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Es gibt kein Zurück

Datum: 04.11.2019Quelle: Redaktion first class | Ort: München

Nachhaltiger Tourismus boomt. Die Erwartungen der Gäste, der Gesellschaft und der Investoren an das Verantwortungsbewusstsein von Hoteliers steigen. Doch viele Hoteliers sind mit dem Thema Nachhaltigkeit noch wenig vertraut und wissen nicht, wie sie damit beginnen sollen. Suzann Heinemann, Gründerin und Geschäftsführerin der GreenLine Hotels sowie von InfraCert, dem Institut für Nachhaltige Entwicklung in der Hotellerie, gibt Einblicke in die nachhaltige Hotellerie. Sie ist selbst Hotelier und Inhaberin des Schlosshotels Blankenburg im Harz.

first class: Frau Heinemann, wie sind Sie zum Thema Nachhaltigkeit in der Hotellerie gekommen?

Suzann Heinemann: Vor 18 Jahren haben wir die GreenLine Hotels gegründet, die zunächst als Dachmarke von sieben für Investoren, Banken und Verwalter betriebenen Häusern diente. Die meisten unserer Hotels waren in Urlaubsregionen oder im Grünen gelegen und so ist der Name GreenLine entstanden. Im Laufe der Jahre wurden wir aufgrund des Namens vermehrt auf das Thema Nachhaltigkeit angesprochen, so dass wir 2014 anfingen, uns intensiv damit zu beschäftigen. Heute zeigt sich, dass es eine richtige Entscheidung war. An einer nachhaltigen Ausrichtung kommt heute niemand mehr vorbei.

Wie hat sich die GreenLine Hotels weiterentwickelt?

GreenLine ist zu einer erfolgreichen nachhaltigen Buchungsplattform herangereift und wir haben mittlerweile rund 140 nachhaltige Hotels. Wir können durch unseren Namen und unser Know-How bei nachhaltigen Hotels mit guter Qualität punkten. Unser Hauptaugenmerk bei GreenLine liegt neben der Nachhaltigkeit auch auf Vertrieb und Marketing der Hotels und wir unterstützen die Häuser darin, ihre Auslastung und den RevPar zu steigern ohne ihre Selbstständigkeit und Individualität zu verlieren.

Wofür stehen die GreenLine Hotels?

GreenLine ist zu einer erfolgreichen nachhaltigen Buchungsplattform herangereift und wir haben mittlerweile rund 140 nachhaltige Hotels. Wir können durch unseren Namen und unser Know-How bei nachhaltigen Hotels mit guter Qualität punkten. Unser Hauptaugenmerk liegt neben der Nachhaltigkeit auch auf Vertrieb und Marketing der Hotels und wir unterstützen die Häuser darin, ihre Auslastung und den RevPar zu steigern, ohne ihre Selbstständigkeit und Individualität zu verlieren.

Welche Rolle spielt dabei das Siegel GreenSign von InfraCert?

Als wir das Thema Nachhaltigkeit für die GreenLine Hotels angingen, stellten wir fest, dass wir eine Zertifizierung brauchen, um die nachhaltigen Aspekte der Hotels transparent für Gäste und Stakeholder darzustellen. Doch nichts am Markt erfüllte unsere Ansprüche, denn es fehlte ein praxisnahes, anschauliches und dynamisches Managementsystem für Hotels. Also haben wir gemeinsam mit der Hochschule Heilbronn eine Nachhaltigkeitszertifizierung für die GreenLine Hotels entwickelt. Das GreenSign war als erstes fünfstufiges System geboren. Nachdem alle damals 70 Hotels zertifiziert waren, haben wir unser GreenSign Managementsystem 2.0 weiterentwickelt und das Institut InfraCert gegründet. Mit einem Nachhaltigkeitsbeirat und Auditoren werden heute die Hotels geprüft. Wir haben das Zertifikat dann für alle Hotels zugänglich gemacht und konnten inzwischen schon über 180 Hotels mit dem GreenSign zertifizieren. Unser Nachhaltigkeitsprogramm steht für langfristige Unternehmensverantwortung und ermöglicht die Optimierung von Betriebsprozessen, insbesondere im Bereich der Energie- und Umwelteffizienz, des Qualitätsmanagements, der Kundenansprache sowie der Stärkung der Mitarbeiterloyalität. Das GreenSign kann in jedem Hotel eingebunden werden und jeder Betrieb kann damit seine Nachhaltigkeit überprüfen und verbessern.

Was ist die GreenCommunity?

Wir haben festgestellt, dass der Austausch mit Kollegen und Partnern notwendig ist, um zukunftsorientiert zu bleiben und wichtige Erkenntnisse für den eigenen Betrieb zu gewinnen. Networking gewinnt heutzutage immer mehr an Bedeutung, ist aber für viele oftmals schwer umzusetzen. Die GreenCommunity ist inzwischen zu einem großen nachhaltigen Partnernetzwerk mit Bezug zur Gastronomie und Hotellerie gereift. Bei unseren Veranstaltungen haben Hoteliers die Möglichkeit, mit uns in direkten persönlichen Kontakt zu treten. In der GreenCommunity schaffen wir nicht nur Verbindungen zu wichtigen Partnern in der Branche, sondern wir unterstützen die Hoteliers bei der Positionierung als nachhaltiger Betrieb im nationalen und internationalen Markt. Gemeinsam ermöglichen wir eine weitaus größere Wahrnehmung bei Gästen, Stakeholdern und den Medien, als das ein einzelner Hotelier erreichen kann.

Wie setzen Sie die Nachhaltigkeit in Ihrem eigenen Hotel um?

In unserem Schlosshotel Blankenburg haben wir vor knapp vier Jahren mit einem GreenSign Level 3 gestartet und konnten uns im letzten Jahr bei der Re-Zertifizierung auf ein hervorragendes Level 4 steigern. Mit unserer Umweltstrategie bleibt unser Haus langfristig attraktiv und innovativ. Zunächst war es am Anfang auch für uns eine Umstellung, die Prozesse in Frage zu stellen und die Mitarbeiter zu motivieren. Mittlerweile stellt sich unsere nachhaltige Betriebsführung als Vorteil bei der Gewinnung neuer Mitarbeiter heraus. Ein Bestandteil der Nachhaltigkeit ist die soziale Verantwortung, die eben auch Vorzüge für das Personal einschließt. Das steigert die Mitarbeiterzufriedenheit und Loyalität. Wir haben den Ansatz, Mitarbeiter zu motivieren, zu führen und zu befähigen, um eine stabile Personalstruktur zu haben. Unsere Investitionen und Bemühungen haben sich inzwischen schon gerechnet und unsere Kosten- und Umwelt-effizienz maßgeblich gesteigert.

Ist das GreenSign nur in der Privathotellerie verbreitet, oder findet es auch bei Ketten Anklang?

Wenn es um eine nachhaltige Betriebsführung geht, macht es keinen Unterschied. Wir haben mittlerweile schon viele Hotels zertifiziert, die einer Marke angehören. So ist z. B. das Park Inn by Radisson Berlin Alexanderplatz mit dem GreenSign Level 3 zertifiziert und punktet vor allem beim Qualitätsmanagement mit einer hohen Schulungsquote, einer gezielten Personalqualifizierung zu nachhaltigen Themenbereichen sowie einer detaillierten Erhebung der Zufriedenheit der Auszubildenden. Auch im Bereich Umwelt hat das Park Inn eine Vorbildfunktion im Gebiet Abfallvermeidung. Auch Häuser der Flair Hotels, Biosphärenhotels, me and all hotels und the niu Hotels haben bereits das GreenSign.

Was empfehlen Sie Hoteliers für den Start in die Nachhaltigkeit?

Eine nachhaltige Hotelführung ist heute Ausdruck eines Wertesystems, das für Innovationsfähigkeit, Stabilität, vorrausschauende Planung sowie eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Mitarbeitern und Partnern in Bezug auf ökologische und soziale Aspekte steht. Die Bereiche der Energie- und Umwelteffizienz, das Qualitätsmanagement sowie die Stärkung der Mitarbeiterloyalität sollten ganz oben auf der Prioritätenliste stehen.
Durch unser eigenes Hotel kenne ich die Herausforderung nur zu Genüge, sich neben dem Alltagsgeschäft mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinander zu setzen. Aber wenn Sie einmal damit begonnen haben, gibt es kein Zurück. Die Mitarbeiter lieben es und ihre Gäste schätzen es. Es macht sehr viel Spaß und schweißt das Team zusammen. Interessierten Hoteliers rate ich, sich als erstes die Prozesse in ihrem Betrieb anzuschauen. Viele Abläufe können effizienter und nachhaltiger ohne große Investitionen gestaltet werden. Die Mitarbeiter dabei einzubeziehen, bringt meistens eine schnelle Umsetzung. Ich empfehle auch den Einsatz eines guten Energieberaters, denn die dafür aufzuwendenden Kosten sind schnell durch die vielen möglichen Einsparungen wieder kompensiert.  Viele Hoteliers sind schon nachhaltiger, als sie denken und wir unterstützen sie gerne dabei.

Wie leben Sie in Ihrem Unternehmen Nachhaltigkeit?

Um unsere Glaubwürdigkeit bei Hoteliers und Gästen zu bekräftigen, gehen wir mit gutem Beispiel voran. Dazu haben wir alle uns möglichen Aspekte der Nachhaltigkeit in einer Balanced Score Card zusammengetragen, welche von uns bei der täglichen Arbeit gelebt wird. Wir sind im Büro fast papierlos, PET frei, fahren ein Auto mit Hybrid und Solardach, achten auf unsere Gesundheit mit Smoothydays und gesundem Frühstück und ermöglichen jedem Teammitglied eine ausgezeichnete Work-Life-Balance. Unsere Printprodukte werden klimaneutral gedruckt, den CO2-Ausstoß unserer Website kompensieren wir mit unserem Partner und kommunizieren unseren Nachhaltigkeitsgedanken über alle Kanäle. Außerdem engagieren wir uns für soziale Projekte und vieles mehr. So planen wir im November gemeinsam mit Klimapatenschaften eine Baumpflanzaktion in Hamburg, wo wir gemeinsam mit unseren Hoteliers aktiv im Forst Klövensteen Bäume pflanzen werden, um den Zustand unseres Grund- und Trinkwassers aktiv zu verbessern.

Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?

Wir planen mit unserem GreenSign weltweit zu expandieren. Zuerst wollen wir in Europa das marktführende Nachhaltigkeits-Siegel werden. Das GreenSign 3.0 ist bereits fertig und wird vom GSTC (Global Sustainable Tourism Council) geprüft. Mit einer internationalen Anerkennung können wir wegweisend für die Hotellerie mit unserem Siegel nachhaltige Standards setzen. Wir sind heute bereits in Tunesien, Südafrika und vielen europäischen Ländern vertreten, aber das ist erst der Anfang. Das Umweltbundesamt empfiehlt uns bereits auf seiner Website und bei vielen Reiseveranstaltern sind wir ebenfalls anerkannt. Als nächsten Schritt sehen wir die Firmen, die viel Geschäftsreisen und Tagungsgeschäft in der Hotellerie produzieren. Darüber hinaus werden wir unsere Hotels weiterhin unterstützen, ihr GreenSign Level zu steigern und die Nachhaltigkeit noch mehr in den Fokus der unternehmerischen Ziele zu stellen.

Frau Heinemann, vielen Dank für das Gespräch.


Termin:

Das GreenTourismCamp findet vom 21. bis 23. November 2019 im Schloss Hohenkammer bei München statt. Bei diesem BarCamp für die Touristik, Gastronomie, Hotellerie sowie die MICE Branche findet ein Erfahrungs- und Wissensaustausch zum Thema Nachhaltigkeit statt.

www.greentourismcamp.com

Udo Schwickal / Gastroinfoportal

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