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Den Fußabdruck schmälern

Datum: 01.08.2019Quelle: Hotel Gut Brandlhof | Ort: Saalfelden

Ob Heizung, Licht oder Lüftung – Hotels verbrauchen jede Menge Energie. Hoteldirektor Thomas Baliamis vom Hotel Gut Brandlhof spricht im Interview über nachhaltiges Handeln, ganzheitliche Spar-Konzepte und gesellschaftliche Verantwortung. Thomas Baliamis war unter anderem im Management großer Hotels in Zürich, Stuttgart, Salzburg und Wien tätig, bevor er 2016 zum Gut Brandlhof wechselte. Der gebürtige Grieche ist diplomierter Sportlehrer und leidenschaftlicher Fußballer.


Thomas Baliamis
Thomas Baliamis

Herr Bliamis, mit 3000 m2 großem Spa-Bereich, einem Fahrtechnikzentrum sowie diversen Räumlichkeiten gehört Gut Brandlhof nicht unbedingt zu den kleineren Hotels. Wie lassen sich diese Größe und der dadurch entstehende energetische Mehraufwand mit Umweltschutz vereinbaren?
Grundsätzlich geht es bei Tourismus immer um den Spagat zwischen dem Ausstoß von CO2-Emissionen und wirtschaftlichem Nutzen. Wir Hoteliers müssen gesellschaftliche Verantwortung übernehmen, unsere Unternehmensstrukturen nachhaltig ausrichten und die Belastungen für die Umwelt minimieren. Nachhaltiger Tourismus ist nicht mehr nur eine Option, sondern Notwendigkeit. Im Gut Brandlhof haben wir deshalb ein umfassendes Nachhaltigkeitskonzept implementiert. Wir sehen uns in der Pflicht, uns für einen bewussten und schonenden Umgang mit natürlichen Ressourcen einzusetzen und gleichzeitig unsere Gäste, Mitarbeiter und die Hotelbranche für das Thema zu sensibilisieren.

Viele Hotels ergreifen punktuelle Maßnahmen und nutzen diese dann als Aushängeschild für ein vermeintlich nachhaltiges Gesamtkonzept, während die eigentlichen umweltbelastenden Abläufe aufrechterhalten werden. Wieso ist das auf Gut Brandlhof anders?
Der Begriff Nachhaltigkeit darf keine leere Worthülse bleiben. Als Betrieb, der in der unmittelbaren Natur gelegen ist, ist es für uns am Brandlhof umso wichtiger diese zu schützen. Deshalb haben wir ein umfangreiches Konzept entwickelt und implementiert, das vor allem in den vier Bereichen Energie, Einkauf, Abfall und Wasser zum Tragen kommt. Damit bei allen Maßnahmen der rote Faden gehalten wird, haben wir einen Mitarbeiter als „Green-Beauftragten“ ernannt.

DSC_0272Wird Nachhaltigkeit und Umweltschutz im Brandlhof aus rein ideellen Gründen betrieben oder lohnt sich diese Marschroute auch finanziell?
Mit unserem Nachhaltigkeitskonzept übernehmen wir nicht nur gesellschaftliche Verantwortung und mindern die CO2-Emissionen, sondern achten gleichzeitig auf Optimierungspotenziale im Verbrauch und machen uns unabhängig von Preisschwankungen auf dem Energiemarkt. Wir sind davon überzeugt, dass sich nachhaltig wirtschaften nicht nur im ökologischen Sinn, sondern auch im ökonomisch rentiert.

Was würden Sie Hoteliers raten, die ihr Hotel auch auf die nachhaltige Schiene bringen wollen?
Am Anfang ist es wichtig, im Hotel ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass man gesellschaftliche Verantwortung übernehmen sollte. Nur so kann im weiteren Verlauf eine Strategie entworfen werden, die darauf abzielt zu hinterfragen, wo das Hotel hinwill. Dazu kann man sich ggf. einen Partner wie ein Energieberatungsunternehmen dazu holen. Erst dann sollte es an die Maßnahmenplanung gehen, die sukzessive umgesetzt wird.

Auf dem Brandlhof betreiben Sie eine Photovoltaikanlage. Lohnt sich eine solche Anlage in Ihren Augen?
Theoretisch können durch Photovoltaik-Anlagen mehr als zehn Prozent des gesamten Jahresstromverbrauches eines Hotels leicht abgedeckt werden. Produziert man seinen Strom selbst, bezieht man nicht nur umweltfreundliche Energie und reduziert CO2. Man ist unabhängig von Preissteigerungen auf dem Energiemarkt und kann so seine Energiekosten nachhaltig reduzieren – vor allem, da man bei den heutigen Solaranlagen mit einer Nutzungsdauer von über 20 Jahren ausgehen kann.

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Wie sehen sie die Entwicklung von erneuerbaren Energien und nachhaltigen Konzepten im Hotelbereich?
Um die Ziele der Mission 2030 und des Pariser Klimaabkommens einzuhalten, besteht erheblicher Handlungsbedarf. Ein Gelingen der Emissionsminderungen hängt ganz wesentlich von dem freiwilligen und konsequenten Handeln der Wirtschaft in den Industrieländern ab. Das bezieht sich nicht nur auf die Hotellerie, sondern auf die Politik und die Wirtschaft im Allgemeinen.
Was nachhaltige Konzepte im Hotelbereich angeht stehen wir noch ganz am Anfang. Mit dem Nachhaltigkeitskonzept beim Brandlhof möchten wir zeigen, dass es gar nicht so schwer ist, umweltfreundlich und gleichzeitig ökonomisch zu wirtschaften.
Vielen Dank für das Gespräch!

Benjamin Lemm / Gastroinfoportal

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