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Edwin Broers

Flexibel durch Markenvielfalt

Datum: 20.07.2018Quelle: wyndham Hotels & Resorts Ort: | München

Edwin Broers begann seine Karriere bei Wyndham Hotels & Resorts 2005 als Director Business Development für die Region Kontinentaleuropa. Sein Aufgabengebiet erweiterte sich im Jahr 2009 mit der Ernennung zum Senior Director, Operations & Support Continental Europe sowie 2012 mit der Beförderung zum Vice President Operations Europe. Er leitete erfolgreich die Eröffnung von über 70 Hotels in Deutschland und etablierte so den Markt für die Wyndham Hotels & Resorts. Heute ist der gebürtige Holländer Regional Vice President für Zentral- und Osteuropa und verantwortlich für den finanziellen und operativen Erfolg aller managed and franchised Hotels in der Region.

first class: Herr Broers, Wyndham Hotels & Resorts ist mit rund 9.000 Hotels weltweit ein Global Player im Markt. Wie kann man einen solchen Hotelgiganten noch steuern und kontrollieren?
Edwin Broers: Bei der Mehrheit unserer Hotels sind wir als Franchisegeber aktiv, oder die Hotels werden von uns direkt gemanagt. In der DACH-Region arbeiten wir mit etablierten lokalen Partnern im Rahmen von Franchise-Modellen zusammen. Zu unseren größten Partnern gehört unter anderem die GCH Group, die mehr als 30 Hotels betreut, darunter Häuser der Marken Tryp by Wyndham, Wyndham Garden und Days Inn by Wyndham. Auch H-Hotels, die über 50 Hotels der Trademark-Collection managen, sind ein wertvoller Partner im Markt. Allein durch unsere Größe bieten wir natürlich zahlreiche Vorteile wie weltweite Vertriebs- und Marketingunterstützung. Zudem unterstützen wir unsere Franchisenehmer in vielen Bereichen wie Operations, Guidence, Sales-Support, Travel-Management-Support, Reservations etc.

In der DACH-Region verfügen Sie aktuell über 114 Hotels. Welchen Stellenwert hat diese Region für Wyndham Hotels & Resorts? Gibt es Expansionspläne?
Die DACH-Region und insbesondere der deutsche Markt haben für uns einen hohen Stellenwert. Deutschland ist unser viertgrößter Markt nach den USA, Kanada und China. Und wir wollen in Deutschland weiter wachsen. Hier konzentrieren wir uns aktuell auf die Expansion bestehender Hotelmarken, darunter vor allem die Marken Ramada und Super 8. Ramada ist eine weltweit bekannte Marke, deren Präsenz wir über eine strategische Partnerschaft mit der HR Group in Europa schnell ausbauen werden. Die Einführung neuer Marken in Deutschland ist derzeit nicht geplant.

Allein in Deutschland ist Ihre Gruppe mit zehn Marken vertreten. Haben Sie mittlerweile nicht ein Zuviel an Marken?
Weltweit führen wir sogar 20 Marken in unserem Portfolio. Wir haben aber nicht das Gefühl, zu viele Marken zu besitzen. Jeder Gast hat unterschiedliche Bedürfnisse an einen Hotelaufenthalt, die sich zudem schnell verändern können. So sind Sie einmal als Businessgast, ein anderes Mal mit der Familie unterwegs. Auf diese Dynamik müssen wir Antworten geben können. Jede unserer Marken ist daher einzigartig und richtet sich an eine andere Zielgruppe.
Unsere Hotelmarke Super 8 steht z. B. für moderne Zimmer und umfassenden Service im Economy-Segment. Sie richtet sich entsprechend an preisbewusste Reisende. In Deutschland gibt es derzeit drei etablierte Super-8-Häuser, zwei in München und eines in Freiburg. Ein weiteres Beispiel ist unsere Marke Ramada Hotels. Sie zählt zu den bekanntesten Hotelmarken der Welt und ist auch in Deutschland sehr populär. Sie spricht Reisende an, die ein mittleres bis gehobenes Preissegment bevorzugen. Um den Widererkennungswert unserer Marken zu steigern, haben wir im Sommer zudem im Rahmen eines groß angelegten Re-Brandings bei vielen Marken den Zusatz „by Wyndham“ ergänzt. Denn viele unserer Gäste, die in einem Days Inn oder Super 8 übernachten, wissen gar nicht, dass diese Hotels zu Wyndham Hotels & Resorts gehören und sie von unserem preisgekrönten Treueprogramm Wyndham Rewards profitieren können.

Das Treueprogramm Wyndham Rewards umfasst weltweit 56 Mio. Mitglieder. Was ist das Alleinstellungsmerkmal gegenüber anderen Bonusprogrammen?
Unser Treueprogramm ist sehr erfolgreich. Allein in den letzten zwölf Monaten haben wir 5 Mio. neue Mitglieder dazu gewonnen. Auch in Deutschland steigen die Mitgliederzahlen stetig. Das Besondere an Wyndham Rewards ist, dass es Mitgliedern auf einfachste Weise das Sammeln und Einlösen von Prämienpunkten ermöglicht. Als erstes Programm bietet Wyndham Rewards die Möglichkeit, über Punkte eine kostenlose Übernachtung zu erhalten. Unabhängig davon, in welchem teilnehmenden Hotel die Punkte erworben wurden, können sie für 15.000 Punkte eine kostenlose Übernachtung in einem der über 25.000 Wyndham Rewards Hotels, Ferienhäuser und -apartments einlösen. Darüber hinaus können Punkte auch bei Partnerfirmen gesammelt und eingelöst werden, z. B. gegen Flug- und Urlaubsreisen. Ein Verfall der Punkte tritt zudem erst ein, wenn über einen Zeitraum von 18 Monaten keinerlei Aktivität auf dem Konto des Mitgliedes feststellbar ist. Durch seine Vielfalt wurde Wyndham Rewards von U.S. News und World Report in den letzten drei aufeinander folgenden Jahren als bestes Treueprogramm in der Hotellerie ausgezeichnet.

Ist das Programm eine Möglichkeit, dem Expansionsdrang der OTAs entgegenzutreten?
Ja, das glaube ich. Loyalität ist der Schlüssel, um unser Geschäftsmodell zu verteidigen und zu erhalten. Wir gewähren Mitgliedern von Wyndham Rewards einen zehnprozentigen Nachlass auf den Zimmerpreis gegenüber den Preisen von OTAs. Wir fragen Kunden daher bereits beim Buchungsvorgang nach ihrer Mitgliedschaft. Sollten sie noch kein Mitglied sein, können sie gleich bei der ersten Buchung Teilnehmer des Programms werden, wenn sie möchten.

Die Plattform Airbnb will zukünftig auch mit Hotels zusammenarbeiten und für eine geringere Provision als die OTAs Zimmer vermitteln. Welche Gefahren oder Chancen sehen Sie darin?
Alle Marktentwicklungen, die mehr Menschen zum Reisen motivieren, empfinde ich grundsätzlich als positiv für die Branche. Jeder Reisende hat die Möglichkeit, Serviceleistungen und Qualität nach seinen Bedürfnissen zu wählen. Im Fall von Airbnb wird am Ende die Höhe der Provision über den Erfolg entscheiden, da diese in den Zimmerpreis einfließt. Die OTAs sind für einige Hotels zu stark geworden und verlangen bis zu 25 % Vermittlungsgebühr. Ich glaube nicht, dass das nachhaltig ist. OTAs sind ein wichtiger Teil des Geschäfts. Dabei wird der Wettbewerb noch zunehmen. Und daher haben wir auch unser Loyalitätsprogramm Wyndham Rewards. Wir bieten unseren Gästen einen Mehrwert, indem sie Bonuspunkte bei Hotelaufenthalten sammeln und einlösen können.

Was planen Sie in den nächsten Jahren?
Noch in diesem Jahr sind vier Eröffnungen von Ramada Hotels in Berlin, Bottrop, München und Hannover geplant. Auch die Marke Super 8 wird in Deutschland expandieren. Wir sind zudem kontinuierlich mit weiteren Partnern in Verhandlungen, unter anderem in Osteuropa. Diese Region­ bietet großes Wachstumspotenzial. Wir sind immer an langfristigen Beziehungen mit unseren Investoren und Besitzern interessiert, um eine nachhaltige Entwicklung der Marken zu gewährleisten. Unsere Verträge laufen in der Regel 20 Jahre.

Die Meinungen über den Hotelmarkt in den deutschen Großstädten schwanken von Überkapazität bis Nachholbedarf. Wie beurteilen Sie den Hotelmarkt in Deutschland?

Deutschland ist ein solider Markt mit einem gesunden Wachstum. Die internationale Unternehmensberatung PwC erwartet laut einer aktuellen Studie für 2018 eine positive Entwicklung für den gesamten europäischen Hotelmarkt, darunter auch Deutschland. Es bieten sich nach wie vor viele Gelegenheiten, hier zu wachsen. Berlin bietet mit Blick auf die Erlös-Zuwächse pro verfügbarem Zimmer (RevPar) aktuell mehr Potenzial als München. Laut PwC werden in der deutschen Hauptstadt RevPar-Steigerungen von rund 3 Prozent erwartet. Gleiches gilt auch für Frankfurt.

Immer mehr Business-Gäste wollen sich bei einem Hotelaufenthalt wie zu Hause fühlen und einen lokalen Bezug haben. Wie reagieren Sie auf diesen neuen Trend?
Was will der Gast von morgen aus Ihrer Sicht?

Das Gefühl, sich wie zu Hause zu fühlen, wird für viele Reisenden tatsächlich immer wichtiger. Unsere Hotelmarken und auch Wyndham Rewards bieten hier größtmögliche Flexibilität, um unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht zu werden und einen lokalen Bezug zu schaffen. In Super 8 Häusern wie in Freiburg erwarten unsere Gäste eine gemütliche Lounge, ein Coffee-Shop mit deutschem Kaffee und eine ruhige Terrasse zum Entspannen. Eine Frühstücks-Showküche bietet Live-Cooking wie zu Hause am Küchentresen und an großen Tischen kommen Gäste schnell miteinander ins Gespräch. Darüber hinaus testen wir vereinzelt auch Streetfood-Konzepte.

Stichwort neue EU-Datenschutz-Grundverordnung DSGVO: Haben Sie sich bereits darauf eingestellt? Wenn ja wie?

Wir haben uns schon lange auf die DSGVO vorbereitet. Wir erachten sie als sehr wichtig, da sie großen Einfluss auf den Umgang mit Daten und damit unseren Alltag hat. Bei Wyndham Hotels & Resorts haben wir zahlreiche Schulungen durchgeführt und unsere Abläufe angepasst.

Sie sind seit 14 Jahren bei der Firma. Seit sechs Jahren verantwortlich für die DACH-Region. Gibt es Dinge aus anderen Märkten, die sie in Deutschland einbringen können?

Deutschland ist ein stabiler Markt, der sich in den vergangenen Jahren aber auch gewandelt hat. Er ist viel internationaler geworden. Berlin ist zum Beispiel zu einer unglaublich dynamischen, globalen Stadt geworden. Das merkt man natürlich auch in der Hotellerie. Internationale Gäste, aber auch Mitarbeiter global agierender Hotelketten, die im Rahmen von Austauschprogrammen in deutschen Häusern arbeiten, erweitern den Horizont und bringen ihre Erfahrungen ein. Von diesen Impulsen wird der deutsche Markt positiv beeinflusst.

Der Fachkräftemangel gilt als größte Herausforderung in der Branche. Wie reagieren Sie darauf?

Speziell in Deutschland gehört das Arbeiten im Hotel nicht mehr zu den attraktivsten Jobs. Wir arbeiten daher eng mit Arbeitsvermittlern, Fachhochschulen und Hotelmanagementschulen zusammen, um unseren Bedarf zu decken. Man kann heutzutage viele Tätigkeiten durch IT-Lösungen erleichtern, aber am Ende arbeiten wir in einem Dienstleistungsgewerbe, bei dem es auf die Menschen ankommt. Wertschätzung von Kollegen und Mitarbeitern sowie die Schaffung attraktiver Perspektiven sind daher ein wichtiger Aspekt bei Wyndham Hotels & Resorts. Wir bieten verschiedene Weiterbildungsmöglichkeiten für Mitarbeiter, um sie auf ihrem persönlichen Karriereweg zu unterstützen. So können Mitarbeiter zum Beispiel im Rahmen eines Austauschs in verschiedenen Hotels im Ausland arbeiten, um internationale Erfahrung zu sammeln.

Die Wyndham Hotel Group wurde von ihrer Muttergesellschaft Wyndham Worldwide ausgegliedert. Welche Auswirkungen sind dadurch zu erwarten?

Eine der größten Veränderung ist der Unternehmensname. Wir agieren nun als Wyndham Hotels & Resorts am Markt. Durch die Ausgliederung sind wir zudem zu einem Hotelunternehmen und dem weltweit größten Hotel-Franchisegeber mit einem Portfolio von 20 anerkannten Hotelmarken in mehr als 80 Ländern geworden. Mit der strategischen Neuausrichtung verfolgen wir das Ziel, noch flexibler und weiterhin wachstumsorientiert in einem umkämpften Markt zu agieren. Für unsere Gäste wird sich wenig ändern: Unser Ziel ist es weiterhin, Reisen und Hotelaufenthalte für jeden zu ermöglichen. Wir setzen alles daran, den Aufenthalt in unseren Häusern, ob im Economy- oder im Luxussegment, bestmöglich zu gestalten, um Gästen mehr Auswahlmöglichkeiten zu einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis zu bieten. Mit unseren verschiedenen Marken und unserem Treueprogramm Wyndham Rewards können wir sehr gut auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Reisenden eingehen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Udo Schwickal

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