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Klimawandel

Klimawandel bietet auch Chancen

Datum: 27.09.2019Quelle: Initiative Mittelstand | Foto: Kraft | Ort: München

Zur Premiere des 1. Werkstattgesprächs hatte die Initiative Mittelstand Fachleute aus Gastgewerbe, Tourismus und Klimaforschung an einem Tisch versammelt, um sich in einer Diskussion dem aktuell drängendsten Zukunftsthema zu widmen: Nachhaltigkeit inklusive Klimawandel und den sich hieraus ergebenden notwendigen Veränderungen für den Deutschlandtourismus.

Seit neun Jahren verzeichnet der Deutschlandtourismus ein ungebremstes Wachstum und hat mit rund 477 Millionen Übernachtungen 2018 einen neuen Rekord erreicht. Auch bei den Deutschen ist Urlaub im eigenen Land beliebt. Mehr als jeder dritte Reisende verbrachte seinen längsten Urlaub im Jahr hierzulande. Was sind die Trends und Perspektiven angesichts von Klimawandel und geändertem Reiseverhalten, wie gehen Hotellerie und Gastronomie damit um und wie können sie die Attraktivität des Standorts aktiv mitgestalten, fragte Moderator Michael Moritz von Moritz Communications die Expertenrunde, darunter die Familien Barth und Bareiss sowie Jens Sroka. Es diskutierten Hannes Bareiss (Hotel Bareiss), Christian Barth (Favorite Parkhotel Mainz), Thomas Edelkamp (Romantik Hotels & Restaurants), Gerald Kink (Dehoga-Präsident Hessen und Hotel Oranien Wiesbaden), Prof. Dr. Andreas Matzarakis (Deutscher Wetterdienst, Zentrum für Medizin Meteorologische Forschung, Freiburg), Olaf Schlieper (DZT) und Jens Sroka (Heimathafen Hotels).

Anpassungsstrategien erforderlich

Laut Andreas Matzarakis gibt es beim Klimawandel keine Gewinner, aber es gibt Chancen und die müssen genutzt werden. Darin waren sich alle Teilnehmer einig. Durch die Zunahme von Extremen mit Hitze, Trockenheit und Regen werden zum Beispiel die Sommer länger und heißer oder die Winter milder. Durch entsprechende Anpassungen und Konzepte kann sich das Gastgewerbe diese Veränderungen zunutze machen, zum Beispiel durch neue Outdoor bzw. Indoor-Aktivitäten oder durch die Ausweitung der Außenbereiche.

In der Diskussion wurde aber auch deutlich, dass solche Anpassungen an den Klimawandel nur im Zusammenhang mit einer entsprechenden Nachhaltigkeitsstrategie funktioniert, denn die Sensibilität für Umwelt und ökologisches Handeln ist in der Gesellschaft und bei vielen Gäste enorm gestiegen. Das hat auch die Deutsche Zentrale für Tourismus erkannt und Nachhaltigkeit im Markenkern des Urlaubslandes Deutschland verankert. Ökologische und umweltgerechte Maßnahmen sollen zukünftig bei der Vermarktung des Standorts Deutschland eine größere Rolle spielen und die traditionellen Stärken wie vielfältige Kultur, Natur und Gastronomie sowie ein überzeugendes Preis-Leistungsverhältnis flankieren. So ist die DZT dabei, die besten Angebote aus allen Bundesländern abzufragen, um sie im Jahr 2020 international zu vermarkten.

Die Diskussion zeigte auch auf, dass zukünftig Nachhaltigkeit nicht an den Toren der Gastbetriebe enden darf, sondern dass integrierte Konzepte vonnöten sind, die nachhaltige regionale Angebote und entsprechende umweltfreundliche Verkehrskonzepte verbinden. Gefordert wurde daher, dass Tourismusexperten, Politiker, Verkehrsplaner und das Gastgewerbe sich an einen Tisch setzen, um die Stärken zu bündeln.

Viele Ideen

Mittelständische Hotelbetriebe sehen sich in einer Art Vorreiterrolle, denn aufgrund ihrer lokalen Verankerung und Verpflichtung haben sie bereits seit längerem in vielen Bereichen nachhaltige Maßnahmen etabliert. Wie aktiv und einfallsreich die Hoteliers sind, zeigten die vielen Ideen, von denen die Anwesenden berichteten. So hat das Hotel Bareiss aus dem Schwarzwald zum Beispiel eine eigene Fischzucht aufgebaut, um die eigene Gastronomie und auch andere Betriebe zu beliefern. Aktionen wie die Jutebeutel und die Strandmülltonne für die Gäste der Heimathafen Hotels oder der St. Peter Ording Ocean Clean-Up der örtlichen Hotels sind kleine, aber wertvolle Beiträge, um das Committment für den Klimaschutz zu untermauern und die Gäste einzubeziehen. Durch die Anbringung von E-Ladesäulen oder die Förderung der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel bei der Anreise, soll umweltfreundliches Verhalten belohnt werden. Auch die Mitarbeiter sollen zukünftig stärker eingebunden werden. Entsprechende Schulungen schaffen mehr Bewusstsein für nachhaltige Themen.

Bei der Neuausrichtung spielt die junge Generation eine tragende Rolle, so die einstimmige Meinung der Teilnehmer. Denn sie geht mit ihren neuen Werten rund um den Klimawandel in die Offensive. Mit ihrem Engagement ist es den jungen Menschen gelungen, das Thema mit seiner bedrohlichen Realität in das Bewusstsein der Menschen aller Altersgruppen zu bringen und auch in der Politik für Aufmerksamkeit und Dynamik zu sorgen. „Auf die Jungen hören“, so Jens Sroka von den Heimathafen Hotels, denn sie sind näher am Puls der Zeit. Positiv wurde auch der jetzige Schub gesehen, der durch „Fridays for Future“ ausgeht. Dieser sollte jetzt genutzt werden, um einen großen Schritt nach vorne zu machen.

Fazit

Die Diskussion erbrachte klare Handlungsempfehlungen: Die aktuell hohe Wahrnehmung und Dynamik beim Thema Klimawandel nutzen. Das wachsende Bewusstsein schärfen und einfordern, bei der Politik, den Mitarbeitern und den Gästen. Sich auf die neue Situation einstellen und Anpassungsstrategien in Form integrierter Konzepte für Destinationen entwickeln. Positive Aspekte der Veränderung in Angebote mit Mehrwert für die Gäste, das Gastgewerbe und die Wirtschaft der Regionen verwandeln. Gefordert ist die Politik im Hinblick auf durchdachte Mobilitätskonzepte in den Ballungsräumen und eine Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur für ländliche Regionen. Impulsgeber für Veränderung ist die Jugend, denn die jungen Menschen sind die Gäste und Gestalter von morgen. Was der Wissenschaft bisher nicht gelang, haben sie geschafft: Das Bewusstsein für die reale Bedrohung zu schärfen und in die Mitte der Gesellschaft zu tragen sowie rasches Handeln mit Weitsicht zu fordern.

Titelbild: Von links: Hannes Bareiss (Hotel Bareiss), Christian Barth (Favorite Parkhotel Mainz), Olaf Schlieper (DZT), Prof. Dr. Andreas Matzarakis (Deutscher Wetterdienst, Freiburg), Michael Moritz (Moritz Communications), Jens Sroka (Heimathafen Hotels), Thomas Edelkamp (Romantik Hotels & Restaurants), Gerald Kink (Dehoga-Präsident Hessen und Hotel Oranien Wiesbaden)

Martina Kalus / Gastroinfoportal

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