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The Fontenay

Blick ins The Fontenay

Datum: 26.02.2018Quelle: Inhalt & Foto: The Fontenay | Ort: Hamburg

Lang hat es gedauert, bis das The Fontenay den Vorhang lüftet. Ein Interview mit Interior Designer Christian Meinert, Aukett + Heese, gibt einen ersten Einblick. Mehr lesen Sie in der Aprilausgabe der first class.

Was war die besondere Herausforderung der Architektur des The Fontenay für das Interior Design?

In diesem Gebäude steht keine Wand zu einer anderen parallel, die Trennwände in den Zimmern laufen strahlförmig von innen nach außen, die Fassadenwand ist entweder konkav oder konvex.  Das bedeutet, man kann Pläne nicht einfach spiegeln, sondern es gibt sechs Hauptmittelpunkte, um alle Radien zu vermessen. Zum Beispiel ist jede Natursteinplatte in den Bädern einzeln geplant und geschnitten.
Die besondere Geometrie öffnet den Raum, macht ihn schöner und lässt ihn weiter erscheinen. Trotzdem kann man rechtwinklige Möbel nicht an halbrunde Wände stellen. So stand z. B. der Fernseher lange im Konflikt mit der Raumgeometrie. Wir mussten uns eine individuelle Konstruktion einfallen lassen, um von zentralen Punkten im Zimmer fernsehen zu können. Und wir sind stolz auf das Ergebnis. Zumal der Fernseher nicht Mittelpunkt des Raumes ist wie in vielen Hotelzimmern.

The Fontenay außenIhre erste Reaktion als Sie den Auftrag für dieses Hotelprojekt erhielten?

Das Gebäude war schon auf dem Papier wahnsinnig imposant. Das Emotionale der Architektur ist fühlbar, alles fügt sich harmonisch ineinander, es muss nichts erklärt werden. Die durchdachte Vielfältigkeit – zwei Restaurants, das Spa mit Pool und die Bar auf dem Dach, die großzügigen Terrassenflächen – ist für ein Stadthotel aus verschiedensten Gründen nicht immer umsetzbar. Ich habe mich sofort ausgezeichnet mit dem Architekten Jan Störmer verstanden und es war klar, dass das Interior Design die organische Form auch im Inneren reflektieren muss. So findet sich auch überall der Kreis wieder und es gibt wunderschöne Kombinationen aus verschiedenen Materialien – Terrazzo, die Variationen im Parkett, der weiße und grüne Onyx. Alles steht im Dialog mit dem Gebäude und sorgt für Lebendigkeit.

Viele der Möbel im gesamten Hotel sind Sonderanfertigungen exklusiv für das The Fontenay. Welches ist Ihr persönliches Lieblingsstück?

Der Anspruch dieses einzigartigen Gebäudes macht es zwingend notwendig, dass auch die Möbel individuell entworfen und angefertigt wurden. In diesem Haus ist nichts „von der Stange“. Bis auf die Stühle in den Zimmern, ein Designklassiker von Eero Saarinen von Knoll International, wurden fast alle Möbelstücke speziell angefertigt.
In den Suiten wird das Mobiliar von führenden italienischen Herstellern wie B&B Italia, Flexform oder Moroso ergänzt. Mein Favorit ist das Sofa in den Gästezimmern. Es ist nicht wie heute oft üblich zu „loungig“, so dass man darin versinkt, sondern hoch und fest aber trotzdem unheimlich bequem.

Die Zimmer und Suiten mit ihren trapezförmigen Grundrissen sind ja mit Parkettfußboden ausgestattet, aber wie haben Sie das mit dem Teppich für die halbrunden Gänge gelöst?

Maschinen produzieren grundsätzlich nur rechteckig, sprich wir hätten alles im Patchwork-Verfahren zusammensetzen müssen und dadurch einen enorm hohen, fast 70%igen Verschnitt gehabt. Stattdessen haben wir mit House of Tai Ping in Hong Kong zusammengearbeitet. Diese Firma stellt mit Handmaschinen individuelle, handgetuftete Kleinserien basierend auf den Grundrissplänen her. Nur so ist die Geometrie im Teppich lesbar. Pro Etage werden sechs Teppichteile geliefert und dann direkt in die Rundungen der Flure ausgerollt.

The FontenayWas macht die Lobby Ihrer Meinung nach zu einem besonderen Ort?

Willkommenskultur und wie man einen Gast empfängt, ist bei uns immer ein großes Thema. Im The Fontenay gibt es keinen klassischen Rezeptionstresen, der den Mitarbeiter vom Gast trennt. Hier setzt man sich gemeinsam „an einen Tisch“, was wesentlich schöner und individueller ist, als sich gegenüber zu stehen. Das reflektiert zudem die offene Architektur, man hat direkten Sichtkontakt zu den Mitarbeitern sobald man das Hotel betritt.

Wie findet man das „richtige“ Türkis?

Die Grundierung der Zimmer, das gebleichte Holz der Schränke, der Parkettfußboden in hellen Farben brauchen lebendige Akzente, die jedoch nicht im Vordergrund stehen oder polarisieren sollen. Die Farbtöne orientieren sich an der umgebenden Natur, viel Grün, helles und dunkles Blau. Für Menschen ist Türkis in der Wahrnehmung entweder mehr Blau oder Grün. Unser Türkis des Bettboards ist aufgrund des Velourmaterials variabel und erscheint je nach Strichrichtung anders und vereint daher die unterschiedlichen Vorstellungen von Türkis.

Sie haben bisher in jedem Ihrer Projekte wie Hitchcock Ihren ganz persönlichen „Cameo-Moment“ eingebaut – was haben Sie sich für das The Fontenay ausgedacht?

Ich bin absolut technikbegeistert und wenn sich das mit Innenarchitektur verbinden lässt, schlägt meine Stunde. Die Spiegelwand im Veranstaltungsfoyer besteht aus 30 jeweils 3 Meter hohen Spiegelelementen, die das Licht und das Grün des Innenhofs reflektieren. An jedem ist ein individuell ansteuerbarer Schrittmotor angebracht, der dafür sorgt, dass sich die einzelnen Einstellungen nach einer designten Animation immer wieder verändern
und es so immer neue Raumeindrücke gibt.

Hintergrund

Aukett + Heese ist ein Architekturbüro mit Sitz in Berlin, das sich auf komplexe und anspruchsvolle Gebäudeplanungen für die Bereiche Einzelhandel, Büro- sowie Wohnungsbau & Hotel spezialisiert hat. Großer Wert wird auf eine sehr hohe qualitative Betreuung der Entwurfsvorgaben in der Ausführungsplanung gelegt. Aukett + Heese beschäftigt ca. 150 Mitarbeiter bundesweit und arbeitet im Verbund mit der Aukett Swanke Group. Christian Meinert, zuständiger Projektleiter, ist seit 25 Jahren im Unternehmen und hat Aukett + Heese mit aufgebaut. Das The Fontenay Hamburg hat er ab der Entwurfsphase (LP 3) übernommen.

Sie möchten noch mehr über The Fontenay erfahren? In Ausgabe 04/2017 der first class sprachen wir mit Thies Sponholz und Architekt Jan Störmer über die Entstehung des Hotels. Und in Ausgabe 10/2017 mit Thies Sponholz über die bauliche Verzögerung.

Julia Schreiter / Gastroinfoportal

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