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Innovation als Reaktion auf den Klimawandel: Bordeaux lässt sechs neue Rebsorten zu, um den Stil der Weine trotz Klimaveränderungen zu gewährleisten.

Bordeaux lässt neue Rebsorten zu

Datum: 10.05.2021Quelle: Verband der Bordeauxweine | Bild: Unsplash | Ort: Bordeaux (FRA)

Umfangreiche weinbauliche Innovationen sind Bordeaux’ Antwort auf den Klimawandel. Um den Stil der Weine trotz Klimaveränderungen wie steigende Temperaturen, länger andauernde Hitzewellen und kürzere Reifezyklen zu gewährleisten, wurden nun insgesamt sechs neue rote und weiße Rebsorten zugelassen. Die französische Weinregion ist damit eine der führenden im Umgang mit den Herausforderungen des Klimawandels.

Anbaumethoden und -techniken

Schon seit einigen Jahren wenden die Winzer in Bordeaux verschiedene önologische und landwirtschaftliche Praktiken an, um sich an den Klimawandel anzupassen. Dazu gehören Maßnahmen wie

  • ein verzögerter Rebschnitt und die Erhöhung der Stammhöhe der Reben, um die Blattfläche zu reduzieren
  • Begrenzung des Ausdünnens der Blätter, um die Trauben vor der Sonne zu schützen
  • Anpassung der Parzellenstandorte, um Wasserstress zu minimieren
  • eine nächtliche Ernte bei kühleren Temperaturen
  • Verringerung der Pflanzendichte

Nun dürfen die Winzer auch neue Rebsorten anbauen, um den Verbrauchern weiterhin aromatische, ausgewogene Qualitätsweine anbieten zu können. Das Institut National de l’Origine et de la Qualité (INAO) als Teil des französischen Landwirtschaftsministeriums hat die Verwendung von vier neuen roten und zwei neuen weißen Rebsorten in der Region Bordeaux genehmigt.

Dies ist der Höhepunkt von mehr als zehn Jahren Forschung von Weinwissenschaftlern und Winzern aus Bordeaux. Ziel war es, das Verhalten unterschiedlicher Rebsorten unter den in Bordeaux herrschenden Bedingungen zu erforschen. Untersucht wurden 52 Sorten, zugelassen letztendlich nur sechs. Bei den Rotweinen handelt es sich um Arinarnoa, Castets, Marselan und Touriga Nacional. Die neuen weißen Rebsorten sind Alvarinho und Liliorila.

In diesem Frühjahr beginnen die ersten Winzer damit, die neuen Reben anzupflanzen. Gemäß den überarbeiteten AOC Richtlinien (AOC Bordeaux und AOC Bordeaux Supérieur) wurden die sechs zusätzlichen Bordeaux-Rebsorten als „neue Sorten von Interesse für die Anpassung an den Klimawandel“ bezeichnet. Es dürfen nur fünf Prozent der bestockten Rebfläche mit den neuen Rebsorten bepflanzt werden, in der finalen Cuvée dürfen nicht mehr als zehn Prozent vorhanden sein. Daher werden die neuen Rebsorten auch nicht auf den Bordeaux-Etiketten erscheinen. Bis die Weine auf den Markt kommen, wird es allerdings noch einige Jahre dauern.

Stil der Bordeauxweine soll erhalten bleiben

Den Winzern in Bordeaux steht nun eine erweiterte Palette an Rebsorten mit unterschiedlichen Wachstumszyklen und Reifezeiten zur Verfügung. Bisher waren laut AOC Richtlinien die Rotweinsorten Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Merlot, Malbec, Carménère und Petit Verdot sowie die Weißweinsorten Sémillon, Sauvignon Blanc, Sauvignon Gris, Muscadelle, Colombard, Ugni Blanc, Merlot Blanc und Mauzac erlaubt. „Ziel der Einführung der neuen Rebsorten ist es, den Stil der Bordeauxweine, d. h. ihre Frische, Eleganz und Ausgewogenheit so weit wie möglich zu erhalten“, erklärt Bernard Farges, Präsident des Verbands der Bordeauxweine (CIVB). „Wenn Bordeaux angesichts des Klimawandels nicht handelt, werden wir die Kontrolle über das aromatische Profil unserer Weine verlieren. Mit der Einführung der neuen Rebsorten können wir Klimaveränderungen antizipieren und den Wandel – auch langfristig – so gut wie möglich begleiten.“

Der Anbau der neuen Rebsorten ist ein Experiment, das auf zehn Jahre angelegt ist und anschließend ausgewertet werden soll. Dazu werden jedes Jahr Cuvées, die die neuen Rebsorten beinhalten, verkostet und bewertet.

Was können die neuen Rebsorten?

Arinarnoa

Arinarnoa wurde 1956 vom Französischen Nationalen Institut für landwirtschaftliche Forschung (INRA) gezüchtet und ist das Ergebnis einer Kreuzung zwischen Tannat und Cabernet Sauvignon. Die Rebsorte ist resistent gegen Graufäule. Sie passt sich gut an Klimaveränderungen an und zeichnet sich durch niedrige Zuckerwerte und einen guten Säuregehalt aus. Die Weine sind gut strukturiert, farbintensiv und tanninhaltig mit komplexen, anhaltenden Aromen.

Castets

Castets stammt ursprünglich aus Südwestfrankreich. Diese historische, lange vergessene Bordeaux-Rebsorte ist weniger anfällig für Graufäule und Mehltau und deshalb unter den neuen Bedingungen besonders interessant. Sie ist äußerst farbintensiv und hat ein sehr gutes Reifungspotenzial.

Marselan

Auch Marselan ist eine Kreuzung, die 1961 vom Forschungsinstitut INRA aus Cabernet Sauvignon und Grenache gekreuzt wurde. Sie reift spät, ist daher recht beständig gegen Frühlingsfrost und somit gut an den Klimawandel angepasst. Ein weiterer Vorteil ist die geringe Anfälligkeit für Graufäule, Mehltau und Milben. Darüber hinaus sind die Weine von hoher Qualität, farbintensiv mit einem unverwechselbaren Aroma und einem sehr guten Alterungspotenzial.

Touriga Nacional

Touriga Nacional stammt ursprünglich aus Portugal und ist eine sehr spät reifende Sorte, die eine spätere Lese ermöglicht. Sie ist daher wenig anfällig für Frühlingsfrost und viele Pilzkrankheiten. Die Weine sind von ausgezeichneter Qualität, komplex, aromatisch, körperreich, strukturiert, farbintensiv und von enormem Reifepotenzial.

Alvarinho

Alvarinho ist eigentlich die weiße Rebsorte in Portugal. In Bordeaux soll sie genutzt werden, um den normalerweise durch Hitze verursachten Geschmacksverlust auszugleichen. Alvarinho ist sehr anpassungsfähig und wenig anfällig für Graufäule. Sie hat einen relativ geringen Zuckeranteil, ist sehr aromatisch und verleiht den Weinen Ausdrucksstärke und eine gute Säure.

Liliorila

Liliorila kann ebenso wie Alvarinho verwendet werden, um den Geschmacksverlust auszugleichen, der normalerweise durch heißes Wetter verursacht wird. Die Kreuzung aus Barock und Chardonnay ist weniger anfällig für Graufäule. Die Weine sind blumig, kraftvoll und aromatisch.

Redaktion TRINKtime

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