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Nein zu Social Freezing

Datum: 29.10.2014Quelle: HDV Ort: Stuttgart

Die Hoteldirektorenvereinigung Deutschland (HDV) lehnt sogenanntes Social Freezing ab, wie es von Apple und Facebook Mitarbeiterinnen angeboten wird. Die US-Firmen zahlen Mitarbeiterinnen Geld, wenn diese ihre Schwangerschaften zugunsten der beruflichen Karriere verschieben, indem sie ihre Eizellen einfrieren lassen. „Dies ist kein Modell für die Hotellerie“, sagt Jürgen Gangl, 1. Vorsitzender des HDV und Direktor des Hotels Park Inn Berlin. Hotelbetriebe hierzulande verfügten über ein reiches Repertoire an familienfreundlichen Maßnahmen. Dies würde jedoch noch nicht ausreichend ausgeschöpft: „Die Branche muss sich bei den Arbeitszeitmodellen weiter öffnen“, fordert der HDV-Vorsitzende, „so dass junge Frauen ein solches Modell erst gar nicht in Erwägung ziehen müssen.“
 
Eine solche Familienpolitik ermöglicht zum Beispiel den Wiedereinstieg in abgestufter Teilzeit, wie es im Park Inn Berlin praktiziert werde, so Gangl. Arbeiten von zu Hause aus sei eine gute Option für Mitarbeiterinnen im Back Office, im Verkauf, Vertrieb und Revenue Management. Für Mütter, die im Front Office arbeiteten, in Küche oder im Service, schlägt Gangl hochflexible Arbeitszeitmodelle vor, damit ihnen Zeit bleibt, die Kinder in den Hort oder Kindergarten zu bringen und wieder abzuholen. Auch im Hotel ließen sich Aufenthaltsräume für Kinder einrichten, in denen sie zum Beispiel ihre Hausaufgaben erledigen könnten.
 
Da aber nicht jedes Hotel einen Hort oder Kindergarten vorhalten könne, plädiert der HDV-Vorsitzende für eine Gemeinschaftslösung: „Mehrere Hotels könnten gemeinsam eine Kinderbetreuungsstätte betreiben.“ Ein Modell, das auch Tina Brack gut findet. Die Direktorin des Ellington Hotels Berlin und Mutter eines dreijährigen Sohnes befürwortet die Idee eines Branchen-Kindergartens oder Horts im Stadtzentrum, in dem die Mitarbeiterinnen mehrerer Hotels ihre Kinder betreuen lassen würden. Zur Zeit bringt sie ihren Sohn in einem Kindergarten nahe des Hotels unter.

Sie selbst ist vier Monate nach der Geburt ihres Sohnes in ihren Job zurückgekehrt. Dank flexibler Arbeitszeiten – vier Tage im Hotel, ein Tag Homeoffice – sei dies möglich gewesen. „Social Freezing“ in der Hotellerie hält Brack für ein untaugliches Mittel. Im Ellington setzt man hingegen auf abgestufte Arbeitszeiten, halbe und Teilzeitstellen, Arbeiten von zu Hause aus, flexible Teamarbeit auch bei der Urlaubsplanung. Auf diese Weise wird Müttern, die arbeiten und Karriere machen wollen, der Weg erleichtert.

Ähnlich ist es im Grand Elysee Hamburg. Betriebliche Kinderbetreuung ist den Eigentümern, der Familie Block, ein Anliegen, betont Hoteldirektor Philip Borckenstein. Und sie hat Tradition: Seit 1993 gibt es dort einen Kindergarten, gelegen in einer Altbauvilla, die in das Hotel integriert ist. Derzeit betreuen zehn Pädagogen und eine Hauswirtschaftshilfe 47 Kinder im Alter von acht Monaten bis zum Schuleintritt. Für den HDV ein vorbildliches Modell. „Wir gehen auf die Bedürfnisse der Mütter zu 100 Prozent ein“, sagt Philip Borckenstein. Stundenmodelle aller Art sind gang und gäbe im Elysee, das als Privathotel beweglicher sein könne als ein Kettenhotel, findet Borckenstein. Überhaupt könne die Hotellerie noch mehr tun, also flexibler auf Mitarbeiter(innen) eingehen, auch wenn es manchmal nervig und mühselig sei.

Foto: www.helenesouza.com  / pixelio.de

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1 Comment

  1. Danke! Es gibt Mütter, die wollen Kinder haben UND in ihrem Traumjob arbeiten. Und vor allem: nicht vom Arbeitgeber ihr Leben geplant bekommen!

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