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Dank konservativem Wirtschaften, einem stabilen Modell und einigen Lehren aus den Lockdowns kann die MaBG sogar an Expansion denken.

Lehren aus der Krise

Datum: 05.07.2021Quelle: Mitchells & Butlers Germany GmbH | Ort: Wiesbaden

Konservatives Wirtschaften hat sich für die 40 Alex-Ganztagesgastronomie-Betriebe, die gemeinsam mit drei Brasserien und einem Miller & Carter Steakhouse von der Mitchells & Butlers Germany GmbH (MaBG) in 34 deutschen Städten betrieben werden, ausgezahlt. Für Geschäftsführer Bernd Riegger und die rund 1.600 vollbeschäftigten Mitarbeiter war und ist das Kurzarbeitergeld ein wichtiges Kriseninstrument. „Damit- und durch freiwillige Aufstockung auf 80 bis 100 Prozent – ist es gelungen, nahezu alle Mitarbeiter aus der Stammmannschaft zu halten“, erläutert der Geschäftsführer. Riegger weiter: „Denn MaBG lebt von der guten Substanz, die man in den vergangenen Jahren angelegt hat, konnte vom hohen Cash-Bestand zehren, der eigentlich für weitere Expansion vorgesehen war.“

Forderungen an die Politik

„Als deutschlandweite Kette sind wir bei den Restarts fast nicht mehr hinterhergekommen bei den ganz unterschiedlichen Verordnungen an den 34 deutschen Standorten“, schildert Riegger. „Die Gastronomie wurde von der Politik vergessen und nicht als Industrie wahrgenommen. Das muss sich ändern, falls nochmals eine derartige Pandemie-Situation auftritt“, fordert er. Politik solle unbürokratischer sowie kreativer werden und neben Wissenschaftlern ein breites Spektrum an Entscheidungsträgern einbinden. Darüber hinaus gelte es, ein bundeseinheitliches Regelwerk zu etablieren, das für alle Länder und Kommunen verbindlich sein solle – und das nicht erst ab einer Inzidenz von 100.

Learnings aus den Lockdowns

Die Stammteams im Unternehmen blieben dank Aufstockungen des Kurzarbeitergelds und Jobgarantien erhalten. So musste der Restart nicht aufgrund von Personalmangel verschoben oder zeitlich eingeschränkt werden. Derzeit mangelt es lediglich an Minijobbern, die sich primär aus Studenten generieren. Eine regelmäßige und direkte Status-Kommunikation per Mail zwischen Bernd Riegger und den Betriebsleitern sowie deren Mitarbeitern vor Ort stellte sich während der Lockdowns als vertrauensbildendes Instrument heraus. Dieses will man auch künftig beibehalten. Dabei aufgedeckte digitale Schwachstellen wie die Interaktion mit den Mitarbeitern via Social Media und Messengers statt Mail sind Learnings, die man aus der Krise mitgenommen hat. Das Thema Digitalisierung erhielt durch die Pandemie einen starken Schub innerhalb des Unternehmens.

Im Hinblick auf seine Standorte wird das Unternehmen künftig zusätzliche Faktoren berücksichtigen müssen. Nicht zuletzt aufgrund von Reisebeschränkungen und ausgefallenen Messen sowie dem absehbaren Trend nach einer temporären Beibehaltung des Homeoffices sind ehemals profitable Outlets in Büroumgebungen, beispielsweise das Alex The Squaire am Frankfurter Flughafen, stark von den Lockdown-Auswirkungen und daraus resultierenden gesellschaftlichen Einbrüchen betroffen. Auf große Außenflächen hingegen will man bei künftigen Betrieben ein noch stärkeres Gewicht legen. Ohne diese hätte es das Unternehmen aufgrund der Regularien auf der Innenfläche nicht geschafft, im zurückliegenden Geschäftsjahr einen Umsatz von 76,8 Millionen Euro (im Vorjahr 105,7 Millionen Euro) zu erwirtschaften. Dadurch entstand ein relativ geringes Minus von 39 Prozent. „Man wird sich auch mit den Kommunen auseinandersetzen müssen, die erweiterte Genehmigungen vergeben sollten. Hier sind neue Konzepte für Außenkonzessionen notwendig“, meint der Geschäftsführer. Auch nach dem Ende der Pandemie würde es immer mehr Menschen geben, die wetterunabhängig lieber draußen sitzen würden.

Riegger appelliert zudem an die Vermieter von Einzelhandels- und Gastronomieflächen, die Mieten an die Situation anzupassen. Er befürchtet ansonsten einen verstärkten Strukturwandel durch Leerstände in den Innenstädten. „Denn die hohen Mieten können nicht mehr auf die Preiskalkulationen umgelegt werden“, so der Gastronom. „Ein 0,3-Liter Pils für sechs Euro ist ein Preis, den man auf keinen Fall an den Markt weitergeben könnte.“ Daneben hätte Riegger sich ein größeres Entgegenkommen seitens der Vermieter in der Coronakrise gewünscht. Das hausinterne Development-Team denkt bereits über eine Aufnahme diesbezüglicher Klauseln in künftigen Verträgen nach.

Krise als Chance

Um die Krise zu meistern, entwickelte das Unternehmen eine hohe Kreativität, die neue Ideen hervorgebracht hat. Diese sollen nun in die Weiterentwicklung des Alex-Konzeptes und in ein neues Aussehen der 40 bestehenden Betriebe einfließen. 2004 bekamen diese zuletzt einen neuen Look. Überlegungen dazu gibt es bereits seit einiger Zeit. Durch die Krise haben sie einen zusätzlichen Schub erhalten und es wurden neue Erfahrungswerte initiiert. Mit drei Piloten soll es 2022 an den Start und in eine neue Expansionsphase gehen. Das Erlebnisgastronomiekonzept von Alex bietet eine Fullservicegastronomie. Diese Ausrichtung soll weiter verstärkt werden, auch auf vergrößerten und ganzjahresfähigen Außenterrassen. Bernd Riegger: „Die Krise hat uns gezeigt, dass wir mit unserem Geschäftsmodell absolut richtig liegen. Wir haben daher nicht mit Delivery oder Foodboxen experimentiert, sondern wollen das, was wir am besten können, weiterentwickeln.“ Die Strategie für die kommenden Jahre ist somit ausgerichtet auf Konzepterneuerung und Expansion. Bernd Riegger geht derzeit für das laufende Jahr von einem besseren Ergebnis als im vergangenen Jahr aus und hofft auf mindestens 80 Millionen Euro Umsatz.

Redaktion GastroInfoPortal

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