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Abendessen in der JVA Heidering, gepostet auf dem Twitteraccount Gefängniscuisine: Brötchen, Wiener, Nudelsalat.

Was im Gefängnis auf den Tisch kommt

Datum: 23.08.2019Quelle: Twitter/@Gefngniscuisin1, Stuttgarter Zeitung | Fotos: Twitter/@Gefngniscuisin1 Ort: Berlin/Stuttgart

Rezeptideen aus der JVA Heidering – unter diesem Motto twittern seit Anfang August 2019 Insassen der JVA Heidering in Berlin unter dem Namen Gefängniscuisine (@Gefngniscuisin1) und zeigen, was bei ihnen tagtäglich auf die Teller kommt. Wie die Stuttgarter Zeitung berichtet, wollen die drei Insassen (nach eigenen Angaben) auf diese Weise über die Missstände hinweisen, die in puncto Ernährung bzw. Verpflegung vor Ort vorherrschen – und das obwohl die Nutzung eines Smartphones für die Gefangenen ein Risiko birgt und Strafen wie Freizeitverbot nachsichziehen kann.

„Ernährung ist für uns alle ein großes Thema, und die Art und Weise wie hier mit Ernährung umgegangen wird, ist beängstigend“, schrieben die Gefangenen hinter Gefängniscuisine der Redaktion der Stuttgarter Zeitung. Darüber hinaus kritisieren sie auch auf Ihrem Account, die Cateringfirma, die das Gefängnis mit dem Essen versorgt: „Die Verpflegung ist unterirdisch und zudem ist das warme Essen zu kalt, und die Hygiene lässt zu wünschen übrig.“

Essen in der JVA Heidering

Und was bekommen die Insassen der Berliner JVA Heidering zu essen?

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Zum Frühstück gibt es wahlweise Weizenbrötchen mit Käse oder veganer Wurst, dazu je eine halbe Möhre – treffend von Gefängniscuisine kommentiert mit „Wie viele Vitamine  steckene eigentlich in einer halben Möhre?“ oder „Rezeptideen. Achso habe noch Margarine.“  Und wenn es einmal etwas mehr zum Frühstück sein darf, stehen Weizenbrötchen samt Salami, einer Tomate und einer Banane auf dem Speiseplan.

Auch das Abendessen ist ähnlich abwechslungsreich – wie die Bilder versprechen: Brötchen, Putenleberwurst und ein Pfirsich-Maracuja-Joghurt, Brötchen mit einer Ecke Brie und zwei Eiern oder zwei Brötchen sowie ein Paar Wiener und Nudelsalat, was die Insassen dazu verleitet anzumerken: „Bei jeder guten Diät heißt es, „abends nicht so viel essen’“.

Mehr Abwechslung im Speisenangebot hält da schon das Mittagessen bereit, das von Reis mit geschmorter Paprika in Sauce über Salzkartoffeln mit Kräuterquark bis hin zu Nudeln mit Tomatensauce reicht; immer begleitet von Fruchtjoghurt als Dessert. Mit Tweets wie „Heute schon Hunger verspürt?“ oder „Heute schon darüber nachgedacht, was es geben soll – hier gibt es Ideen.“ kommentieren sie die Bilder des ihnen servierten Mittagessen bissig.

Kein Zweifel an Echtheit

Die Cateringfirma wollte der Stuttgarter Zeitung zufolge keine Angaben zu der Frage machen, ob es sich bei den abgebildeten Mahlzeiten um die kompletten Portionen pro Essensausgabe handele und verwies auf das Land Berlin als Auftraggeber. Aus der Berliner Justizverwaltung hieß es, es gebe keinen Grund an der Authentizität der Aufnahmen zu zweifeln. Die Speisepläne für die JVA Heidering werden nach Angaben eines Justizsprechers nach den Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Ernährung zusammengestellt. Weiter erklärte er, jeden Vormittag finde eine Kostprobe des Mittagessens statt. Dabei würden Geschmack, Aussehen und Temperatur genauso überprüft und dokumentiert wie die Menge. Für Gefangene gibt es demnach eine Möglichkeit zur schriftlichen Beschwerde.

Eine Verpflegung von etwa 2.800 Kilokalorien, entsprechend dem Bedarf eines männlichen Gefangenen zwischen 25 und 51 Jahren, bekommen die Gefangenen in Heiderging täglich. „Wir gehen von maximal 1.800 Kalorien aus“, schreibt dagegen einer der Gefangenen. Er glaube auch, es fehle an Vitaminen, Eisen und Calcium. Er verbessere seine Ernährungssituation, indem er Lebensmittel einkaufe. Das könne aber nicht jeder Insasse finanziell leisten.

Speisenversorgung vor Ort

Die JVA Heidering wurde erst vor sieben Jahren eröffnet und gilt als eine der modernsten Haftanstalten der Republik. Zur Gefängnisausstattung gehört eine eigene Großküche, in der auch Gefangene mitkochen. Eine warme Mahlzeit wird täglich gegen 11.30 Uhr ausgegeben. Abendbrot und Frühstück für den nächsten Tag werden zusammen am Nachmittag verteilt. Im Vergleich zu anderen Berliner Gefängnissen gilt die Versorgung in Heidering als besser.

Sarah Hercht / Redaktion GVManager

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