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Netzwerken für digitale Vernetzung

Datum: 03.08.2022Quelle: Foodservice Digital Hub | Bild: Digital Hub | Ort: Leipzig

Personalmangel, steigende Kosten für Energie und Lebensmittel, Lieferkettenprobleme, verändertes Gästeverhalten – die Herausforderungen für die ohnehin durch die Corona-Pandemie belastete Gastro-Branche sind vielfältig. „Der Foodservice Digital Hub beschäftigt sich mit der Frage, welchen Beitrag die Digitalisierung leisten kann, um Gastronomen in dieser schwierigen Situation zu unterstützen”, erklärt Katharina Blöcher. Sie ist Doktorandin an der Universität Leipzig und eine der Initiatoren des Projekts.

Trendwende zur Digitalisierung der Gastronomie

Die vor allem durch kleine und mittelständische Unternehmen geprägte Gastronomiebranche passte sich bisher nur zögerlich an digitale Entwicklungen und neuartige Gästebedürfnisse an. Zu einer Trendwende hat die Corona-Pandemie geführt: Im Zuge der Krisenbewältigung erkennen Gastronomen zunehmend die Vorteile der Digitalisierung der Gastronomie. „Der Einsatz verschiedenster Technologien und die Digitalisierung von Prozessen entlasten die verbliebenen Mitarbeiter. Und sie arbeiten effizienter”, sagt Blöcher. Mehr noch: „Digitalisierung ist in der Branche zu einer Frage des Überlebens geworden.” Das Spektrum reicht vom digitalen Bestellen über neue Businessmodelle wie Online-Tastings bis hin zu Verwaltungsaufgaben wie Buchhaltung, Personalplanung und Warenwirtschaft, aber auch Bezahlvorgänge laufen zunehmend bargeldfrei.

Anders als großen Systemgastronomen stehen mittelständischen Unternehmen keine eigenen IT-Abteilungen zur Seite, um die kritischen Fragen der Digitalisierung zu bewältigen. „Lösungen für die Aufgaben der Gastronomie bietet der Markt genug. Die Frage ist, wie Gastronomen das Wissen zur Stärkung ihrer Prozesse erlangen”, berichtet Professor Rainer Alt vom Institut für Wirtschaftsinformatik an der Universität Leipzig. „Auch wenn Dienstleister sie unterstützen können, ist Wissen für die Verhandlung auf Augenhöhe mit den Anbietern technischer Lösungen wichtig – ebenso wie das Wissen zur Bedienung neuer Systeme.” Der Mangel an Mitarbeitern birgt das Risiko, dass technische Innovationen und digitale Dienste trotz ihrer Vorzüge nicht wahrgenommen werden. Auch Hürden bei der Vernetzung von Gastronomie und Technologie bremsen die Digitalisierung aus.

Digital Hub fördert Vernetzung von Forschung und Anwendung
Digital Hub fördert Vernetzung von Forschung und Anwendung

Veranstaltungen und Forschung

16 Gründungspartner aus Forschung und Praxis starteten im September 2021 das deutschlandweite Netzwerk Foodservice Digital Hub. Ihr Bestreben ist es, die Digitalisierung der Gastronomie aktiv mitzugestalten. Gefördert wird der von der Universität Leipzig und der TNC Production GmbH angestoßene Zusammenschluss vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz im Rahmen des ZIM Innovationsprogramms. Die beiden tragenden Säulen sind Veranstaltungen und Forschung. Damit verfolgt der Foodservice Digital Hub das Ziel, Wissen zu Technologien und deren praktischer Anwendung an die Branche zu vermitteln und relevante Forschungsinitiativen anzustoßen. Im Netzwerk arbeiten führende Branchenvertreter Hand in Hand mit innovativen Start-ups und Partnern aus der Forschung. Ziel ist es, neue digitale Lösungen zu entwickeln Zukunftsszenarien zu entwerfen.

Im Rahmen einer Netzwerk-Veranstaltung in Berlin blickten rund 40 Teilnehmer auf die Ergebnisse der letzten Monate zurück. Schwerpunkt waren bislang verschiedene Think-Tanks, in denen branchenrelevante Themen diskutiert wurden mit dem Ziel, marktnahe und innovative Anwendungen zu entwickeln. So entstand beispielsweise für ein italienisches Pizza-Konzept der Prototyp eines digitalen Avatars, der Bestellungen entgegennimmt und die Gäste während des Prozesses berät. Service-Mitarbeiter werden so entlastet und über einprogrammierte Ansprache werden durch den Bestellassistenten Zusatzverkäufe generiert.

Themen des Austauschs während der Netzwerkveranstaltung waren auch Plattform-Ansätze sowie das Datenmanagement zwischen allen Beteiligten. So diskutierten die Vertreter von Unternehmen wie Sell&Pick, Peter Pane, Nordmann F&B sowie der Enchilada Gruppe die Relevanz von Business Intelligence-Lösungen für die Digitalisierung der Gastronomie. Außerdem ging es um die Chancen von Assistenzsystemen, die Gastronomen unterstützen, indem sie die richtigen Erkenntnisse aus Daten ziehen oder – sofern gewünscht – auch autonom Entscheidungen treffen.

Vernetzung von Branchenleadern

Ziel des Netzwerktreffens war es außerdem, die zukünftige Ausrichtung des Netzwerkes vorzustellen.

„Unsere Schwerpunkte werden auf der Vernetzung von Branchenführern, dem frühzeitigen Erkennen von Trends, der Erarbeitung von Lösungen und der digitalen Wissensförderung liegen”, erklärt Michael Kuriat, Geschäftsführer der TNC Group. „Unsere Arbeit wird darin bestehen, einerseits mit vielfältigen Formaten wie Webinaren, Vorträgen, Hackathons und Panel-Diskussionen Plattformen für den Austausch von Wissen und Inspirationen zwischen Experten aus Technologie und Foodservice zu schaffen. Parallel dazu arbeiten wir mit Forschungseinrichtungen zusammen.”

Die bisher an der Universität Leipzig verortete Organisation wird in Zukunft durch eine Ausgründung des Netzwerkes eigenständig durchgeführt. Dennoch bleibt es bei einer engen Zusammenarbeit mit dem Institut für Wirtschaftsinformatik der Universität Leipzig .

Um Veranstaltungsformate wie den FCSI im Herbst gemeinsam durchzuführen, setzt das Netzwerk auf Kooperationen, wie zum Beispiel mit dem Foodservice Innovation Lab by Dussmann und dem internationalen Beraternetzwerk FCSI. Auch national und international tätige Unternehmen wie die Enchilada Gruppe, Peter Pane, Foodnotify oder die Paulaner Brauerei Gruppe unterstützen die Netzwerkarbeit. Wichtiger Gründungspartner war außerdem der Leaders Club Deutschland. Beratungs- und Forschungsinstitute stärken das Netzwerk darüber hinaus mit ihrer Expertise und methodischem Wissen. So unterstützt das Fraunhofer IDMT in Oldenburg die Partner durch sein Wissen zur Integration von Spracherkennung, zum Beispiel bei virtuellen Bestellassistenten, die auch sprachlich mit den Gästen interagieren. Wichtig sind in der Gastronomie vor allem die Zuverlässigkeit in lauter Umgebung und der Datenschutz, damit keine persönlichen Gespräche von Gästen registriert werden, sondern lediglich die gewünschten Bestellungen.

Der Foodservice Digital Hub ist offen für weitere interessierte Gastronomen und Partner aus Praxis und Forschung, die sich am Netzwerk beteiligen möchten.

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