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Lorenz Maurer

„Wir sprechen alle an”

Datum: 09.09.19Quelle: Centro Hotels | Ort: München |

Lorenz Maurer ist der neue Director of Operations bei der Budget-Design-Marke NinetyNine. Uns erzählt er, wie Hotels Menschen zusammenbringen können.

first class: Herr Maurer, Sie haben zuvor in den USA als Hoteldirektor gearbeitet. Was ist der wichtigste Unterschied zu Deutschland?

Lorenz Maurer: Bei den Hotelketten sind die Unterschiede eher gering. Im Boutique- und Lifestyle-Bereich sind die USA Trendsetter. Ich habe zuletzt für das Proper Hotel in San Francisco gearbeitet, das Mitglied bei den Design Hotels ist. In Amerika freuen sich die Leute, wenn sie viel Geld für das Hotel ausgeben können, in Deutschland, wenn sie wenig ausgeben. Generell sind Investitionen in den USA viel einfacher, da es weniger Regularien und Bürokratie gibt. Auch Entscheidungen werden schneller gefällt nach dem Motto: Just do it. Der Trend, dass sich der GM wieder vermehrt in der Lobby aufhält und ein Gastgeber ist, hat in den USA viel eher eingesetzt. Früher war das auch in Deutschland normal. Ein Hoteldirektor sollte nicht nur Berichte im Büro schreiben, sondern näher am Gast und auch bei den Mitarbeitern sein. Wir sind hauptsächlich wegen unserer Kinder zurück nach Deutschland gekommen, denn Bildung kostet in den USA sehr viel Geld.

Was reizt Sie an Ihrer neuen Position als Director of Operations bei den NinetyNine Hotels?

Ich bin kein General Manager für die traditionelle Hotellerie. Mich interessieren innovative Hotel-Konzepte. Aus diesem Grund wurde ich zu den 25hours Hotels geholt. Bei den NinetyNine Hotels hat mich der Start einer neuen Marke gereizt. Von Anfang an mit dabei zu sein, kann sehr spannend sein. Und das Feedback der ersten Gäste und der Investoren ist bereits äußerst positiv. Den Unterschied bei einem Hotel machen die Mitarbeiter aus, ihre Motivation und wie weit sie sich mit der Marke, aber auch mit der Stadt identifizieren können. Jeder von ihnen sollte ein Gastgeber sein. Wir wollen, dass sie ihre Persönlichkeit einbringen und somit authentisch wirken.

Budget, Lifestyle und Design sind die neuen Erfolgsattribute in der Branche. Was macht die neue Marke NinetyNine aus Ihrer Sicht einzigartig?

Wir sind erwachsener als die meisten hippen Design-Hotels und sprechen alle Altersgruppen an. Das betrifft auch das Design. Wir verwenden erdige Töne, Holz, Leder und hochwertige Materialien. Das gefällt auch älteren Gästen und spiegelt sich ebenfalls bei den Mitarbeitern wider, die sämtliche Altersgruppen abbilden. Wir verfügen auch bewusst noch über eine Rezeption und einen Barkeeper. Die Lobby ist uns sehr wichtig und wir wollen, dass die Gäste gerne ihre Zeit dort verbingen. Sie können an Zweier-, aber auch an Gemeinschaftstischen sitzen, essen und sich unterhalten. Manche Gäste setzen sich mit dem Laptop in die Lobby und genießen es inmitten von anderen Menschen zu arbeiten. Und wenn dann ein Gast das Klavier anstimmt, dann applaudiert die ganze Lobby und man ist im Gespräch. Das führt dazu, dass wir nach so kurzer Zeit bereits begeisterte Stammgäste haben. Wir sind ein Familienunternehmen mit kurzen Entscheidungswegen. Unsere Prozesse sind möglichst einfach gehalten, aber zwei Aspekte sind essentiell: Das F&B-Konzept mit der Bowl-Bar und das Klavier. Letzteres dient häufig als Eisbrecher zwischen den Gästen. Hinzu kommt eine hochwertige Ausstattung beim Bett und im Badezimmer, den wichtigsten Bereichen im Hotel. Unsere Gäste bekommen bei uns viel geboten für ihr Geld.

 Wo wollen Sie Akzente setzen?

Vor allem bei den Mitarbeitern. Dabei hilft mir meine Erfahrung aus San Francisco, wo der Arbeitsmarkt durch die ganzen Internetfirmen leergefegt ist. Dort bekommen sie keine Mitarbeiter allein durch die Bezahlung. Sie müssen wissen, wo man Personal findet und wie man dieses motiviert. Entscheidend für Loyalität ist Anerkennung. Der Mitarbeiter präsentiert die Marke und das Hotel. Daher will ich Persönlichkeiten am Empfang und an der Bar, die unterhalten können. Jeder Mitarbeiter muss soziale Kompetenz haben und die Menschen lieben. Das ist das wichtigste. Natürlich benötigen wir auch Hotelfachleute, aber auch die müssen Persönlichkeit haben. Als Führungsperson muss ich dabei Vorbild sein.

Hatten Sie Schwierigkeiten bei der Besetzung Ihrer Arbeitsplätze?

In gesättigten Märkten muss man es den Bewerbern so einfach wie möglich machen und Barrieren abbauen. Für viele Positionen benötige ich keinen Lebenslauf oder frühere Zeugnisse. Wir haben auch gute Erfahrungen mit dem Arbeitsamt gemacht. Der Service ist kostenlos und hat uns einige gute Mitarbeiter gebracht. Für unser neues Hotel beim Münchner Flughafen haben wir auch bewusst einen Münchner GM eingestellt. Er ist bereits vernetzt und bringt gute Leute mit.

NinetyNine ist eine Kooperation mit dem TV-Koch Hannes Schröder eingegangen. Wie sieht die praktische Umsetzung Ihres F&B-Konzepts aus?

Hannes Schröder hat unser Bowl-Konzept entwickelt und auf unsere Lifestyle-Marke maßgeschneidert. Er berät uns und schult das Team. Wir brauchen seine Kreativität, zudem ist er ein guter Kommunikator in der Öffentlichkeit. Unser Essen wird täglich frisch geliefert und besteht aus verschiedenen Salaten, die wir an unserer Bar aufbereiten. Daraus entstehen dann sechs verschiedene Bowls, die frisch zubereitet werden. Das ist einfach aufzubauen und wir benötigen dafür nur zwei Mitarbeiter: den Barkeeper und einen Küchenmitarbeiter. Wir haben zwar eine Küche, aber die ist lediglich mit Hotboxen und Hotplates für Rühreier und abends für Quinoa und Reis, die Basis der Bowls, ausgestattet.

Sie gehören zur Hamburger Centro-Gruppe, die inzwischen über 80 Häuser hat. Welche Vorteile haben Sie davon?

Buchhaltung, Personalwesen, Revenue-Management und andere Back-Office-Funktionen werden von der Centro-Gruppe übernommen. Das erlaubt uns schlanke Strukturen zu haben. Lediglich im Sales-Bereich übernimmt der GM die lokale Vertriebsfunktion. Ich lade aktuell ständig Gäste ein, um ihnen unser Konzept vorzustellen. Es ist sehr wichtig, um sich vor Ort zu vernetzen.

Wie vermarkten Sie sich?

Ohne OTAs wie Booking.com geht heute nichts mehr. Der Fokus bei unserer Vermarktung liegt aber auf unserer Webseite. Diese soll so attraktiv wie möglich sein. Wir erinnern unsere Gäste beim Check-in-Vorgang daran, dass sie auch direkt bei uns buchen können. Gute Bewertungen sind heutzutage wichtiger als Hotelnamen, daher können sie auch als neue und noch wenig bekannte Marke erfolgreich sein. Das hat den Markt auch demokratisiert – man miss aber konsistent gut arbeiten. Airbnb punktet in den USA stark beim Thema Gastgeber. Immer mehr Menschen möchten ihren Urlaubsort authentisch erleben, dafür benötigt man aber Mitarbeiter als kompetente Ansprechpartner – Gastgeber eben.

Welche Hotelkonzepte werden aus Ihrer Sicht langfristig den zunehmenden Wettbewerb überleben?

Ein Hotel mit motivierten Mitarbeitern und gutem Service wird überall überleben –  und ein gutes Konzept ist ein wichtiger Bestandteil davon. Egal, welche Stadt und welches Land –  Hotels, die ihre Mitarbeiter schlecht behandeln und nicht investieren, werden auf der Strecke bleiben. Dazu gehört auch, dass der GM seine Mitarbeiter persönlich kennt und sich um sie kümmert.

Herr Maurer, vielen Dank für das Gespräch!

Zur Person

Die neue Budget-Design-Marke NinetyNine Hotels der Hamburger Centro Hotel Group hat Lorenz Maurer als neuen Director of Operations verpflichtet. Zuletzt war er in derselben Funktion bei 25hours Hotels in Hamburg tätig. Der dreifache Familienvater ist seit 20 Jahren in der Hotellerie und arbeitete in den USA und der Schweiz. Das San Francisco Proper Hotel begleitete er 2016 bis 2018 in der Pre-Opening- und Opening-Phase, ehe er nach Hamburg wechselte. Zu seiner aktuellen Tätigkeit leitet er interimsmäßig als General Manager die ersten beiden NinetyNine Hotels in Heidelberg und Wuppertal.

Udo Schwickal / Gastroinfoportal

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