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Leserbrief:

Datum: 28.11.2014Quelle: B&L MedienGesellschaft Ort: München

Heute erreichte uns der Kommentar eines Lesers, der auf die Probleme rund um die noch immer ungeklärte Allergenkennzeichnung (gem. LMIV) „allergisch“ reagiert. Sicher kommen seine ironischen Zeilen dem einen oder anderen bekannt vor. Lesen Sie mehr…

 

„Nun stehen wir vor der Aufgabe, die Allergene auszuweisen und sind völlig konsterniert. Wird doch eine EU-VO, die 2011 verabschiedet wurde und deren Inkrafttreten auf den 13.12.2014 terminiert wurde, tatsächlich zur bitteren Wahrheit – völlig überraschend! Jetzt könnte man sagen: Hätte der Branche ja mal dezidiert mitgeteilt werden müssen, dass damit tatsächlich zu rechnen ist!

 

So überraschend wie Weihnachten…

Selbst Teile der Lebensmittel-Industrie scheinen von der nahenden Umsetzungspflicht dieser VO, quasi eiskalt, erwischt worden zu sein (auch Weihnachten kommt ja immer etwas überraschend). Da drängt sich der Verdacht auf, dass die Lebensmittelhersteller in Deutschland mit der Bereitstellung und/oder der Überarbeitung der Datenblätter ihrer Produkte nicht „im vorauseilenden Galopp“ handeln wollen. Schließlich wird die nationale VO, die gegebenenfalls eine detailliertere Kennzeichnung der Allergene vorsieht (z. B. die genaue Nennung der enthaltenen Nuss-Art statt die Erwähnung „enthält Nüsse“), wohl frühestens im ersten Quartal 2015 zur Verabschiedung kommen. Womöglich hätte man dann seine Verpackungen mit der entsprechenden Deklaration bereits in Druck gegeben und müsste alles wieder zurück auf Los setzen. Das ist natürlich rein spekulativ, würde aber meine Erfahrungen bei der „investigativen Recherche“ nach den Datenblättern der Lebensmittelhersteller, bestätigen. Um nicht ungerecht zu erscheinen: Es gibt bereits viele Hersteller, die ihre Hausaufgaben ordentlich gemacht haben und Allergene, Zusatzstoffe, sowie Nährwertangaben sauber auf ihren Produkten und Datenblättern ausweisen – aber leider noch nicht alle. Besonders zu denken gibt mir, wenn sich Hersteller bezüglich ihres Deklarationsmanagements aus der Verantwortung stehlen wollen und die Gefahrenübergabe an ihre Kunden weitergeben. Beispielsweise hat ein Lebensmittelhersteller auf seinem Datenblatt per Fußnote darauf hingewiesen, dass eine Rezepturänderung nicht automatisch zur Aktualisierung des Datenblatts führen würde. Der Kunde solle sich doch bitte von der Richtigkeit der auszuweisenden Allergene auf den Verpackungen der Produkte informieren. Ein Unding! Dies würde in unserem und in vielen weiteren Fällen bedeuten, dass nach Erstellung des Speiseplans, der seine Deklaration unter Zuhilfenahme der Datenblätter erfahren hat, alle Küchenleitungen an den Standorten überprüfen müssten, ob die Deklaration auf ihrem Plan mit der tatsächlichen Zutatenliste auf den angelieferten Produkten übereinstimmen – absurd! Da kann man schon mal allergisch reagieren! Übertragen auf die Automobilindustrie hieße dies, dass der Kunde ein KFZ bestellt und nach dessen Auslieferung und Übergabe überprüfen muss, ob das KFZ nicht nur den Anforderungen seiner Bestellung, sondern auch den sich gegebenenfalls geänderten gesetzlichen Bestimmungen entspricht.

 

Mehr Verantwortung der Hersteller!

Notwendig wäre, dass auf politischer Ebene dafür Sorge getragen wird, dass die Verantwortung auch hier tatsächlich bei dem liegt, der „Lebensmittel herstellt und in Verkehr bringt“. Lebensmittelhersteller sollten ihre Datenblätter, im Rahmen ihres QM-Systems, kontinuierlich auf ihre Aktualität überprüfen, sodass Rezepturänderungen sofort einfließen. Eine klare und gesetzlich vorgegebene Prozessbeschreibung, die einen unaufgeforderten Informationsfluss vom Lebensmittelhersteller bis zum gewerblichen Endkunden gewährleistet (LM-Herst. Groß-/Einzelhandel weiterverarbeitenden LM-Hersteller), wäre hier eine mögliche Lösung.

 

Fazit

Obwohl, nach meiner Kenntnis, Vertreter der verschiedenen Verbände (GV, Gastronomie etc.) bei der Erstellung der EU-VO involviert waren, erscheint einiges doch optimierbar. Rückfragen meinerseits, bei Mitarbeitern des Gesundheitsamts (Lebensmittelkontrolle), offenbarten z. B., dass auch in der zuständigen Kontroll-Behörde keine Klarheit herrscht. Aussagen wie…

− „… die VO wird am 13.12. noch gar nicht richtig greifen…“

− „… wir kontrollieren und sanktionieren die Nichteinhaltung der VO noch nicht…“

− „… auch nach in Kraft treten am 13.12.2014 brauchen Sie noch nicht mit Sanktionen rechnen…“

− „… wir warten erst einmal die Verabschiedung der nationalen VO ab – und die kommt frühestens im Feb. 2015…“

… sind nicht wirklich vertrauensbildend. Nehmen wir mal den Super-Gau an: Ein Essensteilnehmer/Kunde erleidet nach dem 13.12.2014 tatsächlich einen anaphylaktischen Schock und stirbt. Dann wird dem entsprechenden Verantwortlichen sicher nicht tröstend auf die Schulter geklopft, mit den Worten: „Schlimm für den Betroffenen, aber da hier noch Unklarheit herrscht, kommen Sie rechtlich mit einem blauen Auge davon!“ Nein – man wird sich zu Recht auf die geltende EU-VO berufen und die entsprechenden rechtlichen Konsequenzen für den Verantwortlichen eruieren. Es muss also dringend nachgearbeitet werden, rechtliche Schlupflöcher müssen gestopft werden, um nachvollziehen zu können, wo in der Kette der Informationspflicht der Fehler gelegen hat und wer letztlich die Verantwortung tragen muss. Vielleicht wird die nationale VO hier für mehr Klarheit und Rechtssicherheit sorgen – die Hoffnung stirbt zuletzt.“

Timo Jahn, Geschäftsfeldleiter Gastronomie – Küche, bdks baunataler diakonie kassel, Baunatal

 

Geht es Ihnen ähnlich? Dann schreiben Sie uns!

 

Foto: XtravaganT_Fotolia.com

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1 Comment

  1. Nun wollte ich gerade Feierabend machen, die Rufumleitung auf “privat” umstellen, ganz schnell noch mal Mails checken, halt, das musst du lesen. Mein Blutdruck steigt, seit Tagen beschäftigen mich die “Ergüsse” unserer Regierung, seit Tagen lese, google und drucke ich auf Teufel komm raus alles, was ich zur EU-VO 2011 finde. Ist das ein Ablenkungsmanöver des Arbeitsministeriums? Dann ist es ein “humanes”, denn hier lese ich weiter (und die im “Fazit” genannten Punkte sind tatsächlich nicht vertrauensbildend, aber sie sind wahr. Auf zahlreichen Branchentagen und Seminaren hörte ich, dass wenigstens hier noch nicht mit Sanktionen (ab € 200 000,00 wie beim Mindestlohn!!!)zu rechnen ist). Morgen werde ich alle Lieferanten anklingeln und aufforden, ihrer Informationspflicht UMGEHEND nachzukommen und mir für alle in unser Vollrestaurant künftig zu liefernden Lebensmittel exakt detailliert genau das Vorhandensein von Allergenen der berühmt berüchtigten “14” auszuweisen und schriftlich mit zu teilen. Danke, das habe ich Ihnen zu verdanken, meinen Kopf ziehe ich derweil ein wenig aus der Schlinge. Denn wir betreiben in unserem Hotel ein Vollrestaurant, werden künftig unsere Speisenkarten bis zur Unverständlichkeit überfrachten mit MÖGLICHEN Möglichkeiten der Eventualitäten des Vorhandenseins von Spuren einer Nuss….., ja, welcher? Wir können nur hoffen, dass künftig explosionsartig die Zahl der Allergen-Gefährdeten nicht zunimmt, es hin und wieder auch einen “normalen” Esser-Genießer” geben wird, der mit dem anaphylaktischen Schock noch etwas wartet. Die Amerikaner im Übrigen lachen über solch einen europäischen Blödsinn, sie sagen, man isst was man ißt und huldigen ihren Fast-Food-Ketten (nicht nur!). Wir freuen uns auf die nationale VO, sie zeigt, was ihre terminliche Erscheinung betrifft, dass hier wenigstens jemand sitzt, der weiß, dass “gut Ding Weile haben will”, nicht wie das Lohndiktat der Tante NA, alles sofort, nichts genaues weiß man nicht, aber wehr, man macht einen Fehler…..! Die Frau hat nie gearbeitet, sonst wäre sie nicht so dumm!
    Alles Liebe und einen schönen zweiten Advent wünscht
    Frau Victoria Schweigert, Assistentin der Geschäftsleitung eines familiengeführten Hotels im Norden der Insel Rügen am Kap Arkona in Putgarten
    Danke, Herr Jahn, dass Sie sich dieser Themen annehmen!

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