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Studierendenwerk Ulm

„In der Regel bekommt jeder Gast noch etwas ab.“

Datum: 02.12.2020Quelle: Redaktion GVMANAGER | Bilder: Colourbox.de, Studierendenwerk Ulm | Ort: Ulm

Mit der Idee einer Happy Hour gelingt es dem Studierendenwerk Ulm, am Ende des Tages so wenig Reste wie möglich übrig zu haben. Günter Mayr, Leiter Campusgastronomie des Studierendenwerks, spricht im Interview darüber, wie die Idee zur Happy Hour entstanden ist und wie wichtig die Kommunikation mit den Gästen im Alltag ist, damit die Reduktion von Lebensmittelverschwendung im Studierendenwerk Ulm Erfolg hat.

Lebensmittelwertschätzung im Studierendenwerk Ulm

Wie leben Betriebe der Außer-Haus-Gastronomie Lebensmittelwertschätzung; welche Maßnahmen ergreifen Sie konkret? Und wie bringen Sie dieses Thema Ihren Gästen näher? Wir haben bei Günter Mayr nachgehakt.

Günter Mayr Studierendenwerk Ulm

Herr Mayr, welchen Stellenwert hat die Reduktion von Lebensmittelverschwendung in Ihrem Betrieb?

Das Thema ist uns sehr wichtig und deshalb versuchen wir schon seit mehreren Jahren Verschwendung zu vermeiden. Wir als Gemeinschaftsverpfleger haben da eine gewisse Verantwortung und wo möglich tragen wir unseren Teil dazu bei. Eine der von uns in diesem Kontext getroffenen Maßnahmen ist unsere Happy Hour.

Darüber hinaus verkaufen wir alle Snacks, Plunder, Brezeln etc. in den Cafeterien am Folgetag zum halben Preis – Gott sei Dank auch mit guter Nachfrage. Viele unserer Gäste wissen das zu schätzen und nutzen diese Möglichkeit daher auch.

Wie kamen Sie auf die Idee, eine Happy Hour einzuführen?

Entstanden ist die Idee dazu, nachdem wir mit einem Projekt in der Technischen Hochschule Ulm gescheitert sind. Hier wollten wir die restlichen Lebensmittel nach dem Ende der Essensausgabe in der Mensa der Caritas schenken. Ziel war es, diese einzufrieren und der Caritas zur Abholung bereitzustellen. Dies ist leider an lebensmittelrechtlichen Bedenken und Risiken gescheitert.

Um unsere Restanten nicht wegwerfen zu müssen, haben wir uns daher nach einer Alternative umgeschaut, um die Lebensmittelabfälle dennoch nicht zu verschwenden.

Wie haben Sie Ihre Gäste zum Start der Happy Hour auf das neue Angebot aufmerksam gemacht?

Eingeführt haben wir die Happy Hour bereits zum 1. April 2017 – und das mit sehr gutem Erfolg. Über das neue und besondere Angebot haben wir unsere Mensagäste damals über Aushänge und über unsere Bildschirme in den Mensen informiert.

Generell informieren wir unsere Gäste über unser Engagement hinsichtlich der Lebensmittelwertschätzung aber auch über unsere Website.

Um welches Maß sind die Speisen während der Happy Hour vergünstigt?

Alle Reste, die nicht mehr weiterverwendet werden können/dürfen, werden an einer Essenausgabe zusammengefasst und hier nach der offiziellen Essenausgabe noch eine Viertelstunde lang, von 13.45 bis 14 Uhr (in den Semesterferien von 13.30 bis 13.45 Uhr), zu einem sehr günstigen Preis ausgegeben.

Verkauft werden die Lebensmittel über die Waage und in Schälchen. Der Kunde zahlt – je nach Verbrauchergruppe – für das Schälchen 40 Cent (Studierendenpreis), 50 Cent (Bedienstetenpreis) bzw. 60 Cent (Gästepreis). Bei den Gerichten über die Waage schwanken die Preise von 45 über 55 bis hin zu 65 Cent.

Wie wird und wurde die Happy Hour seit Beginn angenommen?

Seit dem Start hatten wir bereits 35.781 Kunden, d.h. täglich zwischen 50 und 70 Gäste in 15 Minuten, die das Happy Hour-Angebot wahrnehmen. Über die Waage gingen in dieser Zeit sage und schreibe 13.394.570 Kilogramm Lebensmittel, die sonst vielleicht im Abfall gelandet wären – das entspricht fast 14 Tonnen Lebensmittel. Pro Gast gerechnet sind das ca. 500 Gramm Lebensmittel (Stichtag: 1. August 2019). Des Weiteren wurden 19.819 Schälchen verkauft.

Gibt es Tage, an denen keine Reste übrig bleiben und der eine oder andere Gast leer ausgeht?

In der Regel bekommt jeder Gast noch etwas ab. Die Auswahl ist mal üppig und auch mal spärlich. So kann es sein, dass sich die ersten noch fünf Schnitzel auf den Teller legen können und die letzten eventuell nur noch Reis mit Sauce bekommen.

Wie hoch ist der Anteil an Gästen, die die Happy Hour wahrnehmen?

In der Unimensa sind es bis zu 80 Gäste täglich, die während der Happy Hour ein vergünstigtes Gericht beziehen. Es sind überwiegend Gäste, die wegen des günstigeren Preises dann später essen, also als Vollzahler wegfallen.

Danke für das Gespräch!

Qualität statt Quantität beim Buffetangebot

Welche Maßnahmen zur Reduktion von Lebensmittelverschwendung setzen die H-Hotels um? Andreas von Reitzenstein, COO der H-Hotels, gewährt einen Einblick und erklärt im Interview, wie dieses Engagement an die Hotelgäste kommuniziert wird.

Sarah Hercht / Redaktion GVMANAGER

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