bevor die Mensa gebaut wird, da die räumliche und technische Ausstattung von der geplanten Art des Kochens abhängt. Eine spätere Änderung, die beispielsweise mit dem Bedarf an anderen technischen Geräten einhergeht, ist danach im schlimmsten Fall nur mit Abstrichen möglich.

Auch in Bezug auf den Gästeraum der Mensa, in dem die Schüler das Essen verzehren, ist ihr Einbezug vorab sinnvoll. In unserer Untersuchung konnten wir z. B. feststellen, dass sich die Schüler die Mensa nicht nur als Ort für die Mittagsverpflegung wünschen, sondern als Lebensraum, in dem sie sich auch zwischen den Mahlzeiten aufhalten wollen. Die Gestaltung eines solchen Ortes ist mit anderen Anforderungen verknüpft.

So kann eine Mensa, die nicht nur für die Mittagsverpflegung genutzt wird, mit mehreren Zonen ausgestattet werden. Neben klassischen Mittagstischen können Ruhezonen mit Arbeitsplätzen, an denen eine gute Internetverbindung und ausreichend Steckdosen für Laptops vorhanden sind sowie ein Loungebereich mit Cafétischen, für eine positive Atmosphäre sorgen. Der Wunsch der Schüler nach einer Mensa als „Lebensraum“, in dem gegessen, gearbeitet und entspannt werden kann, war etwas, womit wir zu Beginn der Forschung nicht gerechnet hätten. Das Auffinden von Neuem, Unerwartetem ist der große Vorteil qualitativer Forschungsmethoden. Sie stellen in der Schulverpflegung eine sinnvolle Ergänzung zu quantitativen Fragebögen dar.

Welche Schlussfolgerungen konnten Sie aus der Umfeldanalyse der Schulmensa ziehen?

Bei der Umfeldanalyse wurde das Umfeld der Berufsschule kartiert und sämtliche Verkaufsstellen von Lebensmitteln (z. B. Supermarkt, Imbiss, Restaurant, Tankstelle, Drogerie) festgehalten. Es wurde ein Radius von zehn Minuten Fußweg gewählt, da die längste Pause im Schulalltag aktuell 20 Minuten beträgt. In einem Radius bis fünf Minuten Fußweg befinden sich ein Supermarkt, zwei Imbisse und eine Tankstelle. Erst ab einem Fußweg von sechs bis zehn Minuten kommt eine Vielzahl an Verpflegungsmöglichkeiten wie Bäckereien etc. in Betracht. Durch die Entfernung zum Berufskolleg und die kurze Pausenzeit sind diese Einkaufsstätten weniger attraktiv.

Neben dem direkten Umfeld des Berufsschulkollegs wurden mehrere Wege vom Hauptbahnhof bis zum Berufsschulkolleg abgelaufen, da es auch Schüler gibt, die täglich mit der Bahn anreisen. Hier findet sich eine Auswahl an Bäckereien, Imbissen, Supermärkten und Kiosken. Das Verpflegungsangebot im direkten Umfeld des Berufsschulkollegs ist begrenzt, während die Verpflegungsmöglichkeiten bei Anreise mit der Bahn vielfältig sind. Besonders bei den Bäckereien ist es möglich, sich außerhalb der Schule mit Frühstück zu versorgen.

Die geplante Mensa könnte hier ihr Angebot über die Mittagsverpflegung hinaus erweitern und zusätzlich morgens vor Unterrichtsbeginn ein Frühstücksangebot (belegte Brötchen, Joghurt mit Müsli, Kaffeegetränke etc.) anbieten. Dieser Wunsch wurde auch von den Schülern in der Fokusgruppe geäußert.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Auf einen Blick: So soll die „Traummensa“ am Berufsschulzentrum aussehen

Die Schüler wünschen sich …

  • Möglichkeit, sich das Essen dank Menükomponenten selbst zusammenzustellen, weniger fertige Menüs
  • ergänzend zu Hauptspeisenangebot: Salatbar
  • Rücksicht auf verschiedene Kostformen in Form vollständiger Mahlzeiten (z. B. koscher, vegan)
  • ausgewogene Verpflegung, in der sowohl gesund bewertete Speisen als auch Fastfood Platz finden
  • möglichst frisch zubereitete Speisen
  • Wasserspender zum kostenlosen Auffüllen von selbst mitgebrachten Flaschen sowie ein breites Angebot an weiteren Getränken
  • günstigere Preise für gesunde Angebote wie Mineralwasser und Schorlen im Vergleich zu Limonaden
  • Einbezug der Schüler aus dem Kolleg für Soziales, Gesundheit und Ernährung bei der Speisenzubereitung (1x wöchentlich)
  • Ess- wie auch Arbeitsplätze mit ausreichend Steckdosen und einem guten W-LAN
  • angenehme Raumatmosphäre: es soll nicht zu laut sein, hell und sauber
  • Außenbereich für den Sommer
  • Einbindung der Design-Schüler bei der Gestaltung des Speiseraumes; Ausstellung von Arbeite
  • Berücksichtigung von Saisonalität beim Bezug von Lebensmitteln
  • Integration von Abfallvermeidungsstrategien
  • Maßnahmen zur Senkung des Strombedarfs bei der räumlichen Ausstattung
  • Mensa-Stammtisch oder Mensa-AG für die weitere Mitgestaltung

Sarah Hercht / Redaktion GastroInfoPortal

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