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Team Gesundheit

Datum: 04.03.2021Quelle: B&L MedienGesellschaft | Bilder: Colourbox.de, privat | Ort: München

Gesunde Mitarbeiter tragen maßgeblich zum Erfolg eines Unternehmens bei. Das haben in den vergangenen Jahren viele Unternehmer erkannt und daher ein Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) in ihrem Betrieb etabliert. Auch Gastro-Teams, die besonders durch fehlende Bewegung, falschem Schuhwerk, hohem Stresslevel und ergonomisch nicht angepassten Arbeitsplätzen (über)belastet werden, profitieren von gesundheitsförderlichen Maßnahmen.

Welche Maßnahmen das sind und wie sie umgesetzt werden können, erzählt Annika Franke, BA Management im Gesundheitstourismus und BGM-Dozentin an der Deutschen Hotelakademie (DHA), im Gespräch mit der Redaktion.

Die Pandemie hat viele Bereiche des beruflichen Alltags eingeschränkt. Auch der Handlungsspielraum im BGM ist betroffen. Wir haben deshalb nachgehakt, wie COVID-19 die Etablierung von BGM in Unternehmen gebremst hat und weshalb das Thema gerade jetzt nicht vernachlässigt werden sollte – denn erfolgreiches BGM stärkt nicht nur die Immunabwehr der Mitarbeiter, sondern bringt weitere Vorteile.

Frau Franke, durch die vermehrte Förderung des BGM nahm in den vergangenen Jahren auch dessen Stellenwert zu. Wie hat Corona diese Entwicklung beeinflusst?

BGM Gastro-Teams Annika Franke
Annika Franke, BA Management im Gesundheitstourismus und BGM-Dozentin an der Deutschen Hotelakademie

Die bestehenden Kontaktbeschränkungen erschweren die Umsetzung des BGM vor allem vor Ort, da Externe, verständlicherweise, nicht mehr im Unternehmen sein dürfen. Wir als Trainer mussten quasi komplett auf digitale Alternativen umsteigen. Präventionskurse und Sportkurse lassen sich aber gut online umsetzen. Über die Webcam hat man als Trainer dann die Möglichkeit Übungen zu zeigen und falls nötig Korrekturen durchzuführen. Eine Problematik, die wir vor allem im zweiten Lockdown bemerkten, war die sinkende Motivation der Mitarbeiter. Die Euphorie alles digital durchzuführen war einfach nicht mehr da. Durch den fehlenden persönlichen Kontakt waren uns jedoch die Hände gebunden. Feste Gruppen und Zeiten helfen aber ein Gefühl von Verbindlichkeit zu erzeugen. Hinzu kommt, dass der Fokus in einer solchen Pandemie bei den Unternehmen im ersten Moment in der Existenzsicherung liegt. BGM spielt daher erstmal eine zweitrangige Rolle – oder gar keine. Durch ein gesundes Bewegungs- und Ernährungsverhalten wird aber eine positive Immunabwehrreaktion hervorgerufen. Genau hier liegt der Ansatz für ein BGM. Unternehmer die dies erkannt haben, integrieren BGM auch weiterhin in ihre Unternehmensstrategie.

Stichwort Förderung: Wer hilft bei der Finanzierung?

Hier gibt es einen klaren Auftrag an die Krankenkassen. Im Präventionsgesetz ist verankert, dass Unternehmen und Krankenkassen zur Förderung der Gesundheit der Mitarbeiter bzw. der Versicherten zusammenarbeiten sollen. Die Krankenkassen wiederum beauftragen oft externe Dienstleister vor Ort, mit denen man gemeinsam Strategien für ein erfolgreiches BGM im Unternehmen entwickelt. Die verantwortliche Krankenkasse ist diejenige, bei der die Mehrheit der Beschäftigten des jeweiligen Unternehmens versichert ist – die Maßnahme selbst schließt dann aber natürlich alle Beschäftigten ein. Unternehmen können auch direkt mit einem Dienstleister zusammenarbeiten, der dann entsprechend Kontakt zur Krankenkasse aufnimmt. Welche Kosten dabei von der Krankenkasse übernommen werden, ist abhängig vom Bedarf des Unternehmens. Sowohl Beratungsleistungen, Präventionsangebote als auch Gesundheitsanalysen sind förderfähig.

Wie wird eine erfolgreiche Umsetzung/Etablierung von BGM im Unternehmen sichergestellt?

BGM versteht sich grundsätzlich als ganzheitlicher Ansatz, der auf dem System Problemanalyse – Maßnahmenplanung und -umsetzung – Erfolgskontrolle basiert. Als Expertin führe ich Mitarbeiterbefragungen und Einzelanalysen durch. Auf deren Grundlage erarbeite ich Maßnahmen im Bereich der Verhaltens- und Verhältnisprävention. In gastronomischen Betrieben sind besonders entlastende Dehn- und vorbeugende Kräftigungsübungen gefragt. Nach Abschluss der Maßnahme, beispielsweise nach drei Monaten, wird eine Erfolgskontrolle durchgeführt. Diese ist insbesondere auch für die Motivation des einzelnen Mitarbeiters wichtig, denn haben sich durch Sportübungen etwa Kraftverhältnisse verbessert oder Schmerzen reduziert, liegt die Wahrscheinlichkeit höher, dass die Übungen fortgeführt werden.

Neben Kostenreduzierung und gesunden Mitarbeitern, welche weiteren Vorteile hat Betriebliches Gesundheitsmanagement für gastronomische Unternehmen?

Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels ist BGM ein sehr gutes Argument, zum einen, um gute Mitarbeiter im Betrieb zu halten und zum anderen, um attraktiv für neue Mitarbeiter zu sein. Auch bei der Gewinnung von Nachwuchskräften oder Auszubildenden kann BGM eine entscheidende Rolle spielen. BGM vermittelt den Mitarbeitern Wertschätzung und diese entgegengebrachte Anerkennung trägt maßgeblich zum positiven Image eines Unternehmens bei.

Vielen Dank für das Gespräch!

Antonia Perzl / Redaktion GVMANAGER

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