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Vom 7. bis 11. Juni 2021 gab es in Köln das erste zeitweise Plant-based-Restaurant von Burger King.

Plant-based bei Burger King: #spürbargrün

Datum: 30.06.2021Quelle: Burger King Deutschland | Ort: Berlin, Köln

Vom 7. bis 11. Juni 2021 gab es in Köln das erste zeitweise Plant-based-Restaurant von Burger King. Dabei konnten Gäste ausschließlich pflanzenbasierten Pattys und Nuggets in Kooperation mit The Vegetarian ButcherTM probieren.

Wir sprachen mit Klaus Schmäing, Director Marketing bei Burger King Deutschland, über den Erfolg des Pop-up-Restaurants, Greenwashing und die Zukunft von Plant-based-Produkten.

Klaus Schmäing im Gespräch

Herr Schmäing, wir gratulieren! Eine sehr beeindruckende Werbemaßnahme, ein pflanzenbasiertes Burger King-Pop-up-Restaurant zu eröffnen. Sie haben viel Aufmerksamkeit bekommen. Was genau haben Sie beabsichtigt?

Vielen Dank für die Glückwünsche! Unser Ziel mit dem Plant-based-Restaurant in Köln war es, gemeinsam mit The Vegetarian Butcher auf unser wachsendes Plant-based-Sortiment aufmerksam zu machen und Menschen anzuregen, unsere fleischfreien Alternativen auszuprobieren. Dazu haben wir deutschlandweit auch den Plant-based-Whopper® und die Plant-based-Nuggets als Coupons gratis angeboten.

Die meisten Mitbewerber setzen darauf, die Fleischesser mitzunehmen. Ihr Konzept scheint eher auf sich vegan ernährende Menschen ausgerichtet zu sein. Wen möchte das pflanzenbasierte Burger King Restaurant erreichen?

Mit den Plant-based-Produkten wollen wir besonders die Zielgruppe der vielen Flexitarier in Deutschland ansprechen und ihnen leckere fleischfreie Alternativen bieten. Dabei stellen wir auch das Motto des Pop-up-Restaurants in den Mittelpunkt: „100 % Geschmack. 0 % Fleisch.“ Uns ist es wichtig, dass wir allen, die gerne hin und wieder auf Fleisch verzichten möchten, zeigen, dass das ohne geschmackliche Kompromisse funktionieren kann. Denn wenn diese enorm große Gruppe weniger Fleisch isst, hat das insgesamt auch einen riesigen Einfluss.

Dabei möchte ich betonen, dass wir niemanden „bekehren“ wollen. Stattdessen arbeiten wir daran, allen Geschmäckern Angebote zu machen. Daher freuen wir uns natürlich über alle Vegetarier und Veganer, die unsere Restaurants besuchen. Nach unserem Motto „Mach dein King“ ist uns wichtig, dass sich unsere Gäste ganz nach ihrem eigenen Geschmack entscheiden können. Deshalb entwickeln wir unser Produktsortiment kontinuierlich weiter und versuchen auch, auf spezielle Bedürfnisse einzugehen. Neben der Produktentwicklung verbessern wir auch die operativen Abläufe, denn im Endeffekt wollen wir bei Burger King alle zusammenbringen und der Ort sein, wo Fleischliebhaber, Flexitarier und Vegetarier gemeinsam am Tisch sitzen und leckere Burger und Co. essen können.

Aus der Sicht von pflanzenbasiert essenden Menschen ist es zwar klasse, ein pflanzenbasiertes Burger King-Restaurant zu haben, noch praktischer wäre es, wenn es in allen Restaurants eine – auf die Zielgruppe zugeschnittene – pflanzenbasierte Menülinie gäbe. Das bedeutet eine komplette Versorgung von Vorspeise bis Nachtisch und Kaffee mit pflanzenbasierter Milch. Haben Sie Pläne in diese Richtung?

Wir bauen unser Sortiment kontinuierlich aus und arbeiten an der Entwicklung neuer Plant-based-Produktinnovationen. Daher möchte ich nicht ausschließen, dass es von Vor- bis Nachspeise pflanzenbasierte Angebote geben wird. Wichtig ist jedoch, dass diese sich in den Restaurants einwandfrei umsetzen lassen. Denn nur so können wir die entsprechenden Standards einhalten. Die operativen Beschränkungen müssen dementsprechend in dem Prozess der Produktentwicklung mitberücksichtigt werden.

Klaus Schmäing, Director Marketing bei Burger King Deutschland, im Gespräch.
Klaus Schmäing, Director Marketing bei Burger King Deutschland, im Gespräch.

Köln war ein Pop-up-Restaurant für eine Woche. Wann kommt ein pflanzenbasiertes Burger King Restaurant, das bleibt?

Aktuell liegt unser Schwerpunkt darin, unsere Plant-based-Produkte im Gesamtsortiment auszubauen, also in die Restaurants deutschlandweit zu bringen. Wir können uns durchaus vorstellen, eine ähnliche Aktion wie in Köln noch einmal umzusetzen, um noch mehr Gäste auf unser Plant-based-Sortiment aufmerksam zu machen. Allerdings ist ein dauerhaftes Restaurant mit rein pflanzenbasiertem Sortiment aktuell nicht geplant, da wir – wie erwähnt – ein Treffpunkt für alle Geschmäcker sein wollen. Das hat Vor- und Nachteile, aber wir sind sicher, dass wir durch das Pop-up-Restaurant in Köln viel lernen können, um gerade auch für Menschen, die auf Fleisch und tierische Produkte verzichten, noch mehr Angebote zu schaffen.

In Israel drängen gleich mehrere Start-ups mit Laborfleisch Richtung Markt, in Taiwan gibt es im Bereich Chicken bemerkenswerte Fortschritte, Korea stellte kürzlich einen ersten kultivierten Fleischprototyp vor. Dem Segment wird die baldige Disruption des Fleischmarktes zugeschrieben. Wann gibt es den ersten Burger-King-Burger mit Clean Meat?

Wir beobachten den Markt genau und schauen welche Entwicklungen es zu Proteinalternativen gibt: Ob Pflanzenbasiert, zelluläre Landwirtschaft oder auch Speiseinsekten – es ist spannend zu sehen, was sich hier in den letzten Jahren getan hat. Inspiration bieten uns diese Entwicklungen, von denen es sicher auch in anderen Bereichen geben wird, allemal. Bis diese Entwicklungen aber massentauglich sind und von unseren Gästen auch angenommen werden, wird es noch eine Weile dauern. Wir befinden uns noch am Anfang eine Reise, die noch eine Weile andauern und bestimmt auch das ein oder andere Abenteuer bereithalten wird. Darum bin ich stolz darauf, dass wir bereits jetzt mit unserem Plant-based-Angebot starke, schmackhafte Fleischalternativen zu einem bezahlbaren Preis anbieten.

Seit März gibt es die ISO 23662 für vegane und vegetarische Lebensmittel. Haben Sie die in Ihre Strategie berücksichtigt? Im Fast-Food-Bereich hat es in der Vergangenheit bei mehreren Ketten erhebliche Probleme bei pflanzenbasierten Produkten gegeben. So musste ein Mitbewerber zweistellige Millionenbeträge für Pommes frites bezahlen, die in nicht pflanzenbasierten Fetten frittiert wurden. Es gab Probleme mit Fleischrückständen auf veganen Patties, weil sie auf gleichen Bratflächen zubereitet wurden. Und schließlich war die Tierrechtsszene sehr empört, als für einen neuen pflanzenbasierten Burger mit Häm-Farbstoff als Novel-Food Tierversuche durchgeführt wurden. Bei der rein veganen Filiale kann es keine Kreuzkontamination geben. Was machen Sie bei den übrigen Filialen, um dies zu vermeiden?

Uns ist es wichtig, transparent unseren Gästen gegenüber zu kommunizieren. Daher weisen wir auch immer auf mögliche Kreuzkontaminationen hin. So bereiten wir die Plant-based-Pattys auf denselben Broilern zu wie unsere Beef-Pattys, weshalb wir eine Kreuzkontamination im momentanen Restaurant-Ablauf nicht ausschließen können. Die Plant-based-Aktion in Köln hat uns gezeigt, was möglich ist und wir nehmen einige gute Erfahrungen mit, die wir in Zukunft umsetzen möchten. Auch für uns ist dies ein kontinuierlicher Lernprozess: Ein Beispiel ist die Zubereitung unserer Plant-based-Nuggets, die wir nach Feedback aus der Community in die Pommes Fritteuse verlegt haben, um eine Kreuzkontamination durch frittierte Fleischprodukte zu vermeiden. Dies ist ein wichtiges Thema für unsere veganen und vegetarischen Gäste, allerdings eher weniger von Bedeutung für unsere hauptsächliche Zielgruppe der Flexitarier.

Zertifizierungen sind ebenfalls ein spannendes Thema für uns, das wir stetig beobachten. Allerdings berücksichtigen wir auch, dass die Richtlinien in jedem der rund 750 Restaurants in Deutschland eingehalten werden müssen. Das ist auch, denke ich, ein ganz entscheidender Punkt, zu dem ich mich auch mit einigen Gästen in Köln ausgetauscht habe: Als Systemgastronomen ist es durchaus komplexer, systemweite Veränderungen einzuführen und durchzusetzen, als bei einem einzelnen Betrieb. Wir müssen jede Veränderung in den komplexen Ablauf – von der Bestellmöglichkeit über die Zubereitung bis zur korrekten Ausgabe an den Gast – einbinden. Da gelangen wir schnell an operative Kapazitätsgrenzen. Das umfasst natürlich auch das mögliche Equipment in den Küchen, da die die allermeisten Restaurants nur über einen Broiler verfügen.

Ein Unternehmen, das überwiegend sein Geld mit klimaschädlichen Proteinen verdient, hat möglicherweise das Problem, das eine Aktion wie in Köln als Greenwashing verstanden werden könnte. Insbesondere nachrückende, junge Zielgruppen wünschen sich eine transparente, ganzheitliche und schlüssige Strategie. Wie intensiv setzen Sie sich mit Zielgruppen auseinander?

Dem Vorwurf wollen wir klar entgegentreten. Uns ist bewusst, dass wir als Unternehmen nicht plötzlich grün sind, nur weil wir eine Woche lang in einem Restaurant auf Fleisch verzichtet haben. Das war ein Highlight auf dieser angesprochenen Reise, auf der wir noch so viel erleben werden. Alle Abteilungen arbeiten daran, immer mehr und nachhaltigere Alternativen anzubieten – ob durch schmackhafte Plant-based-Produkte oder der Einsparung von Plastik im Verpackungsmaterial.

Das Plant-based-Restaurant in Köln hat uns gezeigt, dass das sehr gut funktioniert. Wir haben mit den Gästen vor Ort gesprochen und es zeigte sich ein bunter Querschnitt der Gesellschaft – natürlich waren das vor allem jüngere, aber eben auch einige ältere, neugierige Besucher, die wir für unsere Produkte begeistern konnten. Insgesamt war das Feedback positiv. Es gibt spannende Erkenntnisse, die wir für unsere Weiterentwicklung nutzen werden, um in unserem Lernprozess voranzukommen.

Verfolgen Sie mit dem Konzept auch ökologische und tierrechtliche Ziele? Die Politik hinkt trotz einiger guter Nachrichten dieses Jahr und der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, die die Rücksichtnahme auf zukünftige Generationen gesetzlich verankert hat, hinterher. Da kann man zum Schluss kommen, dass die Verantwortung bei Unternehmen liegt. Schließlich ist die Ernährungswirtschaft allein für 30 Prozent aller menschenverursachten Treibhausgas-Emissionen verantwortlich, 70 Prozent davon verursacht die Produktion tierischer Produkte. Täglich erscheinen Meldungen von Unternehmen, die schon vor den politisch deklarierten Zielen klimaneutral oder klimapositiv sein wollen. Ist sich Burger King der eigenen Verantwortung für das Klima bewusst und was tut das Unternehmen jenseits des Kölner Pop-ups?

Natürlich sind das ökologische Aspekte wichtig und unsere Plant-based-Produkte bieten hier klare Vorteile. Gemeinsam mit den internationalen Kollegen arbeiten wir daran, das Unternehmen und unsere Prozesse noch nachhaltiger zu gestalten und beobachten ganz genau, wo wir welchen positiven Impact erreichen können. Dabei sehen wir in unserem Sortiment, was eine schmackhafte Alternative zu Fleisch darstellt, immenses Potenzial. Ich bin daher auch stolz, mit welcher Innovationskraft wir in kurzer Zeit dieses Angebot ausbauen konnten: War es 2019 der Plant-based-Whopper®, führten wir 2020 als erste große QSR-Kette in Deutschland die Plant-based-Nuggets ein. Dazu kommen seit wenigen Wochen der Plant-based-Nugget-Burger und der brandneue Plant-based-Whopper® Wrap. Weitere Innovationen folgen dieses Jahr noch. Wir hoffen also, das Tempo weiterhin hochhalten zu können und nachhaltig leckere Alternativen bieten zu können. Wie angesprochen, müssen wir hier aber auch immer die operative Umsetzung und unsere 120 Franchisenehmer berücksichtigen. Außerdem müssen wir unsere Gäste auf dieser Reise abholen und mitnehmen, was wir über Aktionen wie in Köln versuchen. Das empfinde ich auch als viel authentischer als sich langfristige Ziele zu setzen, die zwar gut klingen, aber so weit weg sind, dass sich niemand mehr verantwortlich fühlt, ob das Ziel erreicht wurde. Uns ist es daher wichtig, heute schon das Thema Plant-based so vielen Menschen wie möglich näherzubringen, weshalb wir das Sortiment dahingehend stetig ausbauen.

Das Segment der pflanzenbasierten Produkte wächst rasant. Wissenschaftler prognostizieren für 2040 ein Verhältnis in unserer Proteinversorgung von einem Drittel Fleisch, einem Drittel pflanzlichen Zutaten und einem Drittel Fleisch aus dem Labor. Wie wird das Angebot 2030 / 2040 bei Burger King sein?

Ich halte es für durchaus möglich, dass pflanzenbasierte Alternativen in Zukunft stärker nachgefragt werden als Fleisch. Zum einen ändert sich das Konsumverhalten, zum anderen beobachten wir auch gegenläufige Preisentwicklungen – während Fleisch tendenziell teurer wird, werden Plant-based-Produkte günstiger. Für uns steht fest, dass wir unseren Gästen auch weiterhin gemäß ihren geschmacklichen Vorlieben die leckersten Burger und Co. anbieten wollen – ob mit Fleisch oder ohne.

Auf welche leckeren Neuerungen können wir uns freuen? Gibt es eine weltweite Strategie, das pflanzenbasierte Angebot zu stärken, oder ist das eine rein deutsche Aktion?

Die vegane Mayo, die bereits im Plant-based-Restaurant sehr gut ankam, werden wir ab August 2021 standardmäßig in allen Burger King-Restaurants für unsere Plant-based-Produkte anbieten. Unser Anspruch ist es, Vorreiter in puncto Plant-based zu sein. Das gelingt uns im Wettbewerb auf dem deutschen Markt bereits, wir wollen aber auch unsere Kollegen innerhalb Europas antreiben, unserem Beispiel zu folgen. Dabei ist aber natürlich jeder Markt unterschiedlich.

Danke für das Gespräch!

Balázs Tarsoly / Ralf Müller-Amenitsch

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