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Raupe Immersatt Lebensmittelverschwendung

Café gegen Lebensmittelverschwendung

Datum: 21.07.2021Quelle: B&L MedienGesellschaft | Bilder: Sven Weber, Raupe Immersatt e. V. | Ort: München

Kostenlose, gerettete Lebensmittel im Café – dieses ungewöhnliche gastronomische Konzept verfolgt man im Stuttgarter Café Raupe Immersatt. Um der Lebensmittelverschwendung in Deutschland entgegenzuwirken – immerhin landen etwa ein Drittel der produzierten Lebensmittel in der Tonne – retten die Betreiber zusammen mit der Initiative Foodsharing sowie eigenen Kooperationen Lebensmittel und geben diese kostenlos im Café weiter.

Gastronomie in der Verantwortung

Bei Raupe Immersatt sieht man sich in der Verantwortung einen Beitrag für die Zukunftsfähigkeit des Lebens auf diesem Planeten zu leisten. Dazu zählt, Überproduktion zu vermeiden und bereits produzierte Lebensmittel nicht zu verschwenden. Wie können (andere) Gastgeber diese Ziele unterstützen und ihren eigenen Betrieb so nachhaltiger aufstellen? Katrin Scherer, Vorstandsmitglied Raupe Immersatt e. V., nennt einige Beispiele:

  • Gerettete Kuchen bei Raupe Immersatt

    Die oberste Prämisse sollte lauten kein Überangebot zu schaffen, sondern möglichst gut zu kalkulieren. Bei Raupe Immersatt werden dafür die Verkäufe regelmäßig ausgewertet und dadurch versucht Prognosen über den weiteren Verkauf zu treffen und so die Bestellungen immer wieder anzupassen.

  • Die richtige Lagerung von Lebensmitteln ist essenziell. Hier lässt sich sehr viel vor dem Verderb retten. Kleinere Gebinde für Zutaten, die man nicht so oft benötigt, sollten billigeren XXL-Packungen vorgezogen werden.
  • Kreative Verarbeitungsideen für übrig gebliebene Zutaten wie Chips aus Gemüseblättern (z. B. Kohlrabi)
  • Aus übrig gebliebenen Zutaten neue Tagesgerichte kreieren und dies aktiv an die Gäste kommunizieren
  • Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) ist eine Orientierungsgröße, welches keinen Grund bietet Produkte nach dem Überschreiten pauschal zu entsorgen. Teilweise herrscht auch der Irrglaube, dass man in Deutschland Produkte über dem MHD nicht verkaufen darf.
  • Konsumenten auf die Problematik hinweisen, dass bedarfsorientiertes Kalkulieren in der Gastronomie aufgrund der Unvorhersehbarkeit schwierig ist. Gäste des Raupe Immersatt schätzen es, dass bei leicht verderblichen Lebensmitteln wie Frischmilch etwas knapper bestellt wird und man darauf achtet, dass nichts verdirbt.
  • Gastgeber sollten ihren Gästen proaktiver das Einpacken der Reste anbieten, am besten in Mehrweggeschirr oder selbst mitgebrachten Behältnissen.
  • Außerdem sind verschiedene Portionsgrößen bei Speisen eine Option. Das Ganze muss ja nicht unbedingt Kinder- oder Seniorenteller heißen.

Um Foodsharing und Lebensmittelwertschätzung noch weiter zu verbreiten, freuen sich die Betreiber von Raupe Immersatt über weitere, unabhängige Foodsharing-Cafés – ein Franchise-Konzept kommt für sie aber nicht in Frage. Stattdessen unterstützen sie in der Gründungsphase mit eigener Erfahrung und Expertise. Diese Beratung umfasst betriebswirtschaftliche und rechtliche Aspekte, etwa die Erfahrung mit dem „Pay as you feel“-Preismodell oder die Entscheidung für den gemeinnützigen Verein als Rechtsform. Aber auch praktisches Wissen zu Lebensmittelsicherheit bei geretteten Lebensmitteln oder Getränkemarken-Empfehlungen wird weitergegeben.

Raupe Immersatt Erfolgskonzept

Sie wollen mehr über Raupe Immersatt erfahren? Wie die Idee zum Café entstanden ist, was es mit dem Fairteiler (siehe Titelbild) auf sich hat und wie man Gäste für Lebensmittelverschwendung sensibilisiert, lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der 24 Stunden Gastlichkeit.

Antonia Perzl / Redaktion 24 Stunden Gastlichkeit

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