x
BZfE Phúc Long on Unsplash Eat- Lancet-Kommission

Fünf Strategien für die Ernährungswende

Datum: 03.04.2019Quelle: Inhalt: BZfE | Foto: Phúc Long on Unsplash | Ort: Bonn

Wissenschaftler der Eat-Lancet-Kommission definierten Ziele für eine nachhaltige Lebensmittelerzeugung. Dabei stellten sie fest, dass die Ergebnisse nur innerhalb der planetarischen Grenzen bleiben, wenn gleichzeitig die Lebensmittelabfälle halbiert werden. Insgesamt haben die Forscher deshalb fünf sofort umsetzbare Strategien entwickelt, wie eine nachhaltige Ernährungswende gelingen könnte.

inen großen Faktor dabei spielen neben den Endverbrauchern u. a. Betriebe der Gemeinschaftsverpflegung, Gastronomien und Hotels. Denn diese verbrauchen Tonnen von Lebensmitteln und produzieren oftmals enorme Mengen an Lebensmittelabfällen. Fünf Tipps für einen Wandel, die auch Gastronomen im Hinterkopf behalten sollten:

1. Gesündere Ernährung fördern

Die Menschen sollen zu einer gesünderen Ernährungsweise ermutigt werden. Dazu gehören eine verbesserte Verfügbarkeit und ein verbesserter Zugang zu gesunden Nahrungsmitteln, strengere Vorgaben für die Lebensmittelsicherheit und eine Politik, die den Einkauf aus nachhaltigen Quellen fördert.

Neben Werbeeinschränkungen und Ernährungskampagnen ist auch die Erschwinglichkeit guter Lebensmittel entscheidend. Andererseits müssten sich die durch die Lebensmittelerzeugung verursachten Umweltkosten genauso in den Preisen widerspiegeln wie die Produktionskosten. Daher müsste mit höheren Lebensmittelpreisen eine soziale Absicherung einhergehen, um sozial benachteiligte Menschen nicht zurückzulassen.

2. Qualität und Vielfalt statt Quantität in der Landwirtschaft

Der Fokus der Landwirtschaft sollte weg von hohen Erträgen hin zu einer Vielfalt an nährstoffreichen Nahrungsmitteln gelenkt werden. Statt wenige Kulturen zu fördern, von denen heute ein Großteil an Tiere verfüttert wird, sollte die globale Agrarpolitik Anreize für Erzeuger schaffen, um nahrhafte, pflanzenbasierte Lebensmittel zu produzieren.

Außerdem schlägt die Kommission vor, Programme zur Unterstützung vielfältiger Produktionssysteme zu entwickeln und Forschungsvorhaben zu unterstützen, die die Qualität der Ernährung und die Nachhaltigkeit erhöhen.

3. Landwirtschaft nachhaltig intensivieren

Die Investition in die ökologische Landwirtschaft ist ein Schlüsselfaktor. Die Produktion müsste aber nicht nur nachhaltiger, sondern gleichzeitig produktiver werden. Zum Beispiel könnten Ernteerträge durch die Verwendung von trockenheitsresistenten Pflanzen und optimierter Bewässerung gesteigert werden. Die Bodenqualität könnte durch geeignete Anbaumethoden erhöht werden.

4. Strenge Vorgaben für die Nutzung von Land und Meer

Die Nutzung von Land und Meeren sollte streng reglementiert werden, um die natürlichen Ökosysteme zu erhalten und gleichzeitig die Lebensmittelversorgung zu sichern. Als Maßnahmen schlägt die Eat-Lancet-Kommission zum Beispiel vor, intakte natürliche Landflächen zu schützen, Rodungen zu verbieten und degradiertes Land wieder fruchtbar zu machen. Außerdem sollten 10 Prozent der Meeresfläche für die Fischerei gesperrt werden und Aquakulturen langsam wachsen.

5. Lebensmittelabfälle halbieren

Die Mehrheit der Lebensmittelverluste geschieht in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen während der Lebensmittelproduktion. Die Gründe: schlechte Ernteplanung, fehlender Zugang zum Markt und fehlende Infrastrukturen, um Lebensmittel zu lagern und zu verarbeiten. Eine erhöhte Investition in Technologien und in die Ausbildung von Landwirten wären hier notwendige Maßnahmen.

Dagegen ist Lebensmittelverschwendung in Ländern mit hohem Einkommen ein Thema, wo sie in erster Linie durch den Handel und die Verbraucher verursacht wird. Empfohlen werden Maßnahmen der Verbraucherbildung, zum Beispiel um die Einkaufsgewohnheiten zu ändern oder den Unterschied zwischen Mindesthaltbarkeits- und Verbrauchsdatum zu erklären. Auch das Know-how zur Lagerung und Zubereitung von Lebensmitteln sowie zu Portionsgrößen und zur Verwendung von Resten muss vermittelt werden.

Vorschläge als Handlungsrahmen für alle Länder

Nimmt man einzelne Forschungsergebnisse für sich, sind die Erkenntnisse der Eat-Lancet-Kommission nicht unbedingt neu. Das wirklich Neue ist aber, dass die Gesundheit des Menschen und der Umwelt einen gemeinsamen Maßstab bilden. Die von der Kommission entwickelten wissenschaftlichen Ziele für eine gesunde, nachhaltige Ernährung können eine wichtige Grundlage sein, um einen globalen Ernährungswandel voranzutreiben. Die daraus abgeleiteten Strategien bieten einen universellen Handlungsrahmen für alle Länder der Erde. Akteure auf allen Ebenen – Politik, Wirtschaft, Landwirtschaft und Verbraucher, global, national und regional – müssen konkrete Maßnahmen umsetzen, die dazu beizutragen, dass im Jahr 2050 etwa 10 Milliarden Menschen gesund ernährt werden können, ohne den Planeten zu zerstören.

Sina Fürch / Gastroinfoportal

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Spargel-Rezept der Woche „Kirschen rot, Spargel tot“ lautet eine fränkische Bauernregel, welche sich auf das traditionelle Ende der Spargelzeit am Johannistag, dem 24. Juni, b...
Hygieneregeln für Großküchen Das BfR und das BZfE haben die Hygieneregeln für Beschäftigte in Großküchen formuliert. Das Merkblatt liegt in 13 Sprachen vor und erscheint nun in ak...
Artikel mit Bildern drucken Artikel ohne Bilder drucken

Newsletter

Immer die aktuellsten Informationen. Melden Sie sich hier für unseren Newsletter an.
Zum Datenschutz

Send this to friend