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Der Dehoga Bundesverband bewertet die Ergebnisse des Bund-Länder-Gipfels differenziert. Kritik wird insbesondere an der 7-Tage-Inzidenz als Messwert geübt.

Geteiltes Echo auf Corona-Beschlüsse

Datum: 12.08.2021Quelle: Dehoga Bundesverband, Dehoga Nordrhein-Westfalen, Dehoga Bayern | Bild: Markus Winkler on Unsplash | Ort: Berlin, Neuss, München

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga Bundesverband) bewertet die Ergebnisse des Bund-Länder-Gipfels differenziert. Die Abkehr von Lockdown-Szenarien und die Verlängerung der Corona-Hilfen sieht der Branchenverband ausdrücklich positiv. Kritikwürdig bleibt für den Verband die Fokussierung auf den Inzidenzwert.

„Bei aller berechtigten Kritik an den Ergebnissen des Bund-Länder-Treffens begrüßen wir die klare Zielsetzung der Ministerpräsidenten-Konferenz, die dauerhafte Öffnung unserer Betriebe sicherzustellen“, erklärt Dehoga-Präsident Guido Zöllick. Gut und richtig sei es, dass es für Getestete keine Zugangsbeschränkungen zu Hotels und Restaurants geben soll. „Aus gutem Grund ist die 2G-Regel nicht beschlossen worden, wonach der Zugang zu unseren Betrieben nur noch Geimpften und Genesenen gestattet gewesen wäre“, meint Guido Zöllick.

Kritik an 7-Tage-Inzidenz als Messwert

Kritikwürdig und auch rechtlich fragwürdig sei hingegen das Verharren auf der 7-Tage-Inzidenz. „Es ist mehr als enttäuschend, dass bei der Ministerpräsidenten-Konferenz die Chance vertan wurde, sachgerechte und zeitgemäße Parameter wie die Impfquote und die Hospitalisierungsrate für die Bewertung des Infektionsgeschehens festzulegen“, führt Zöllick aus. Seit Wochen werde dies vehement von Wissenschaftlern, Medizinern und Juristen, aber auch von führenden Politikern gefordert. „Die Erfahrungen nach der Wiederöffnung unserer Betriebe im Mai haben gezeigt, dass ein gut ausgebautes Testsystem von elementarer Bedeutung ist, um diese Zugangshürde zu überwinden“, erinnert er. Ebenso müsse frühzeitig Klarheit darüber bestehen, mit welchen Kosten die Tests ab Oktober verbunden sind.

Diesen Ansichten schließt sich der Dehoga Bayern an. „Wir hätten uns mehr Mut zu mehr Selbstverantwortung und weniger Verbote gewünscht. Positiv ist, dass kein erneuter Lockdown thematisiert wurde. Das klare Bekenntnis, dass eine Schließung des Gastgewerbes zumindest für Geimpfte und Genesene definitiv ausgeschlossen ist, ist ein wichtiges Signal an alle Unternehmer und Beschäftigte. Kein Verständnis haben wir hingegen, dass der Maßstab für Zugänge erneut einzig und allein der 7-Tage-Inzidenzwert sein soll“, heißt es auf der Internetseite des Dehoga Bayern.

Völlig unverständlich sei dies auch nach Angaben des Dehoga NRW. „Es ist nicht zu verstehen, dass hier immer noch alles beim Alten bleibt“, reklamiert Haakon Herbst, Regionalpräsident des Dehoga NRW.  „Wir erwarten jetzt für die Umsetzung in der nächsten Corona-Schutzverordnung, dass die inzwischen bekannten und relevanten Faktoren mit berücksichtigt werden“, so seine Aussage. Es müssen auch Clubs und Diskotheken öffnen können und Feiern möglich sein.

Hilfsmaßnahmen weiterhin nötig

Ausdrücklich zu begrüßen sei die angekündigte Verlängerung der Überbrückungshilfen und des Kurzarbeitergeldes. „Für die weiterhin von den Corona-Einschränkungen erheblich betroffenen Betriebe der Stadt- und Tagungshotellerie sowie der Cateringwirtschaft als auch für die Clubs und Diskotheken bedeuten die Zusagen zur Verlängerung der Überbrückungshilfe sowie zum erleichterten Zugang zum Kurzarbeitergeld die dringend benötigte Planungssicherheit“, sagt Guido Zöllick.

Nach insgesamt neun Monaten Lockdown erholt sich das Gastgewerbe nur langsam von den verheerenden Folgen der Pandemie. Denn auch wenn Hotels und Restaurants in Ferienregionen von einer guten Nachfrage berichten und hier die Zuversicht wächst, beklagen die Stadt- und Tagungshotels, die Eventcaterer sowie Clubs und Diskotheken weiterhin erhebliche Umsatzausfälle.

Für Juli meldeten die Betriebe insgesamt 11 % Umsatzrückgang im Vergleich zum Juli 2019. 37,2 % der Betriebe bangen mit Blick auf die fehlenden Umsätze weiterhin um ihre Existenz. 23,6 % der befragten Hotels und Restaurants sehen sich sogar konkret vor einer Betriebsaufgabe. Das geht aus einer aktuellen Branchenumfrage des Dehoga hervor. 64 % der Betriebe bewerten es als positiv, dass es grundsätzlich mehr Freiheiten für Geimpfte und Genesene geben sollte. 72,3 % würden ihren Betrieb weiter geöffnet halten, auch wenn der Zugang dann nur noch für Geimpfte und Genesene erlaubt wäre.

Redaktion GastroInfoPortal

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