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In diesem Beitrag unserer Strecke Gesundheit im Gastgewerbe erfahren Sie, wie Krankenkassen Sie bei der Umsetzung von entsprechenden BGM-Maßnahmen unterstützen.

Gesundheit im Gastgewerbe: Teil 2

Datum: 26.06.2019Quelle: Inhalt: B&L Medien, BKK Dachverband, Barmer; Foto: Colourbox.de | Ort: München | Berlin | Köln

In der vergangenen Woche lasen Sie an dieser Stelle, warum das Betriebliche Gesundheitsmanagement im Gastgewerbe immer wichtiger wird, welche Vorteile der Arbeitgeber davon hat und wie man am besten anfängt.

Heute geht es um die Hilfestellung, die Krankenkassen leisten: Dr. Anke Siebeneich, Referentin Abteilung Gesundheitsförderung beim BKK Dachverband e.V, und Thorsten Jakob, Pressesprecher Barmer, haben die wichtigsten Punkte für Sie zusammengefasst.
Im Gespräch geht es u. a. um konkrete Handlungsempfehlungen und die Frage, wo sich im Gastgewerbe besonders große Belastungen verstecken.

In welcher Form unterstützen Sie Unternehmen (bzw. Hoteliers, Gastronomen und Küchenleitern) bei der Umsetzung von Maßnahmen zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement? (Förderung, Aktionen, Leitfaden, etc.)
Thorsten Jakob: Unsere Berater in Sachen Betriebliches Gesundheitsmanagement unterstützen die Unternehmen vor Ort, gehen auf die individuellen Bedürfnisse ein und erarbeiten gemeinsam Lösungswege. Zunächst wird grundsätzlich erstmal gemeinsam vor Ort untersucht und analysiert, wie die Situation und der mögliche Beratungsbedarf ist. Dazu zählt beispielsweise eine Untersuchung des Arbeitsunfähigkeitsgeschehens oder eine Befragung der Mitarbeiter. Die daraus abgeleiteten Maßnahmen können in bestehende Strukturen eines eventuell bereits vorhandenen BGM integriert werden oder wir erarbeiten gemeinsam mit dem Unternehmen ein neues Konzept.

Was empfehlen Sie Unternehmen, um die Gesundheit der Mitarbeiter zu fördern und z. B. Krankheitsausfälle zu minimieren?
Dr. Anke Siebeneich: Unternehmen sollten zunächst die physischen und psychischen Belastungen ihrer Beschäftigten auf Grundlage der arbeitsschutzrechtlich vorgeschriebenen Gefährdungsbeurteilung erheben. Sie können sich hierzu bei der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN) beraten lassen. Oder sie nutzen die Analyseinstrumente der Krankenkassen (Arbeitsplatzsituationsanalyse, Mitarbeiterbefragung, -workshop, etc.). Wichtig ist, dass die Beschäftigten von Anfang an mit einbezogen werden. Das schafft Akzeptanz, Probleme können gemeinsam ermittelt und Lösungen mit den Beschäftigten zusammen erarbeitet werden.

Thorsten Jakob: Wir bieten gezielt Seminare für verschiedene Spannungsfelder an, die sich in fast allen Unternehmen wiederfinden. Zudem gibt es aktive Workshops in verschiedenen Handlungsfeldern. Dazu zählt der Zusammenhang zwischen Führung und Gesundheit, die Work-Life-Balance und der demografische Wandel mit all seinen Folgen. Ganzheitliche Ansätze sollten alle Facetten der Gesundheitsförderung berücksichtigen: Bewegung, Ernährung, Psychische Erkrankungen und Suchtverhalten. Es gehört Mut dazu, auch sensible Gesundheitsthemen im Unternehmen und bei den Mitarbeitern anzusprechen und neue Ideen umzusetzen. Dies sind oft sehr persönliche Fragen, die nicht nur die Arbeit betreffen. Ein respektvoller Umgang geprägt von Rücksicht und Aufgeschlossenheit ist von immenser Bedeutung für einen gut laufenden Betrieb und eine produktive Zusammenarbeit.

Wo sehen Sie gerade in gastronomisch arbeitenden Betrieben große Belastungen hinsichtlich der Mitarbeiter-Gesundheit? Welche Erfahrungen machen Sie: Wird dies schon ausreichend von den Betreibern wahrgenommen?
Dr. Anke Siebeneich: Laut den Daten des BKK Gesundheitsreportes dominieren in der Branche die Muskel-Skelett- und psychischen Erkrankungen. So vielseitig wie die Branche ist, so vielfältig sind die Ursachen von Gesundheitsproblemen, mögliche sind: langes Stehen, schweres Heben und Tragen, das Arbeiten in Schichten sowie an den Wochenenden, Gewalt (verbal oder physisch) oder Beleidigungen, Führungsverhalten, Konflikte am Arbeitsplatz. Die Branche zeigt zudem einen steigenden Anteil an älteren Beschäftigten.
Nach den Daten des Präventionsberichtes des GKV-Spitzenverbandes nutzen lediglich zwei Prozent der Unternehmen aus dem Gastgewerbe die BGF-Fördermöglichkeiten der gesetzlichen Krankenkassen. Auch das Angebot, sich über die BGF-Koordinierungsstellen kostenfrei zum Thema beraten zu lassen, nehmen bisher nur wenige Unternehmen dieser Branche in Anspruch.

Thorsten Jakob: Im gastronomischen Gewerbe ist die Arbeitsbelastung insbesondere in den Abendstunden und an den Wochenenden sehr hoch. Unter Berücksichtigung der verbreiteten Schichtarbeitsmodelle spielen vor allem Stressbewältigung, ausreichend Schlaf und gesunde Ernährung eine große Rolle.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

 

Gesundheit im Gastgewerbe: Machen Sie den Kurzcheck!

Unter dem folgenden Link finden Sie einen Kurzcheck: Durch diesen erhalten Sie erste Hinweise, welche Themen Sie in Ihrem Betrieb zuerst angehen sollten. Der Test stellt elf Anzeigen gesunder Führung zusammen.  Anhand derer können Sie die Situation in ihrem Team analysieren und ändern.

Tipp:
Einen weiteren Einblick in die Thematik vermittelt die Handlungshilfe „Kein Stress mit dem Stress. Für Betriebe im Gastgewerbe. Lösungen und Tipps für Betriebe im Gastgewerbe“ aus dem Projekt „Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt“.

 

Jeanette Lesch / Gastroinfoportal

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