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Sonnenhausen

Grüne Zukunft

Datum: 13.06.2019Quelle: Gut Sonnenhausen, Bauwerk, Rainer Viertlböck | Ort: Glonn

Georg Schweisfurth, 59, ist ein deutscher Unternehmer, Autor und Hotelier. Er ist Mitbegründer der Bio-Supermarktkette Basic, saß im Vorstand von Greenpeace Deutschland und ist neben seiner Tätigkeit als Hoteldirektor außerdem Vorsitzender des Vorstandes der Umweltakademie. In seinem Tagungs- und Eventhotel Gut Sonnenhausen stellt der gelernte Fleischer das Thema Nachhaltigkeit in den Vordergrund.


Sonnenhausen
Georg Schweisfurth

Herr Schweisfurth, die Firma Herta war jahrzehntelang ein Sinnbild für großindustrielle Massenproduktion. Mit Herrmannsdorfer, Basic und Gut Sonnenhausen steht ihre Familie mittlerweile jedoch für nachhaltiges Wirtschaften und Umweltschutz. Wie kam es zu diesem Sinneswandel?
Meine Familie kommt eigentlich aus dem Fleischerhandwerk. Auch Herta war ursprünglich ein handwerklicher Betrieb, doch mit dem technischen Fortschritt wurde alles immer stärker automatisiert. Darunter hat nicht nur das Handwerk an sich, sondern auch die Qualität unserer Produkte gelitten. Mein Vater hat Anfang der 80er-Jahre dann gemerkt, dass sich das alles in eine falsche Richtung entwickelt hat, dass der Fortschritt nur auf Kosten der Menschen und Tiere zu halten war. Wir Kinder wollten den Betrieb nicht übernehmen, also hat er ihn an Nestlé verkauft und mit Herrmannsdorfer eine Firma aufgebaut, die wieder zu den Ursprüngen des Handwerks zurückgekehrt ist.

Gut Sonnenhausen zeigt beispielhaft, wie Nachhaltigkeit in der Hotellerie aussehen kann. Welchen Rat können Sie anderen Hoteliers mitgeben, die ebenfalls den nachhaltigen Weg einschlagen möchten?
Zunächst einmal zählt der Wille, überhaupt etwas zu tun. In Sachen ökologischer Fußabdruck kann man immer irgendwas verbessern. Jede noch so kleine Veränderung kann ein Stück dazu beitragen, dass wir die Umwelt vor der Zerstörung bewahren. Und wenn man an vielen kleinen Stellschrauben dreht, ergibt sich ein ganz anderes Gesamtbild. Welches Waschmittel verwenden wir? Welche Art von Glühbirnen kommen zum Einsatz? Mit welchen Verkehrsmitteln kommen die Mitarbeiter hierher? All das sind Dinge, die wir beeinflussen können und die sich direkt auf unseren Planeten auswirken. Und das kommt ganz nebenbei auch noch gut bei den Gästen an.

Das Umweltbewusstsein scheint in den letzten Jahren stark zugenommen zu haben. Wie erklären Sie sich das?
Die Leute merken endlich, dass sie etwas tun müssen, sonst geht alles den Bach runter. Ihnen wird bewusst, dass Umweltschutz ja schon bei ihnen zu Hause anfängt, dass sie selbst eine Verantwortung tragen und die gesellschaftliche Entwicklung beeinflussen können. Außerdem sehen sie, dass sich die Lage zuspitzt. Schmelzende Polkappen, Wetterumschwünge und Plastik-verseuchte Meere besprechen wir schon seit 20 Jahren in der breiten Öffentlichkeit, aber es dauert eben auch seine Zeit, bis das in der Gesellschaft ankommt.

Wie sehen Sie die Entwicklung des Bio-Marktes in den nächsten Jahren?
Ich glaube, dass Bio erst am Anfang steht. Wir in Deutschland haben da noch einiges nachzuholen, da sind andere Länder wesentlich weiter. Dabei sollten wir in dem Bereich eine Vorbildfunktion einnehmen. Wenn wir Nachhaltigkeit und erneuerbare Energien nicht vorleben können, wie sollen das dann andere Länder schaffen?

Der Bauernverband scheint sich vom Bio-Markt regelrecht bedroht zu fühlen…
Die Schuld liegt beim Bauernverband selbst. Ich habe noch nie so weinerliche Menschen erlebt. Ich verstehe das ja auch, die Bauern sind arm dran. Aber wer hat sie denn in diese Abhängigkeit vom Handel getrieben und ihnen gesagt, sie sollen effizienter, größer, schneller werden? Die Bauern haben sich verschuldet, um große Maschinen anzuschaffen und fabrikartige Zuchtbetriebe aufzubauen. Jetzt merken sie langsam, dass das nicht gut war.

Die Fridays-for-future-Debatte hat das Thema Umwelt wieder in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Was muss passieren, um den negativen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte entgegenzuwirken?
Es gibt da nicht eine Lösung. Vornehmlich sind es die drei großen Gruppen, die Industrie, die Politik und die Verbraucher, die sich gemeinsam in die richtige Richtung bewegen müssen. Das Problem ist natürlich, dass der Dialog zwischen diesen Parteien oft nur schleppend vorangeht. Außerdem müssen wir weg von der nicht-sinnvollen Seite der Globalisierung kommen.

Welche Rolle schreiben Sie sich und ihrem Hotel dabei zu?
Ich als Unternehmer trage natürlich auch eine große Verantwortung gegenüber der Umwelt, so wie jeder andere Mensch. In Sonnenhausen wirtschaften wir möglichst umweltschonend, versuchen das Thema nach außen zu tragen und als Vorbild zu agieren.

Gut Sonnenhausen ist nicht unbedingt das typische Tagungshotel in „Top-Lage“ mit Anbindung zu Flughafen oder Innenstadt. Ist die Abgeschiedenheit ihres Hauses nicht ein Nachteil in ihrem Metier?
Im Gegenteil! Schon früher sind die Leute in den Urlaub gefahren, um von den vielen Eindrücken der Stadt Abstand zu gewinnen. Damals ging das noch ganz gut, aber schauen Sie sich mal die Ferienanlagen von heute an. Das sind riesige Resorts mit Wellnesstempeln, Restaurants und Freizeitangeboten. Wie soll man da zur Ruhe kommen? Abgeschiedenheit ist eine Tugend, zumal die Gäste ja nicht zu uns kommen, um sich bespaßen zu lassen.

In der Feuerküche und dem Kochstall können Gäste den Köchen in erster Reihe zusehen oder gar mitkochen. Wieso ist das Bedürfnis der Menschen nach Unmittelbarkeit in den letzten Jahren so gewachsen?
Auch das hängt mit der Entwicklung unserer modernen Welt zusammen. Es ist eine Reaktion auf die großen Supermarktketten, die dem Kunden ihre Fertigprodukte zum Niedrigpreis hinterherschmeißen. Zwar ist es irgendwo praktisch, dass alles überall verfügbar ist. Aber es macht den Leuten auch Angst. Diese Flut an Produkten und Konsummöglichkeiten überfordert und erschüttert den Menschen. Wir merken, dass da irgendwas nicht mit rechten Dingen zugehen kann.
Außerdem hat das auch etwas mit Vertrauen und Unmittelbarkeit zu tun. Die Leute wollen wieder wissen, wo es herkommt und eben auch, wie es zubereitet wurde. Echte Menschen sind nahbarer als Maschinen.

Vielen Dank für das Gespräch!


Lesen Sie auch unseren Beitrag über Georg Schweisfurths Vater Karl Ludwig aus dem Jahr 2015: -> Der Geläuterte

Benjamin Lemm / Gastroinfoportal

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