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Michael Reich, Geschäftsführer Siemens Restaurant Services, im Interview.

#WirSindMannschaft

Datum: 18.05.2020Quelle: B&L Medien | Fotos: Hercht | Ort: München

Seit dem 1. April 2019 verantwortet Michael Reich das Geschäft der Restaurant Services (RS) der Siemens AG. Mit diesem Schritt hat der gelernte Koch, der zuvor bereits vier Jahre als Regionalleiter bei RS tätig war, die Nachfolge von Thomas Donhauser angetreten. Seine neue Aufgabe versteht er als Reise, bei der man nicht über Nacht ankommt, sondern einen Schritt nach dem anderen geht – und manches Mal sogar einen zurück.

Von München aus managt Michael Reich nun seit einem Jahr aktuell 35 Eigenregiebetriebe deutschlandweit. Wie es ihm gelingt, die 35 Einzelteams als eine große Mannschaft zu leiten, welche Rolle er dabei einnimmt und welche Pläne er für die Zukunft hat, hat uns der Leiter Restaurant Services Deutschland im Gespräch verraten.

Michael Reich im Interview

Herr Reich, wie haben Sie den Start als Leiter der Restaurant Services Deutschland rückblickend empfunden?

Nach der internen wie auch externen Ausschreibung der Stelle der Deutschlandleitung der RS, wusste ich letztlich etwa acht Wochen vorher, dass ich zum 1. April die die Position übernehmen werde. Wenn man so eine Aufgabe übernimmt, dann hat das viel mit Respekt zu tun. Sicherlich war es ein Vorteil, dass ich das Unternehmen und seine Strukturen bereits kannte, ebenso wie einen Teil der Mannschaft, die immer im Fokus meines Handelns steht.
Ich habe nie daran gezweifelt, dass die Übernahme der Geschäftsführung eine zu große Herausforderung sein könnte – schließlich macht niemand etwas ganz allein.

Gibt es etwas, das Sie von Ihrem Vorgänger übernommen haben?

Thomas Donhauser und ich haben uns im Vorfeld natürlich ausgetauscht, doch meine Erfahrung zeigt: Es ist wichtig, gut zuzuhören und auch zwischen den Zeilen zu lesen. Grundsätzlich – so meine Meinung – sollte eine Übergabe relativ kurz ausfallen und es sollten keine alten Aktenordner übernommen werden.
Das Wesentliche ist, ein Verständnis für die neue Rolle zu bekommen; der Rest ist Tagesgeschäft. Jeder hat seinen eigenen Stil, mit bestimmten Situationen und Aufgaben umzugehen – ich glaube daher: Jeder muss seinen eigenen Weg gehen.

Hätten Sie vor fünf Jahren schon gedacht, dass Sie heute an dieser Stelle stehen?

Geplant hatte ich das nie, so etwas ergibt sich einfach. Oft ist es eine Frage des Timings und dann die Entscheidung, ob man solch eine Chance ergreift.

Direkt nach Antritt Ihrer neuen Funktion haben Sie deutschlandweit alle Eigenregiebetriebe besucht. Sollen künftig weitere Besuche in den einzelnen Betrieben regelmäßig stattfinden?

Einen festen Fahrplan gibt es nicht. Aber: Wenn ich unterwegs bin, nutze ich immer die Gelegenheit, die Mannschaften direkt an ihrem Arbeitsplatz zu besuchen und mich in ungezwungener Atmosphäre mit ihnen auszutauschen. Die Mitarbeiter machen regen Gebrauch davon, dass ich stets ein offenes Ohr für sie habe.
Auch ich freue mich über das Feedback meiner Mitarbeiter, zu dem ich sie auch aktiv auffordere. In meiner Rolle brauche ich interne als auch externe Sparringspartner, die mir ehrlich sagen, ob wir auf dem richtigen Weg sind. Ich denke, es gibt eine sehr gute Vertrauensbasis zwischen mir und den Mitarbeitern sowie unseren Geschäftspartnern – auch bei teils unpopulären Entscheidungen. „Wenn’s der Sache dient, machen wir`s!“ – ist unser Leitgedanke.

Küchenleiter im Betriebscasino von Siemens am Münchner Wittelbacher Platz, für das Michael Reich verantwortlich ist.
Speisenausgabe im Siemens-Betriebsrestaurant am Münchner Wittelbacherplatz.

Welchen Projekten widmen Sie sich gerade aktuell?

Aktuell beschäftigen mich einige Neubauten, die in Köln, Hannover, Frankfurt und Stuttgart entstehen werden. In Stuttgart haben wir uns mit unserem Konzept gegen einen externen Bewerber durchgesetzt. Dort werden wir erstmalig selbst als Caterer am Markt auftreten, da es dort keinen geschlossenen Campus gibt. Das Betriebsrestaurant ist öffentlich zugänglich und so werden wir auch Mitarbeiter anderer Unternehmen zu unseren Gästen zählen. Unsere Hauptaufgabe ist und bleibt aber die Versorgung der Mitarbeiter der Siemens AG.

Fließt bei derartigen Neubauten auch das Thema New Work mit in die Planung der Betriebsrestaurants ein?

Die Restaurant Services ist organisatorisch bei der Siemens Real Estate zuhause, deren Kernkompetenz das Bauen und Betreiben von Immobilien ist.
Das bietet uns als Gastronomie den Vorteil bei Neu- und Umbauten sehr eng mit den Profis der Real Estate bei der Gestaltung der Restaurants zusammen zu arbeiten.
Wenn ein Betrieb in zwei bis drei Jahren ans Netz gehen soll, müssen wir heute schon bedenken, was dann wichtig ist und über einen längeren Zeitraum auch funktioniert. Wir machen kein Tagesfeuerwerk, es braucht eine gewisse Zeitlosigkeit.

Glauben Sie, dass neben dem Wandel im Nutzungskonzept auch ein Wandel im Verpflegungskonzept folgen wird? Hat das klassische Mittagessen irgendwann ausgedient?

Das klassische Mittagessen hat meiner Meinung nach nicht ausgedient. Für mich ist es eine wichtige Konstante in einer sich immer schneller drehenden Welt. Für viele unserer Gäste ist das Mittagessen in unseren Mitarbeiterrestaurants die einzige warme Mahlzeit am Tag, die sie in Ruhe und im Sitzen zu sich nehmen. Natürlich bieten wir auch eine Zwischenverpflegung an – wobei wir dabei auf leichte Kost und viel Obst setzen, mit dem Mittagessen wollen wir unseren Gästen aber bewusst die Gelegenheit für eine Pause geben.

Wie gestaltet sich bei Ihnen die Suche nach geeigneten Auszubildenden?

Deutschlandweit bilden wir aktuell 30 junge Menschen zu Köchen in unseren Betrieben aus. Junge, motivierte Menschen zu finden, die die Ausbildung auch abschließen und dem Markt dann zur Verfügung stehen, ist auch für uns nicht einfach. Der gute Ruf von Siemens trägt etwas dazu bei, ist aber kein Garant dafür, dass wir so viele Azubis finden, wie wir ausbilden könnten. In Bewerbungsgesprächen lassen wir uns sehr von unserem Gespür für unser Gegenüber leiten; die Persönlichkeit ist der entscheidende Faktor für uns. Denn Gastronomie ist ein Mannschaftssport: der Einzelne, auf jedem Posten zählt – und so entsteht am Ende ein hervorragendes Gesamtprodukt.

Siemens in Berlin richtete bereits 1886 eine eigene Speisenanstalt ein – sehen Sie sich auch heute noch als einer der Vorreiter in der Betriebsgastronomie?

Siemens ist schon immer ein sehr innovatives Unternehmen. Wir als Restaurant Services sind ein Teil davon, und tragen jeden Tag mit Stolz dazu bei, dass das auch so bleibt. Ein langfristiger und nachhaltiger Unternehmenserfolg ist das Ziel.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Salatbuffet im Betriebscasino von Siemens in München, für das Michael Reich verantwortlich zeichnet.
Buffet mit Salatbowls.

Miteinander mit den Mitarbeitern

Welchen Stellenwert die Kommunikation im Team einnimmt – auch bzw. insbesondere in Zeiten der Coronakrise – und welche Aspekte die GV-Branche aus seiner Sicht in Zukunft prägen werden, hat Michael Reich unter anderem im Interview verraten, dass Sie in der aktuellen Ausgabe des GVMANAGER ab Seite 8 finden.

 

Sarah Hercht / Redaktion GVMANAGER

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