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Er soll Mitarbeiter entlasten und Zeit sparen: Im Interview erklärt Christine Riegert, warum das Best Western Plus Hotel Alpenhof auf Serviceroboter setzt.

Ein Hightech-Kellner für Oberstdorf

Datum: 11.05.2022Quelle: BWH Hotel Group Central Europe | Ort: Oberstdorf

Der Serviceroboter Bellabot von The-Company wird seit April im Rahmen einer mehrmonatigen Testphase im Restaurantbereich des Best Western Plus Hotel Alpenhof in Oberstdorf eingesetzt. Beim Frühstücks- und im Abendservice soll die technische Arbeitskraft den Mitarbeitern schwere Lasten und lange Wege abnehmen.

Christine Riegert über den digitalen Helfer zwischen Küche und Gastraum

Im Interview verrät die Assistenz der Geschäftsführung Christine Riegert (links im Titelbild), was für den Einsatz eines Serviceroboters spricht.

Frau Riegert, warum nutzen Sie Robotik?

Die Mitarbeiterproblematik sowie der Fachkräftemangel in Hotellerie und Gastronomie waren ja schon vor Corona ein großes Thema, wurden durch die Krise verschärft. Trotz langer Lockdownzeit – als Ferienhotel ohne Geschäftsreisekunden mussten wir sieben Monate schließen – haben wir zwar das Glück, dass viele und meist auch langjährige Mitarbeiter weiterhin für uns tätig sind. Allerdings ist die aktuelle Mitarbeiterzahl nicht ausreichend, um zur kommenden Sommersaison gut aufgestellt zu sein. Um unsere Mitarbeiter bei ihren Aufgaben zu unterstützen, setzen wir – wo es möglich ist – den Servierroboter ein.

Was versprechen Sie sich davon?

Wir wollen prüfen, wie das Zusammenspiel zwischen Mensch und Maschine funktioniert, wie gut ein digitaler Helfer unser Personal unterstützt und welche Auswirkungen der Einsatz von Robotik in unserem Tagesgeschäft hat. Aber auch, welche Vor- oder Nachteile es dabei gibt und wie wir mit diesem Baustein das Thema Digitalisierung in unserem Hotel weitertreiben können. All dies immer unter der Prämisse, dass unsere Gäste keinerlei Einbußen bei Aufmerksamkeit oder Wertschätzung verspüren.

Als familiär geführtes Hotel in einer beliebten Urlaubsregion ist das mutig. Gibt es Bedenken beim Thema Robotik vs. Mensch?

Wir sehen uns vielmehr als Vorreiter in unserer Region – bisher wurde kein Serviceroboter in der Oberstdorfer Hotellerie eingesetzt. Natürlich gibt es immer skeptische Stimmen und Vorbehalte, und es erscheint vielleicht seltsam, dass in einem Ferienhotel ein maschineller Mitarbeiter zum Einsatz kommt. Aber ganz ehrlich: Wir müssen gerade in diesen Zeiten auch einfach mutig sein, etwas ausprobieren und eine Entscheidung für den eigenen Betrieb treffen!

Und ja, auch ich selbst und meine Familie haben uns zuvor gefragt, ob eine Maschine eine menschliche Leistung ersetzen kann. Doch genau das wollen wir ja nicht, im Gegenteil: Der Roboter soll unsere Mitarbeiter nicht ersetzen, sondern ihnen im Tagesgeschäft helfen, sie in stetig wiederkehrenden Arbeitsabläufen unterstützen, gezielt Arbeit abnehmen und sie körperlich entlasten, etwa beim vielen Laufen und schweren Tragen. Das Zusammenspiel bringt zusätzlich Zeitersparnis für unser Servicepersonal, das in unserem Restaurantbereich lange Laufwege bewältigen muss. Genau diese Zeit soll wiedergewonnen und genutzt werden für den wichtigen, persönlichen Service gegenüber unseren Gästen – also für das leidenschaftliche Gastgebersein.

Was sagen Ihre Gäste zum Restaurant-Roboter?

Das Feedback zu unserem Serviceroboter ist bisher durchweg interessiert und positiv! Die Gäste sehen im Serviceablauf selbst, wie gut das Zusammenspiel funktioniert, das Personal unterstützt wird und der persönliche, menschliche Faktor jederzeit gewährleistet bleibt. Es ist wichtig, mit den Gästen offen zu kommunizieren und die Hintergründe unserer Entscheidung zum Einsatz von Robotik zu erklären. Wir machen klar, dass auch wir als klassisches Ferienhotel in einer gefragten Urlaubsregion vom Mitarbeiter- und Fachkräftemangel betroffen sind. Das schafft Verständnis für unseren Ansatz und die Entscheidung für die technologische Hilfe.

Sind Sie mit dem Roboter im Arbeitsalltag schon an Grenzen gestoßen?

Der Roboter wird bei uns bisher zur Frühstückszeit und im Abendservice im Restaurant eingesetzt. Beim Frühstück geht es besonders ums Abräumen – der Roboter hat vier Tabletts mit einer Traglast von jeweils bis zu zehn Kilogramm, damit kann also ordentlich weggeschafft werden. Der Transport von Speisen und Getränken funktioniert gut, der Roboter fährt ruhig, reagiert schnell bei Hindernissen und alles kommt sicher an der Servicestation im Restaurant oder in der Küche an. Eine Herausforderung gibt es allerdings bei Suppen: Denn auch wenn der Roboter gleichmäßig fährt, schwappt doch schon mal etwas über. Daher überlassen wir die Suppen weiterhin den geübten Händen unserer Servicekräfte.

Wie klappt es mit der Bedienbarkeit und technischen Unterstützung?

Über die Progros Einkaufsgesellschaft haben wir die Empfehlung für den Serviceroboter Bellabot bekommen. Bei der Einrichtung des digitalen Helfers für unsere Testphase haben die Techniker von The-Company unsere Räumlichkeiten, also den gesamten Restaurantbereich, vermessen und den Roboter entsprechend kalibriert. Wir haben gemeinsam Stationen und Abholpunkte definiert und auch detaillierte Fragen geklärt wie: „An welcher Seite des Roboters muss ich stehen, um Teller abzunehmen oder aufzulegen“. Wenn einmal alles eingerichtet ist, ist die weitere Bedienung unkompliziert. Der Roboter läuft mindestens acht Stunden und kann in Ruhezeiten oder über Nacht einfach aufgeladen werden.

Wie lautet Ihr erstes Fazit zum Serviceroboter?

Sowohl ich als auch meine Familie und unsere Mitarbeiter sind nach den ersten Testwochen überzeugt, dass der Serviceroboter eine wirklich gute Hilfe und Entlastung in bestimmten Arbeitsbereichen und -abläufen ist. Wir sind gespannt auf den ansteigenden Restaurantbetrieb im Mai und Juni, um zu prüfen, wie die Roboter-Unterstützung auch bei voller Auslastung funktioniert.

 

Servicepersonal der Zukunft?

Was ein Serviceroboter kostet und wie er sich programmieren lässt, erklärt Thomas Holenstein von Progastro in unserem Beitrag Servicepersonal der Zukunft.

Redaktion GastroInfoPortal

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