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Nachwuchs-Köche bei der Ausbildung

Warum es sich lohnt, Koch zu werden?

Datum: 01.08.2022Quelle: Grupo Caterdata | Bilder: Colourbox.de, Grupo Caterdata, Julian Redondo Bueno, Melanie Bauer Photdesign | Ort: Freiburg

Arbeit am Wochenende und am späten Abend, lange Schichten und ein geringes Gehalt schrecken junge Menschen oftmals von einer Ausbildung als Koch bzw. in der Gastronomie ab. Trotz allem bringt die Gastronomie begeisterte Nachwuchsköche hervor, die Erfüllung in ihrer Arbeit finden und leidenschaftlich gerne kochen. Was sind ihre Gründe, Koch zu werden?

Gründe, Koch zu werden

Wenn sich eine Gruppe begeisterter Nachwuchsköche finden lässt, dann wohl bei einer Live-Show wie dem Wettbewerb Koch des Jahres 2022. Die Teilnehmer üben ihren Beruf mit Herzblut aus und haben den Mut, ihr Talent in die Öffentlichkeit zu tragen. Wir haben mit acht Teilnehmern des Vorfinales gesprochen und sie gefragt: Was sind eure Gründe, Koch zu werden? Auch über die Vor- und Nachteile der Branche haben sie mit uns gesprochen.

Warum seid ihr Köche geworden?

Udo Knörlein: Das war eher ein Zufall. Auf der Suche nach einer Arbeit, die mich erfüllt, habe ich zunächst ein Handwerk gewählt. Über Umwege bin ich dann zu meiner Ausbildung als Koch gekommen. Heute bin ich sehr froh darüber und möchte unbedingt beim Kochen bleiben.

Lena König: Ich habe schon als Kind Kochexperimente gemacht, z. B. Käse mit Kakao serviert. Das war kein Knaller, aber meine Familie musste dann probieren. Heute habe ich Spaß an meinem Beruf, weil ich meiner Kreativität freien Lauf lassen kann.

Marcel Meining: Beruflich war ich lange ohne Orientierung, habe mich mittels Praktika durch die Branchen probiert. Das Kochen hat mich letztlich am meisten begeistert.

Marlene Berger: Kochen ist für mich Passion und Leidenschaft.

Mathias Jüngling: Meine Gründe, Koch zu werden, lagen besonders in der faszinierenden Vielseitigkeit des Berufs.

Sabrina Fenzl: Ich bin mit Lehren als Restaurantfachkraft und Barkeeperin eingestiegen. Die Ausbildung zur Köchin kam dann obendrauf. Mir ist der bewusste Umgang mit Lebensmitteln wichtig, denn es sind Geschenke der Natur. Mich inspirieren Formen, Farben und Gerüche. Durch das Kochen kann ich meine Gedanken und meine Kreativität ausdrücken, das erfüllt mich sehr.

Sophia Birlem: Ich bin im Zuge meines Tourismus-Studiums zum Kochen gekommen. Nebenbei habe ich im Service eines gutbürgerlichen Restaurants gearbeitet. Aber spannender als das Bedienen fand ich die Küche, deswegen habe ich mich oft und gerne dort aufgehalten und mich letztlich für eine Ausbildung zur Köchin entschieden. Noch während ich meine Diplomarbeit schrieb, bin ich mit der Ausbildung gestartet. Damals dachte ich noch, ich würde nach der Lehre im Bereich Tourismus- und Hotelmanagement arbeiten – doch ich war angekommen. Ich habe viel Freude daran, kreativ zu arbeiten und der Möglichkeit, mich täglich neu zu erfinden.

Christian Loos: Ich wollte eigentlich Gesundheits- und Krankenpfleger werden und habe eine Ausbildung am Uniklinikum Würzburg begonnen. In dieser Zeit habe ich das Kochen für mich entdeckt: erst nur für mich, dann für meine Mitbewohner und schließlich für immer mehr Leute aus dem Wohnheim. Daraus wurden richtige Küchenpartys und die Folge war, dass ich das Lernen für die Prüfungen vernachlässigt habe. Da bin ich in mich gegangen und zu dem Schluss gekommen, dass ich lieber Koch werden möchte.

Was sind die Vor- und Nachteile der Branche?

Udo Knörlein: Die Vorteile sind die Kreativität, der starke Teamgeist und die Möglichkeit, überall auf der Welt arbeiten zu können. Die Nachteile sind lange und unregelmäßige Arbeitszeiten – besonders am Wochenende, wenn alle anderen frei haben. Der Beruf ist physisch und psychisch sehr anstrengend und die Arbeit oft nicht gut bezahlt.

Lena König: Besonders toll ist das große Netzwerk, aber auch das Gefühl des Zusammenhalts, wenn man stressige Zeiten meistert. Man baut starke Freundschaften auf und lernt nie aus. Weniger gut sind die Arbeitsbedingungen, Bezahlung und Arbeitszeiten. Leider ist die Branche auch nicht krisensicher, wie die Corona-Zeit gezeigt hat.

Marcel Meining: Arbeiten am Wochenende und am späten Abend ist einer der Nachteile, gehört aber zum Leben eines Kochs dazu. Dafür kann man sehr kreativ sein, überall auf der Welt arbeiten und ständig neue Menschen kennenlernen, von denen man Neues lernen und sich stetig verbessern kann.

Marlene Berger: Ein großes Problem ist der Personalmangel. Die Schichten sind meistens deutlich länger als acht Stunden und das machen nicht viele Menschen auf Dauer mit. Da bleibt nur die Möglichkeit, mehr Geld von den Gästen zu verlangen, um mehr Personal einstellen zu können, oder selbst länger zu arbeiten.

Mathias Jüngling: Das Schöne an der Arbeit als Koch ist, dass man seine Fantasie einbringen kann und man sich immer wieder auf neue Herausforderungen und Trends einstellen muss. Zudem ist es einfach spannend zu sehen, wie sich die Branche weiterentwickelt. Durch die neuen Medien entsteht Transparenz und man sieht, was in anderen Küchen voran geht. Die klassische Arbeitszeit ist eher später am Tag, nach Feierabend der meisten Berufsgruppen. Ich selbst stehe gerne spät auf, mir macht es nichts aus am Nachmittag oder Abend zu arbeiten. Man muss eine Arbeit finden, die auch zum eigenen Lebensrhythmus passt.

Sabrina Fenzl: Wirkliche Nachteile gibt es für mich nicht. Ich sehe Vorteile in dem, was andere stören mag. Zum Beispiel finde ich es entspannt, an einem ruhigen Montag einkaufen zu gehen und nicht an einem überlaufenen Samstag. Ausflüge kann ich an Tagen machen, an denen die meisten Leute arbeiten, oder ich treffe meine Freunde abends nach einer langen Schicht. Um das alles gut planen zu können, habe ich mich selbstständig gemacht. So kann ich „Nachteile“ anpassen und dafür sorgen, dass es für meine Mitarbeiter vor allem Vorteile gibt.

Sophia Birlem: Für junge Menschen ist die Gastronomie einmalig – man kann reisen, kommt auf der Welt herum und kommt mit Menschen in Kontakt. Dem gegenüber stehen die Arbeitszeiten. Ich persönlich genieße es, frei zu haben, wenn alle anderen arbeiten müssen. Woran es mir fehlt, sind ein angemessenes Gehalt und gesellschaftliche Wertschätzung für unseren Beruf.

Christian Loos: Einen Vorteil sehe ich in der Freiheit, die der Beruf einem bringt, da man die Chance hat, überall auf der Welt zu arbeiten. Man kommt an Orte, die man sich für den Urlaub vielleicht nicht leisten könnte und kommt hinter den Kulissen mit Menschen in Kontakt, die ähnlich ticken. Wenn man enge Freunde und Familie hat, die in anderen Branchen tätig sind, ist es oftmals allerdings schwierig, den Kontakt zu halten.

Wer wird Koch des Jahres?

Das Finale von Koch des Jahres findet am 17. Oktober 2022 statt. Wer die Finalisten sind und welche Herausforderungen die Kandidaten meistern müssen, lesen Sie hier.

Redaktion GastroInfoPortal

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