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Hoteldirektor Christian Gindele

Traumberuf Hoteldirektor

Datum: 02.10.2019Quelle: Redaktion first class | Ort: München

Zur Person:

Christian Gindele hat nach seinem Abitur 1995 eine klassische Ausbildung zum Hotelfachmann gemacht. Anschließend ging er in die Schweiz und nach Orlando/USA, um dort im Gästeservice zu arbeiten. Nach einer kurzen Rückkehr nach Deutschland zog es ihn noch einmal in die Welt hinaus zur Cunard Seabourn Reederei. Nach drei aufregenden Jahren im F&B Bereich in verschiedenen Positionen auf hoher See kehrte er endgültig in die deutsche Hotellerie zurück, mit dem Ziel Hoteldirektor zu werden. Auf der Hotelfachschule absolvierte er seinen Hotelbetriebswirt und ging dann zu Marriott als F&B Manger. In den letzten 10 Jahren leitete Christian Gindele als Hotel Direktor in Frankfurt am Main Hotels der Marken InterCity, Steigenberger und Fleming‘s. Seit Februar 2019 ist Christian Gindele verantwortlich für das neue NH Collection München Bavaria.

first class: Herr Gindele, wie sind Sie in die Hotellerie gekommen?

Christian Gindele: Ich wollte schon immer in die Welt hinaus und mit Menschen arbeiten. Nach einer Hotelfachlehre im Bayerischen Hof in Lindau am Bodensee habe ich gemerkt, dass das meine Branche ist. Zudem bot mir die Hotellerie die Möglichkeit ins Ausland zu gehen und dort zu arbeiten.

Sie waren in der Schweiz, im Disneyland in den USA und auf einem Kreuzfahrtschiff. Welche Erfahrungen konnten Sie sammeln?

Mein Ziel war von Anfang an, Hoteldirektor zu werden. Ich bin dann in die Schweiz nach St. Moritz gegangen, weil man dort immer noch den besten Service lernen kann. Als ich 1999 in die USA zu Disney World kam, war das für mich ein Kulturschock. An Stelle einer klassisch hierarchischen Arbeitsweise ist in den USA alles anders. Alles ist lockerer, der Umgang untereinander und die Beziehung zum Gast. Wichtig dabei ist nur, dass der Gast im Mittelpunkt steht. Ansonsten ist alles erlaubt. Obwohl ich fachlich besser ausgebildet war, als meine Kollegen, habe ich dort viel gelernt. Der Gästeservice dort ist immer perfektioniert – freundlich und zielgerichtet. Später dann, bei der Cunard Seabourn Reederei hatten wir ebenfalls ein hohes Serviceniveau. Wenn man die hohen Anforderungen erfüllt hat, dann war man auch stolz auf seine Arbeit und Position.

Welche Herausforderung erwarten Sie beim neuen NH Collection München Bavaria?

Wir haben seit dem 26. August geöffnet. Einige Stockwerke mussten wir etwas später öffnen, aber jetzt läuft alles. Damit liegen wir voll im Zeitplan. Zuvor wurde der ehemalige Deutsche Kaiser in einem Jahr und drei Wochen komplett umgebaut. Ich habe die letzten Monate für das Recruiting meines Teams genutzt. Jetzt ist die größte Herausforderung, dass die neuen Mitarbeiter zügig lernen, die Abläufe zu beherrschen. Die NH Hotel Gruppe hat als Hotelprogramm ein SAP-System, das die wenigsten externen Mitarbeiter kennen. Daher muss jeder, der noch nie bei NH Hotels war, erst einmal das System lernen. Letzte Woche haben 45 Leute neu angefangen. Zehn weitere kommen im Laufe der nächsten Monate dazu. Aufgrund unserer Top-Lage mache ich mir um die Gästebelegung keine Sorgen. Wir müssen aber sicherstellen, dass unsere Mitarbeiter das Operative perfekt beherrschen und wir unsere Gäste nach NH Collection Standard glücklich machen können.

Wofür steht das neue NH Collection München Bavaria?

NH Collection ist unsere Premiummarke, wo wir großen Wert auf Individualität legen. Wir haben z.B. einen eigenen Guest Relation Manager. Bei unserem Speisenangebot verwenden wir nur lokale Produkte, die in einem Umkreis von 150 Kilometern produziert werden. Es gibt internationale und bayerische Spezialitäten. Ebenfalls versuchen wir, in unserer Showküche viele Dinge frisch zuzubreiten, egal ob beim Frühstück, bei Buffets oder im à la carte Bereich. Jedes NH Collection Hotel wird auch individuell gestaltet. Hier wurde die Bavaria als Designelement ausgewählt, das überall im Interieur wiederauftaucht, zum Beispiel als kupferfarbene Akzente Diese lokale Anlehnung soll ausdrücken, dass der Gast bei uns schon innerhalb des Hotels ein Stück echtes München erhält. Es soll aber auch betonen, dass das Hotel sich von seinem Vorgänger, dem NH Deutscher Kaiser, unterscheidet. Wir sind ein anderes Produkt und wollen das auch mit dem Namen und einem hochwertigen Design darstellen.

Gibt es weitere Besonderheiten?

Sie können nach einer Bestätigungsmail wie bei einer Airline online einchecken und sich dort bereits das bevorzugte Zimmer aussuchen. Sie müssen sich an der Rezeption nur noch den Schlüssel holen und die Unterschrift auf dem Meldeschein leisten. Unser größter Pluspunkt ist das Gebäude mit seinen 16 Stockwerken. Ab der 9. Etage bieten wir einen unverbauten Blick über ganz München. Das Highlight ist unser Raum Alpenblick im 16. Stock, den wir für exklusive Events nutzen wollen.

Gab es während der Umbauphase einige spezielle Herausforderungen?

Es gab immer wieder operative Herausforderungen, die individuelle Lösungen erforderten. Dies ist in dieser Phase natürlich das Spannende. Vielleicht eine Anekdote aus dieser Zeit: An dem Tag, als unsere Federdecken und -kissen geliefert wurden, war ich mit fünf Kollegen im Hotel. Die Lieferung erfolgte an die Bordsteinkante. Das bedeutetete, dass wir rund 1.000 Kisten von der Straße ins Hotel auf die Etagen tragen mussten. Dabei habe ich erst gemerkt, wie schwer Kissen bei 219 Zimmern werden können.

Was sind Ihre wirtschaftlichen Erwartungen?

In dieser Lage am Münchner Hauptbahnhof muss man natürlich eine Auslastung von über 80 Prozent erzielen. Ein Hotel im Zentrum mit 16 Stockwerken ist einmalig in München. Unsere Key-Märkte sind Deutschland, England, die USA, Asien und im Sommer die arabischen Länder. Wir sind Montags bis Freitags ein Business- und am Wochenende ein Leisure-Hotel. Das funktioniert in München sehr gut.

Welche Vermarktungsstrategie haben Sie?

Zunächst werden unsere Zimmer über NH und NH Collection Hotels vermarktet. Wir verfügen über ein eigenes Verkaufsbüro in München, das auf den lokalen Markt spezialisiert ist. Wir planen eigene Events, Kinowerbung etc. Ich sehe mich als Teil der Verkaufsmannschaft. Zusammen haben wir in der Umbauphase rund 400 Firmen besucht. Wir werben auch gezielt mit unsrer Heimatinitiative für lokale Produkte. Im Juni hatten wir während der Bauphase ein großes VIP-Event – ein großer Erfolg.

Mit einer 400 qm großen MICE-Fläche haben Sie auch die Businesskunden im Fokus. 

Im Gegensatz zu unserem Vorgängerhotel Deutscher Kaiser haben dieses Marktsegment neu dazu bekommen und müssen dafür jetzt intensiv in die Vermarktung gehen. Die Firmenkunden kennen das Hotel noch nicht als Tagungshotel. Wir müssen deshalb die ersten Kunden höchst professionell betreuen. Darin liegt ein Schwerpunkt meiner Arbeit darauf. Wir müssen durch den MICE-Bereich für eine gesunde Grundauslastung sorgen.

Gibt es Besonderheiten bei Ihrem F&B-Konzept?

Wir haben ein Full-Dining-Konzept. Angefangen von einem lokal angehauchten internationalem Frühstücksbuffet bis hin zu à la carte Service am Mittag und Abend. Wir haben ein gehobenes, lokales Speiseangebot. Der Name unseres Restaurants, Arnulfs, soll die Verbundenheit zur Umgebung betonen. Er geht auf Arnulf von Metz zurück, dem Patron der Brauer. Das ist auch unserem Besitzer geschuldet, der Familie Inselkammer, der auch die Augustiner Brauerei gehört.

Immer mehr Hotelkonzepte rücken den Lobbybereich in den Mittelpunkt. Welche Rolle er in Ihrem Hotel?

Unser gesamter Eingangsbereich spielt eine zentrale Rolle. Wir wollen mit dem ersten Eindruck unsere Gäste begeistern und überzeugen. Für den ersten Eindruck hat man immer nur eine Chance. Unser offener Lobbybereich mit den Rückzugsmöglichkeiten, dem Arbeitsbereich und der Lobbybar soll ansprechend und einladend wirken. Gepaart mit einem freundlichen Lächeln vom Empfang: Ein perfekter Start.

Wollen Sie auch die Münchner für Ihre Einrichtungen begeistern?

Absolut. Die NH Collection Häuser stehen für eine lokale Ausrichtung. Wir planen attraktive kulturelle und musikalische Veranstaltungen, um das Haus auch für die Münchner attraktiv zu machen. Es ist auch angedacht, in der Zukunft ein Terassenkonzept für unsere Gäste zu präsentieren.

Die Personalsituation in der Hotellerie gilt als äußerst schwierig. In München besteht zudem ein Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Wie haben Sie dieses Dilemma gelöst?

Wir haben zwar keine Personalwohnungen, haben aber den Vorteil, dass unsere Mitarbeiter durch die Lage am Hauptbahnhof schnell ihren Arbeitsplatz erreichen können. Ich pendele selbst von Augsburg hierher und benötige gerade einmal 30 Minuten. Ich habe in der Bewerbungsphase jedes Gespräch selbst geführt, um den potentiellen neuen Mitarbeitern meine Wertschätzung zu vermitteln. Das habe ich in meiner Vergangenheit kennen und schätzen gelernt. Manche Bewerber habe ich auch auf meinen Dienstreisen getroffen. Ich bin also selbst zum Bewerber hingefahren – und das kam bei den Leuten sehr gut an. Daher waren wir beim Recruiting auch erfolgreich. Wir haben in den klassischen Personalbörsen und über unser eigenes Portal geworben, was den Vorteil hat, dass interne Mitarbeiter bereits unser System kennen. Mitarbeiter kann man nur durch gute Arbeitsbedingungen, Wertschätzung und indem man Perspektiven bietet, gewinnen.  Wir haben in unserem Konzern ein Trainingscenter, wo wir unsere Mitarbeiter, die es wollen, auch mit professionellen Trainern fordern können. Es gibt Pogramme für Führungskräfte und angehende Führungskräfte, um die nächsten Schritt zu gehen. Das erfordert Eigeninitiative und fördert eine gesundes, internes Konkurrenzverhalten.

Wie würden Sie Ihren Führungsstil bezeichnen?

Ich bin ein Team-Player. Das Operative ist das Wichtigste im Hotel und deshalb muss ich immer auch vor Ort sein. Ich bin in meinen Aussagen und Arbeitsweise sehr klar und gut strukturiert, und das versuche ich auch meinen Mitarbeitern mitzugeben. Ich habe schon immer eine Open-Door-Politik praktiziert. So bekomme ich auch viel mit und versuche, Herausforderungen proaktiv anzugehen.

Was haben Sie für die Zukunft geplant?

Der erste Schritt war ankommen, das Team formen, am Markt angenommen werden und die ersten positiven Erfahrungen zu sammeln. 2020 wollen wir als Premiummarke NH Collection in München erkannt werden, verschiedene Aktionen dauerhaft implementieren und Alleinstellungsmerkmale kreieren.

Herr Gindele, herzlichen Dank für das Gespräch.

 

Udo Schwickal / Gastroinfoportal

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