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Marquard & Bahls

Eigener Homeoffice-Lieferservice

Datum: 30.03.2021Quelle: B&L MedienGesellschaft | Bilder: Marquard & Bahls | Ort: München

Bereits seit Ende März 2020 bietet Marquard & Bahls in Hamburg seinen Mitarbeitern einen eigenen und kostenlosen Speisen-Lieferservice ins Homeoffice. Entwickelt wurde die Idee innerhalb kürzester Zeit nach Bekanntgabe des ersten Lockdowns durch Betriebsgastronomie und Facility Management, dem die Gastronomie angeschlossen ist.

Ziel und Zielgruppe

Timo Maschinger, Head of Facility Management, erläutert die Beweggründe für den Lieferservice:

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Timo Maschinger, Head of Facility Management bei Marquard & Bahls

„Die Idee war und ist, den Mitarbeitern zuhause etwas Gutes zu tun, sie zu motivieren und in dieser Zeit zu entlasten. Zwischen Mobile Working, Kinderbetreuung und teilweise auch Homeschooling täglich ein Mittagessen für die ganze Familie zu planen, einzukaufen, zuzubereiten und dazu noch möglichst auf eine ausgewogene Ernährung zu achten, erfordert sehr viel Zeit – und zumindest da wollten wir unterstützen und Erleichterung schaffen.“

Das Angebot richtet sich dabei an Mitarbeiter, die üblicherweise in der Unternehmenszentrale in der Koreastraße tätig sind und damit zum Gästekreis des Mitarbeiterrestaurants Waterkant unter Leitung von Sven Haack, Team Leader Catering bei Marquard & Bahls, zählen. Aus logistischen Gründen beschränkte man das Angebot allerdings auf den Großraum Hamburg. „Wir liefern etwa im Umkreis von 30 bis 40 Kilometern, setzen aber nicht exakt den Zirkel an. Je nach Frequenz fahren wir auch Sondertouren in weiter entfernte Gebiete“, konkretisiert Sven Haack.

Wer trägt die Zusatzkosten?

Knackpunkt eines solchen eigenen Lieferservice sind für viele (betriebs-)gastronomischen Betriebe die zusätzlichen Logistikkosten. Aus Sicht von Marquard & Bahls nichts, worüber groß diskutiert werden musste. Das Unternehmen trägt die Mietgebühren für mittlerweile zwei Lieferfahrzeuge, die Kosten für eine Tourenplanungssoftware sowie für das Verpackungsmaterial.

Folglich entsprechen die Preise der gelieferten Speisen denen der Speisen vor Ort im Mitarbeiterrestaurant. Auch Zusatzessen für sonstige Angehörige wie Kinder oder Großeltern sind preisgleich.

Bezahlt wird über Einzug bei der monatlichen Gehaltsabrechnung.

Wie werden die Speisen produziert?

Für Produktion, Verpackung und Bestellung mussten keine weiteren Investitionen getätigt werden. „Einen Schnellkühler für die Produktion der Cook & Chill-Speisen sowie eine Siegelmaschine hatten wir glücklicherweise bereits im Betrieb“, berichtet Sven Haack. Zur Vorbestellung durch den Kunden konnte das interne Online-Raumbuchungsportal umgenutzt werden.

Hergestellt werden die Speisen per Cook & Chill. Damit wechselte das Küchenteam auf die Schnelle das Produktionssystem, das normalerweise inhouse Cook & Serve ist. Für Sven Haack und sein Team kein großes Ding: „Cook & Chill ist ja kein Hexenwerk, das hat sich schnell eingespielt.“ Allerdings bedingte die Umstellung manchen Abstrich beim Speisenangebot: „Frittiertes geht nicht, statt Kroketten gibt es dann z. B. Kartoffelwedges.“ Und ein kleiner Wermutstropfen in der Spargelsaison: „Wir mussten auf eine fertige Hollandaise ausweichen – die schlagen wir sonst noch selbst auf“, berichtet der Team Leader Catering. Dazu gab es regionalen Spargel und Frühkartoffeln, im Angebot war aber auch mal schlicht ein Hühnerfrikassee oder ein Sous Vide-gegartes Rumpsteak. Eine für jedes Gericht verfasste Erhitzungsanleitung soll gewährleisten, dass die Speisen qualitativ hochwertig auf den Tellern zuhause angerichtet werden können.

Wie war die Resonanz?

Es gab breite Zustimmung und viel Lob. Bereits in den ersten zwei Wochen lagen knapp 411 Bestellungen vor. An sechs Liefertagen, es wurde dreimal pro Woche ausgefahren, verließen in Summe 1.422 Portionen das Mitarbeiterrestaurant.

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Sven Haack, Team Leader Catering bei Marquard & Bahls

Das schnelle Reagieren hat sich laut Sven Haack auch betriebswirtschaftlich gelohnt:

„Wir haben teils bis zu 440 Essen pro Tag ausgeliefert. Vor Ort in unserem Restaurant Waterkant hatten wir in ‚Normalzeiten‘ durchschnittlich 320 Essen. Verglichen zu den Essenszahlen aus 2019 mussten wir 2020 somit nur ein Minus von 12,5 Prozent verbuchen.“

Personelle Win-win-Situation

Hinzu kommt, dass das gesamte 14-köpfige Gastro-Team, inklusive Servicepersonal aus Bistro und Konferenzbereich, in Vollbeschäftigung bleiben konnte. „Unsere Servicekräfte haben kurzerhand bei der Kommissionierung und Auslieferung unterstützt. Zudem konnten wir gewisse Tätigkeiten an ein sogenanntes Homeoffice-Team auslagern, das zugleich als Notfallteam fungieren kann, sollte unser Vor-Ort-Team aufgrund eines Covid-19-Falls ausfallen“, konkretisiert Sven Haack.

Nachhaltige Perspektiven

Und wie geht es 2021 weiter? Der Lieferservice soll erstmal beibehalten, allerdings die Verpackung verändert werden. Denn aktuell werden die Speisen in folienversiegelten Einweg-Kunststoffschalen, versehen mit einem Etikett mit Inhaltsstoffen und Allergenen, verpackt.

Warum keine Mehrweglösung? „Nachhaltigkeit wird in unserem Unternehmen sehr ernst genommen. Zudem bin ich ein Fan von Mehrweg, doch derartige Lösungen standen zum Start nicht ausreichend in einem vernünftigen Preis-Leistungs-Mix zur Verfügung“, argumentiert Sven Haack. Nachdem sich aktuell kein Ende der Lieferungen abzeichnet, wird intensiv an einer Umstellung auf ein biologisch abbaubares Alternativprodukt und der Beschaffung einer dann dazu passenden neuen Maschine gearbeitet. „Für unsere Bestandsmaschine gibt es leider keine entsprechenden Produkte, daher werden wir komplett umstellen, eine neue Maschine beschaffen, um so auch langfristig diesen Service in abgewandelter Form nach der Covid-19-Zeit anbieten zu können“, ergänzt der Team Leader Catering.

Darüber hinaus will Sven Haack die nachhaltige Ausrichtung des Speisenangebots durch mehr vegetarische Gerichte und einen Veggie-Tag stärken. „Wir haben die Zeit und die Kapazitäten genutzt und in 2020 viel experimentiert mit der Eigenherstellung von Tempeh und Seitan sowie der Fermentation von Obst und Gemüse. Nun wollen wir die Ergebnisse präsentieren und das Bewusstsein bei den Gästen für eine vegetarische Küche schärfen“, stellt Sven Haack in Aussicht.

Weitere Konzepte für Lieferservices und Ideen, wie sich einstige Gäste von (Betriebs-)Gastronomie & Co. in Zeiten von Corona-Kontaktbeschränkungen weiterhin als Kunden halten lassen, haben wir zusammengefasst.

Claudia Kirchner / Redaktion GVMANAGER

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