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Photo by Rick Proctor on Unsplash Hanf

Hanf und seine Vorteile

Datum: 27.07.2018Quelle: Inhalt: Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung | Foto: Rick Proctor on Unsplash | Ort: Bonn

Hanf war in Deutschland jahrhundertelang eine bedeutende Kulturpflanze. Vor allem als Rohstoff für Tuch und Seile war das Gewächs früher sehr beliebt. Doch wegen der berauschenden Wirkung seiner Blüten war der Anbau von Cannabis sativa hierzulande nach dem Betäubungsmittelgesetz von 1982 bis 1996 verboten. Verantwortlich für den Rausch ist der psychoaktive Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC).

Dank gezielter Züchtung haben die heutigen Hanfpflanzen wie die Sorte Finola, nur noch einen THC-Gehalt von 0,2 Prozent und weniger. “Auch wenn man die Blüten eines ganzen Feldes rauchen würde, bliebe die berauschende Wirkung aus”, versichert Dr. Klaus Amon, Vorstandsmitglied von WerraHanf. Die neue Genossenschaft möchte den Hanfanbau wieder verbreiten. 2018 haben die Biobäuerinnen und Biobauern im Werra-Meißner-Kreis bereits über 40 ha Nutzhanf angebaut. “Hanf lässt sich zu 100 % verwerten und hat auf dem Bioacker viele Vorteile“, schwärmt der Mediziner und Umweltwissenschaftler Klaus Amon.

Hanf besiegt Unkraut

Kaum ausgesät wächst der Hanf los. Dadurch verlieren die mit im Acker keimenden Unkräuter den Kampf um Platz und Licht. Deshalb braucht Hanf selbst im konventionellen Anbau keine Herbizide. Biobäuerinnen und Biobauern spart das Arbeit, da sie das Unkraut nicht jäten müssen. “Im Vergleich zum Mais beschattet Hanf den Boden viel schneller und sorgt damit und mit seinem dichten Wurzelwerk für eine gute Bodenstruktur“, freut sich Hubert Göhring. Der Bioland-Landwirt baut die Pflanze in Oberschwaben für einen Naturkosthersteller an.

Anders als Dinkel und Weizen weiden Wildgänse die holzig zähe Pflanze auf seinen Feldern am Baggersee nicht ab. Auch Krankheiten und Schädlinge sind bei den Hanfpflanzen nicht zu finden. Je nach Sorte wächst die Pflanze bis zu einer Höhe von 1,5 m und liefert unterschiedlich viele Fasern oder Früchte, die Hanfnüsse heißen. Um so viel Biomasse aufzubauen, braucht Hanf viel Nährstoffe und Wasser. Daher setzt Biobauer Göhring seinen Hanf nach dem stickstoffsammelnden Kleegras in die Fruchtfolge.

Samen, Öl & Co

Hanf lässt sich vielfältig genießen: Hanfblüten aromatisieren Limonaden und Hanfbier oder landen zusammen mit Blättern im Tee. Nach ca. hundert Tagen sind die Hanfsamen erntereif. Nach der Ernte werden die Samen getrocknet und geschält oder gepresst: “Aus 2,8 Kilo ganzen Hanfsamen wird ein Kilo geschälter Hanf, aus 4,5 Kilo ein Liter hochwertiges Hanföl. Samen und Öl versorgen uns mit viel Omega-3 und -6-Fettsäuren. Der übrig gebliebene Presskuchen lässt sich zu Hanfmehl oder proteinreichem Tierfutter verarbeiten. Das schmeckt Pferden, Hunden und Vögeln”, berichtet Günther Schmid, Gesellschafter von Hanfland.

Der niederösterreichische Biohersteller stammt aus Hanfthal. Mittlerweile hat sich der ganze Ort der Wiederentdeckung des Hanfes verschrieben: Die Vertragslandwirtinnen und -landwirte von Hanfland bauen 450 ha Hanf nach den EU-Rechtsvorschriften für ökologischen Landbau an. Für interessierte Gäste gibt es ein Hanfmuseum und Hanferlebnistouren.

Hanfstroh für Shirts

Aus langem Hanfstroh lassen sich stabile Fasern herstellen: für Seile, Faserwerkstoffe, Dämm- und Baustoffe und Textilien. Als Textilrohstoff hat Hanf eine lange Tradition: Die Naturfasern dienten früher als Rohstoff für Segeltücher und Arbeitskleidung.”Hanffasern laden sich nicht elektrostatisch auf, nehmen gut Feuchtigkeit auf und trocknen sehr schnell. Außerdem sind die Fasern reißfester als Baumwolle, die Festigkeit nimmt bei Feuchtigkeit sogar noch zu”, weiß Birka Schenk von hessnatur.

Der hessische Naturtextilhersteller bekommt seinen Hanf bisher aus China. Ab 2019 auch in Bioqualität. “Gerne würden wir Biohanf aus heimischen Landen beziehen. Wir brauchen jedoch bereits ausgesponnene Fasern in hoher Qualität. In Deutschland muss die Infrastruktur dafür erst wiederaufgebaut werden”, erklärt Birka Schenk.

Sina Fürch / Gastroinfoportal

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