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Millenials: Hotels für die Generation Y

Datum: 01.03.2018Quelle: First Class | Fotos: Dmitriy Ilkevich/Irene van der Poel/Marisa Buhr/Andrew Neel/Matheus Ferrero | Unsplash.com | Ort: München

Gechillt im Bett das Ende der neuen Netflix-Serie gucken, per Smartphone eine Frühstücksbowl aufs Zimmer bestellen. Danach rasch ein Selfie in der stylischen Lobby, das sofort auf Instagram gepostet wird, bevor es in die von der lässigen Barfrau empfohlene Boutique in der City geht. Ein- und ausgecheckt wird selbstverständlich per Handy. Junge Reisende haben neue Ansprüche an Hotels. So genannte Millenials, die Gruppe der zwischen 1980 und 2000 Geborenen, sind digital natives. Sie sind mit Computern und Co. aufgewachsen, kennen keine Welt ohne Internet. Eine technikaffine Generation: vernetzt, mobil und überall zu Hause.

Immer mehr Hotels sprechen mit ihren Konzepten diese junge Zielgruppe an. Traditionelle Hotelketten starten auf Millenials zugeschnittene Angebote. Novum Hospitality z. B. lancierte die Marke Niu. Das erste Haus des Hotelkonzeptes eröffnete vor wenigen Wochen in Essen. niu steht für “nachhaltig, innovativ, urban”. Aktuell sind über 40 weitere niu Hotels in ganz Europa geplant. Jedes Haus erzählt eine einzigartige Geschichte. Globetrotter erwarten neueste Technik, sorgfältig ausgewählte Snacks und Drinks sowie regelmäßige Events.

Auch Vienna House bringt mit R.evo eine neue Hotellinie auf den Markt, die besonders jüngere Gäste ansprechen dürfte. “Das Tribrid-Konzept bietet Gästen moderne technische Infrastruktur und urbanen Lifestyle in zentral angebundener Lage”, heißt es dazu. Eines der ersten Projekte entsteht in München. “Vienna House R.evo ist, wie die Menschen heute sind: mobil, unkompliziert, neugierig und aufgeschlossen”, sagt Rupert Simoner, Vorstandsvorsitzender von Vienna House. “Die Technologisierung hat uns verändert, und es wird Zeit, dass wir diesen neuen Lebensmodellen den passenden Raum bieten.”

Glō ergänzt das Portfolio von Best Western Hotels & Resorts, Ascott lanciert Lyf. Und die deutschen Hotelgruppen 25hours Hotels und Ruby Hotels sowie die SV-Marke Moxy und die Novum-Hospitality-Marke niu Hotels haben mit ihren modernen Konzepten ebenfalls junge Gäste im Visier. Doch was wollen sie eigentlich, diese jungen Hipster?

Steckdosen für alle

Laut einem Artikel in der „New York Times“ wünschen sich Millenials maßgeschneiderte, individuelle Hotelangebote, digitale Annehmlichkeiten und alle relevanten Informationen auf Social Media. Nicht nur Instagram-taugliche Motive und kostenloses High-Speed-Internet, sondern auch Design, eine hochwertige Ausstattung und eine zentrale Stadtlage sind gefragt.

In den 25hours Hotels z. B. setzen die Innenarchitekten kleine, fotogene Akzente. Künstler sorgen mit ihren außergewöhnlichen Möbelstücken oder Gemälden für inspirierende Fotomotive. „Der Gast soll immer wieder überrascht seine Kamera zücken und die Eindrücke mit Familie und Freunden teilen“, schreibt das Unternehmen. Nach einem Aufenthalt in einem 25hours Hotel soll man etwas zu erzählen haben.

Die Instagram- oder Snapchat-Fotos sind nicht nur Fun-Faktor für die Gäste, sondern bieten gleichzeitig auch einen Mehrwert für Hoteliers: Sie schaffen Aufmerksamkeit in der jungen, vernetzten Zielgruppe. Denn Millenials verlassen sich hinsichtlich ihrer Hotelbuchungen nicht nur auf Vergleichsportale, sondern auch auf die Meinung ihrer Altersgenossen, die diese auf Facebook und Co. kundtun. Dementsprechend spielt Social Media auch bei den jungen Hotelmarken eine zentrale Rolle in puncto Marketing.

Neue Bedürfnisse

Hoteliers reagieren auf die Bedürfnisse der jungen Gäste. „Millenials reisen viel, wie wir – und legen dabei nicht viel Wert auf Status und Prestige, sondern schätzen Individualität und einmalige Erlebnisse“, weiß Michael Struck, CEO und Gründer der Ruby Hotels & Resorts. Die Ruby-Häuser in Wien, München und Hamburg befinden sich nicht an teuren Prestige-Adressen, sondern an zentralen, authentischen Standorten. Die Hotels erzählen jeweils eine eigene Geschichte und zeichnen sich dementsprechend durch eine individuelle Ausstattung aus. „Der Ort, das Viertel, das Design und die Immobilie sind uns wichtig“, betont Michael Struck gegenüber first class. „Wir lassen aber auch weg, was unsere Gäste nicht brauchen.“ So gibt es z. B. kein eigenes Restaurant, dafür eine lässige Ruby-Bar. Gastronomische Angebote finden die Gäste in den zentralen City-Lagen rund herum. Die Mitarbeiter geben persönliche Tipps, die Hintergrundgeschichten liefert der Ruby Blog.

Lokale Manufakturen liefern einen Großteil der Food-Zutaten, nahezu ausschließlich Bio. Das Frühstücksbuffet ist zugeschnitten auf moderne Ernährungspräferenzen. Auch damit trifft Ruby den Nerv der jungen Zielgruppe, die sich verstärkt gesund ernährt. Auch Nachhaltigkeit ist wichtig. Umweltfreundliche Verpackungen, Regionalität und Saisonalität im F&B-Bereich sind gefragt. Darüber hinaus bietet Ruby Hotels Online-Buchung und digitalen Self-Check-in – wie gemacht für Millenials, die den Großteil ihrer Zeit online sind. In den Häusern ngibt es eben den zimmereigenen Tablets auch kostenlose Smartphones mit unbegrenztem mobilen Datenvolumen. Die mobilen Begleiter können die Gäste in die Stadt mitnehmen und zum kostenfreien Surfen und Telefonieren nutzen – und natürlich, um Selfies zu posten.

Millenials zeigen über Instagram und Snapchat, wo sie sich gerade aufhalten. „Sie wissen, dass ihre persönlichen Daten gesammelt werden – aber das nehmen sie in Kauf und erwarten, dass dadurch das Einkaufserlebnis besser auf sie abgestimmt wird“, sagt Michael Gehring, Digital Marketing & Communications Director SV Hotel. Die Hauptzielgruppe von Moxy sind Millenials. „Und diese sprechen wir auf allen ihren Kanälen an“, erläutert der Kommunikationsexperte. Die Boutique-Hotelmarke setzt auf “Millenial Lifestyle Design“, das sich aufs Wesentliche beschränkt. Für die Generation Y heißt das: ein großes, bequemes Bett, funktionales aber gemütliches Design, ein großer Fernseher mit On-Demand-Angeboten und viele Steckdosen für die Gadgets, die aufgeladen werden müssen. „Und natürlich schnelles, freies WLAN in allen Zimmern und öffentlichen Bereichen“, ergänzt Michael Gehring.

Emoji-Menü

Auch das Aloft München bietet seinen Gästen schnelles Internet ohne Begrenzung von Geräten. „Wichtig ist, dass Millenials Content, also Filme, Serien oder Musik, streamen können“, erläutert Oliver W. Schäfer, Complex General Manager Aloft Hotel München. „Des Weiteren bieten wir unseren Starwood-Preferred-Guests (SPG) an, ihr Telefon als digitalen Schlüssel zu nutzen. Da man das Handy ohnehin immer dabei hat, entfällt dadurch die lästige Suche nach dem Schlüssel. Künftig kann man über die SPG-App dann auch auschecken, ohne an die Rezeption zu gehen.“

In New York hat die junge Starwood-Marke zudem ein Pilotprojekt gestartet: einen Emoji-Roomservice. Dabei bestellen die Gäste via Smartphone mit einer Reihe Emojis plus Nachname und Zimmernummer. Das Menü „Hangover“ z. B. umfasst Vitaminwasser, Advil und Bananen. Auch Handy-Ladegeräte können bestellt werden. Dafür werden die entsprechenden Emojis von der TiGi-Karte (Text it, Get it.) eingetippt. Bestätigt wird die Bestellung mit dem Daumen-hoch-Symbol.

Auch die JW Marriott Hotels & Resorts versuchen, die junge Zielgruppe auf ihren eigenen Kanälen zu erreichen. So produziert die Kette im eigenen Marriott Content Studio Spielfilme, die auf der Website sowie den YouTube-Kanälen ausgespielt werden. Durch die Clips wird die Marke gestärkt. Hilton wiederum hat einen eigenen Twitter-Kanal ins Leben gerufen: Unter HiltonSuggests können Gäste persönliche Empfehlungen für Restaurants oder Bars mit anderen Usern teilen – der Concierge fürs Social-Media-Zeitalter.

Work & Fun

Natürlich müssen Millenials zwischendurch auch arbeiten – schließlich wollen die Reisen und die teuren Gadgets verdient sein. In verschiedenen Hotels gibt es in sogenannten Co-Working-Spaces die Möglichkeit, Business und Privates zu kombinieren. Bei einem Cocktail noch rasch die Mails checken.

Ruby Hotels kooperieren dafür z. B. mit Serviceplan. Das Ziel: flexibles, nicht ortsgebundenes Wohlfühlarbeiten. Dafür bietet Ruby Works eine Art Wohnzimmerwand mit Deko-Artikeln sowie einen offenen Küchenbereich. Die Working Spaces der eigenen Marke Ruby Works befinden sich in Gebäuden in unmittelbarer Nähe zu den Hotels in den jeweiligen Städten.

In anderen Hotels wird die Lobby zur öffentlichen Arbeitsfläche. Hier können Millenials allein zusammen arbeiten – Gratis-WLAN, Kaffee und ausreichend Steckdosen vorausgesetzt. Herzstück der Moxy Hotels sind die Full-Service Bars, die eingebettet sind in eine Lounge mit großem Community-Table und viel Raum für Individualität – ein Co-working- und Meetingbereich. „Für die Laptop- und Tablet-Generation brauchen wir keine großen Konferenz-Räume mehr einzurichten“, sagt Michael Gehring. Eine offene, ungezwungene Atmosphäre kommt bei der jüngeren Klientel an, ist auch Oliver Schäfer überzeugt. „Ein anderes Feature sind unsere monatlichen Konzerte in der wxyz bar. Hier legen wir Wert darauf hauptsächlich lokale Künstler eine Plattform zu bieten.“ Auch 25hours organisiert in einigen Häuser Live-Events. In Berlin bringt das Team unter dem Motto „Monkey Tunes“ monatlich Bands und Künstler auf die Bühne.

 

 

Auf Du und Du

In vielen Häusern greift auch der Umgangston das Flair der jungen Generation auf. In den 25hours Hotels z. B. werden die Gäste geduzt. Alexandra Hürlimann, Residency Manager im 25hours in der Ausgehmeile Langstraße in Zürich, legt Wert auf eine lockere Atmosphäre. 25hours-Mitarbeitende sind kompetent und kontaktfreudig. Sie geben authentische Insidertipps an die Gäste weiter, die nach hippen Restaurants, Bars oder Clubs fragen. „Der lässige Ton soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir eine gute Kinderstube und solide Fachkenntnisse voraussetzen“, betont Alexandra Hürlimann.

Auch bei Moxy werden die Gäste locker angesprochen: „Unser Team am Empfang hat schnell raus, ob ein Du oder Sie angemessen ist“, berichtet Oliver Schäfer. Schließlich sind die Mitarbeiter oft im gleichen Alter wie die Gäste: „Wir haben eine Crew, die den Lifestyle der Millenials verkörpert – das ist recht einfach, denn die meisten gehören selbst dieser Generation an.“

Natürlich sprechen diese Hotelkonzepte nicht nur die jüngere Altersgruppe an. „Wir haben sehr viele Gäste, die weit über dem Altersdurchschnitt der Genenration Y liegen“, unterstreicht Oliver Schäfer. Es geht weniger ums Alter der Gäste, als um deren Einstellung. Die verschiedenen Angebote richten sich an Kosmopoliten, Menschen, die sich in Großstädten zu Hause fühlen. „Das ist keine Frage des Alters, Geschlechts oder Einkommens“, berichtet Michael Struck von Ruby Hotels. „Unsere Gäste haben vor allem bestimmte Werte gemeinsam. Sie suchen das Einzigartige und Originelle, schätzen Charakter und Kanten und wollen eine Seele spüren in dem, was sie in ihre Nähe und an sich heranlassen.“

Ältere Gäste sind inzwischen genauso digital unterwegs wie ihre Kinder. Von kostenlosem WLAN profitiert also letztendlich jeder. „Und die Lounge-Musik kann man bei Bedarf auch etwas leiser drehen“, schmunzelt Michael Gehring.

Mehr über Millenial-Konzepte lesen Sie in der neuen first class.

 

Renzo Wellinger / Gastroinfoportal

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