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Bayerns Gastronomen und Hoteliers demonstrieren

Datum: 25.04.2018Quelle: udo / Redaktion first class, Dehoga Bayern | Ort: München

Der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) hat ein Zeichen der Geschlossenheit und Stärke gesetzt. Mit rund 3.000 Gastgebern marschierte der Verband mit Präsidentin Angela Inselkammer und Geschäftsführer Dr. Thomas Geppert an der Spitze durch die Münchner Innenstadt. Ziel war das Hippodrome-Bierzelt auf der Theresienwiese, wo mit dem neuen Bayerischen Ministerpräsidenten, Dr. Markus Söder, ein prominenter Zuhörer für Unterstützung sorgen sollte.

Wirte und Hoteliers aus ganz Bayern demonstrierten in München für den Erhalt kleiner und traditioneller Gasthäuser.

Thomas Geppert erinnerte den Ministerpräsidenten an sein Versprechen, den ländlichen Raum stärken zu wollen: “Sie haben betont, dass der bayerische Tourismus und die Gastronomie ein ganz wichtiger Wirtschaftszweig sind und deshalb eine Tourismusoffensive geplant wird. Durch die sollen insbesondere kleine Hotels, Pensionen und Heimatwirtschaften gefördert werden.” Dabei gehe es dem Verband besonders um den Erhalt der bayerischen Wirtshauskultur, um dessen Tradition uns viele im In- und Ausland beneideten, sagte Thomas Geppert.

Seine Kollegin Angela Inselkammer erklärte selbstbewusst, dass es ohne die bayerischen Hoteliers und Wirte keine 31 Mrd. € Umsatz im Tourismus gäbe. Sie forderte daher von Markus Söder, sich für eine Beibehaltung des Mehrwertsteuersatzes in Höhe von 7 % einzusetzen. Trotz des starken Wachstums in der Gastronomie und hier vor allem in der Systemgastronomie, die mittlerweile ein Drittel aller getätigten Umsätze abdeckt, warnte sie vor einem weiteren Wirtshaussterben auf dem Land, “die das Gesicht Bayerns ausmachen”. Der wirtschaftliche Aufschwung sollte daher nicht allein den großen internationalen Hotelketten oder weltweit agierenden Systemgastronomen zukommen. Um ihrer Forderung nach besseren Rahmenbedingungen durch die Politik Gewicht zu verleihen bemühte die Präsidentin des Dehoga Bayern die Statistik: So arbeiteten aktuell in 40.000 bayerischen Betrieben über 400.000 Erwerbstätige. Zudem bildet die Branche insgesamt 10.000 Lehrlinge, also jeden zehnten Lehrling in Bayern aus.

 

Zuschauer Hippodrome
Die Zuschauer im vollbesetzen Hippodrome applaudierten begeistert zu den Forderungen der Dehoga Bayern.

Die Hauptforderungen des Dehoga Bayern:

  • Weniger Regulierung und Verordnung

Besonders kleine Betriebe leiden unter einer Überregulierung. Die Aufwendungen werden immer höher und die Erträge immer weniger.

  • Arbeitszeitgesetz und „Arbeit auf Abruf“

Man will nicht mehr, als die EU vorschlägt, aber auch nicht weniger und fordert daher ein flexibleres Arbeitszeitgesetz. Die Pläne der Bundesregierung zum Thema „Arbeit auf Abruf“ sind praxisfern und führen dazu, dass z.B. Biergärten nicht mehr zu bewirtschaften sind und viele Menschen die Möglichkeit verlieren, sich etwas dazuzuverdienen.

  • Arbeitskräfte fördern

Die Bezahlung der Fachkräfte erfolgt meistens bereits weit über Tarif. Hier wäre es wichtig, steuerfreie Sachwertbezüge für Kost und Logis – zumindest für die Auszubildenden – einzuführen. Zugleich sollte der Staat den Bau von Mitarbeiterwohnungen fördern, wie das vor 40 Jahren schon ein Erfolgsmodell war.

  • Reduzierter Mehrwertsteuersatz für Essen

Essen ist ein Grundbedürfnis. Es soll daher ebenfalls wie gewerblich gehandelte Kunstgegenstände, E-Books und E-Papers, vom geplanten Mehrwertsteuersatz von 7 % profitieren. Schließlich habe sich der Steuersatz in der Hotellerie für den Staat bewährt: Investitionen in mehr Qualität und in höhere Löhne wurden damit ausgelöst.

  • Kleinunternehmerregelung

Bereits heute bieten Vereine, soziale und ehrenamtliche Veranstaltungen aber auch Airbnb gastgewerbliche Leistungen zu vereinfachten Vorschriften an. Für kleine Unternehmen im Gastgewerbe sollen die gleichen gesetzlichen Vorgaben gelten wie für diese und sie somit wieder wettbewerbsfähig machen.

 

Markus Söder
Ministerpräsident Markus Söder versicherte den Wirten und Hoteliers seine Unterstützung und  kündigte ein Förderprogramm für kleine Betriebe an.

30 Mio. € Förderung geplant

Bei Markus Söder und seinem neuen Wirtschafts- und Tourismusminister Franz Pschierer stieß der Dehoga Bayern auf viel Zustimmung. “Wir kämpfen an ihrer Seite, um Bürokratie abzubauen. Wir dürfen Leistungsträger nicht bestrafen und Eigentum verteufeln, beides muss sich lohnen und in Bayern möglich sein”, erklärte der Ministerpräsident in seiner Rede im vollbesetzen Hippodrome-Bierzelt.

Angela Inselkammer lobte im Gegenzug ausdrücklich die Schaffung einer eigenen Tourismusabteilung im Wirtschaftsministerium. Markus Söder kündigte auch im Blick auf das erfolgreiche Gastgewerbe in Österreich ein umfangreiches Programm zum Bürokratieabbau und für neue Investitionen an und versprach: “Wir fangen in diesem Jahr mit 30 Mio.€ an.” Kleine Gaststätten und Hotels sollen eine direkte Förderung bekommen, die Dorferneuerung als Teil der Kultur behandelt werden. “Der ländliche Raum muss Lebens- und Arbeitsraum bleiben, auch für die Zukunft der jungen Generation”, versprach der Ministerpräsident und erntete einen tosenden Applaus.

 

Udo Schwickal

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