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Vollmer BLE 2. Bzfe-Forum

2. BZfE-Forum zeigt neue Wege auf

Datum: 01.10.2018Quelle: Gabriele Freitag-Ziegler, BLE | Ort: Bonn

Neue Wege in der Ernährungskommunikation: So ließe sich das Ursprungsmotto des 2. BZfE-Forums am Ende des Tages umformulieren. Dazu regen nicht zuletzt die Worte von Bundesernährungsministerin Julia Klöckner an: „Ernährungskompetenz will gelernt sein – ein Leben lang und mit neuen digitalen Mitteln der Ernährungskommunikation“, motivierte die Ministerin in ihrer Eröffnungsrede die rund 400 Tagungsteilnehmer in Bonn, die auf die Einladung des Bundeszentrums für Ernährung (BZfE) gekommen waren. Heute spielen das Internet und die sozialen Medien eine große Rolle, um sich zu informieren oder eigene Botschaften und Meinungen in die Welt zu schicken. Nicht immer sind solche Aussagen seriös. „Mir ist aber wichtig, dass Klarheit und Wahrheit das bestimmende Prinzip in der Ernährungskommunikation werden! Und deshalb ist es gut, dass es Akteure wie das Bundeszentrum für Ernährung gibt“, betonte Julia Klöckner.

Richtig informieren

Prof. Gunther Hirschfelder von der Universität Regensburg erläuterte die neuen Herausforderungen: „Die Zeit der Schautafeln und Ernährungskreise ist vorbei. Wir müssen zielgruppengerechten Content produzieren, mit dem wir z. B. Jugendliche besser erreichen. Dafür müssen wir uns als erstes mit deren Sprache auseinandersetzen und signalisieren, dass wir ein grundsätzliches Verständnis für ihre Bedürfnisse haben.“ Finden junge Menschen die Informationen der offiziellen Ernährungsinstitutionen dagegen langweilig oder sehen sich gar mit Verboten und Geboten konfrontiert, suchen sie sich lieber andere Quellen. Die finden sie oft bei reichweitenstarken YouTubern oder Instagrammern, die sich ohne jeglichen fachlichen Hintergrund zu Ernährungsfragen äußern. Hier gilt es, Kinder und Jugendliche mit der nötigen Kompetenz auszustatten, damit sie richtig und falsch auseinanderhalten können. Und hier gelte es, sich selber Schritt für Schritt an deren Bedürfnisse anzupassen, ohne sich anzubiedern, so Kulturwissenschaftler Hirschfelder, denn: „Wir sind die besseren Informationskanäle!“

Auch die Eltern aufklären

Auch für alle anderen Lebensphasen braucht es eine lebenslange Ernährungsbildung auf dem Weg zu mehr Ernährungskompetenz. Dabei sieht Bundesministerin Julia Klöckner vor allem zwei wichtige Zielgruppen: „Wir wissen, dass die ersten 1.000 Tage eines Kindes unglaublich wichtig sind. Aber wir müssen auch die Ernährung im Alter besser in den Blick nehmen.“ Um die richtigen Weichen für eine gute Ernährung vom ersten Tag der Schwangerschaft bis zum Start in der Kita richtig zu stellen, ist auf Initiative des BMEL das Netzwerk „Gesund ins Leben“ entstanden. Das hat mittlerweile viele wissenschaftlich fundierte, aber vor allem alltagstaugliche Beratungsmaterialien entwickelt, um Eltern aller Bildungsschichten in ihrer Ernährungskompetenz zu stärken.

Wie wichtig der Fokus auf ältere Menschen ist, bestätigte Prof. Holger Hassel von der Hochschule für angewandte Wissenschaften Coburg: „Seniorinnen und Senioren fällt es oft schwer, vertrauenswürdige Ernährungsinformationen zu finden und diese bei ihren alltäglichen Gewohnheiten, wie beim Einkaufen oder der Zubereitung von Lebensmitteln, umzusetzen.“ Studien zeigen jedoch, wie gut sich die Ernährungskompetenz auch noch in fortgeschrittenem Alter fördern lässt. Dabei seien soziale Kontakte und die Berücksichtigung individueller Essbiografien wesentliche Motoren. Zu guten Ergebnissen führte beispielsweise ein Mehrgenerationenprojekt, in dem Jugendliche und ältere Menschen dank wechselseitiger Expertenfunktionen bestens voneinander profitierten.

Neue Ideen umsetzen

Abschließend verriet Dr. Margareta Büning-Fesel, dass man gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) an einer neuen Idee arbeite, um die breite Öffentlichkeit auf einfachste Weise zu einer ausgewogenen Ernährung zu motivieren. „Schließlich essen wir nicht von Ernährungspyramiden“, so die Leiterin des BZfE. Büning-Fesel resümierte: „Die Ernährungskommunikation muss neu gedacht werden. Ernährungsempfehlungen müssen noch einfacher werden, wir müssen mit unseren Empfehlungen alltagstauglich sein.“ Und wer beim 2. BZfE-Forum nicht dabei sein konnte, der hat nächstes Jahr eine neue Chance, denn die gemeinsamen Vorbereitungen für die dritten Bonner Ernährungstage im Jahr 2019 haben zusammen mit der DGE bereits begonnen.

Sina Fürch / Gastroinfoportal

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