x

Boykott gegen Ausgrenzung

Datum: 09.09.2021Quelle: Redaktion GIP | Bilder: Big´s Diner, Colourbox.de | Ort: München/Nauen

Die Betreiber des American Restaurant Big´s Diner im brandenburgischen Nauen üben Kritik an den Coronamaßnahmen. Um gegen diese vorzugehen, treten Birgit Majewski und Andreas Weinfort seit Ende August in einen unbefristeten Streik. Im exklusiven Interview mit GastroInfoPortal erklären die Inhaber ihren Standpunkt.

Frau Majewski, wieso boykottieren Sie die 3G-Regelungen?

Birgit Majewski: Die 3G-Regel verpflichtet uns Gastwirte den Gesundheitsstatus des Gastes abzufragen und ihn mit Namen und Uhrzeit zu erfassen. Und dies in Zeiten eines aufgeblähten Datenschutzes, in denen man beim Aufruf einer jeden popeligen privaten Homepage seine Einwilligung zur Datenerfassung geben muss. Rechtlich gesehen müsste doch jeder Gast vorab eine schriftliche Einwilligungserklärung gegenüber dem Gastwirt abgeben.

Wie auch immer, die Handhabung der 3G-Regel ist in dieser Hinsicht schon in einer rechtlichen Grauzone. Und letztendlich steht der Gastwirt als Gesetzesbrecher da. Die 3G-Regel wäre zudem bei uns in den Hauptgeschäftszeiten gar nicht durchführbar. Da bräuchten wir dann eine eigene Datenerfassungskraft – und das bei der aktuellen Personalsituation in der Gastronomie. Unser Motto lautet seit 16 Jahren „Music, Burger, Happiness“, welches sich unter den 3G-Regeln nicht umsetzen ließe. Wir wollen und können da nicht mitmachen, denn unser Beruf ist es, Gäste zu bewirten. Und im Grunde sind wir der Zeit voraus: 2G und sogar 1G drohen. 2G wird sogar schon praktiziert.

Herr Weinfort, warum sehen Sie einen Boykott als einzige Lösung?

Andreas Weinfort: Was für eine Lösung gibt es sonst – außer Boykott? Wir könnten die Erlasse der Obrigkeit ignorieren, alles still und heimlich gestalten, damit die Politik nicht gestört wird, mit der drohenden Gefahr saftiger und ruinöser Bußgelder. Wir haben uns für einen Boykott entschieden. Laut und öffentlich.

Das Big´s Diner in Nauen bleibt vorerst leer.
Das Big´s Diner in Nauen bleibt vorerst leer.

Wie lange möchten Sie den Streik durchführen?

Birgit Majewski: Bis die 3G-Regeln wieder zurückgefahren werden. Bis keine Menschen mehr ausgegrenzt werden. Bis wir unseren Job wieder normal machen können.

Wann rechnen Sie damit, dass alle Bürger wieder ungehinderten Zugang zur Gastronomie etc. erhalten werden?

Birgit Majewski: Das wissen wir nicht. Wenn man nach Dänemark schaut, gibt es durchaus Hoffnung. Da ist die Pandemie auf einen Schlag beendet worden.

Wie können Sie sich den Boykott leisten?

Andreas Weinfort: Wir können uns den Boykott gar nicht leisten. Wir zahlen jeden Monat eine hohe Summe an unsere Bank. Übrigens, diese hohe Bankrate wurde und wird uns auch nicht durch die „Coronahilfen“ ersetzt. Sowohl die Coronamaßnahmen als auch deren Boykott zerren an unseren Ersparnissen.

Welche Konsequenzen hat der Boykott für Ihre Angestellten?

Andreas Weinfort: Unser letztes festes Personal hat uns am Anfang von Corona verlassen, also schon 2020. Derzeit haben wir Aushilfen, die wir teils noch beschäftigen. Diese werden aber partiell bald in ein Ausbildungsverhältnis in eine andere Branche wechseln beziehungsweise übernehmen sie einen Hauptjob.

Wie finden Sie es, wenn Arbeitgeber auf die Impfung bei Mitarbeitern bestehen?

Birgit Majewski: Grundsätzlich soll jeder Mensch selbst entscheiden, ob und wogegen er sich impfen lässt. Als Arbeitgeber würden wir das niemals fordern. Schon gar nicht bei einer Impfung, die so neu ist. Wir sind Gastwirte und mit vielen Menschen im Gespräch. So erfährt man natürlich auch einiges über Schäden, die die Impfung anrichtet. Auch im Verwandtenkreis ist leider Schreckliches durch die Impfung geschehen. Wir würden also niemals Arbeitnehmern vorschreiben, sich impfen zu lassen. Übrigens auch eine rechtliche Sache: Stellen Sie sich vor, dem Arbeitnehmer passiert etwas durch die von Ihnen geforderte Impfung…

Wie ist die Resonanz Ihrer Kollegen auf diese Aktion?

Andreas Weinfort: Wir haben beides: viel Zuspruch und ein wenig Kritik. Wir erhalten viele Ideen, Vorschläge und positives Echo über Emails, selbst aus dem Ausland.

Wie würden Sie reagieren, wenn sich Gäste in Ihrem Restaurant infizieren würden?

Andreas Weinfort: Das ist eine sehr polemische Frage. Gilt Ihre Frage den Fällen der Ansteckung von einem Ungeimpften zum anderen und vom Ungeimpften zum Geimpften, oder umschließt sie auch die Ansteckung von Geimpften untereinander oder vom Geimpften zum Ungeimpften? Alles ist, wie bekannt sein dürfte, möglich. Wie würden wir reagieren? Wann und wie erfährt man eigentlich, ob sich jemand im Restaurant angesteckt hat? Nur dann, wenn die betreffende Person Tage nach der Ansteckung Symptome zeigen würde und dann auch noch genau wüsste, dass es bei uns passiert wäre. Diesen Fall hatten wir noch nie.

Wie auch immer, dafür gibt es einen Ablaufplan. Es käme zu den Quarantäneregeln. Ist Ihnen bekannt, wie vielen Restaurants das in den letzten zwei Jahren passiert ist? Bei uns in Brandenburg ist uns kein Fall bekannt. In einigen Bundesländer wurde der Kontaktnachweis zum Zweck der Kontaktnachverfolgung gestrichen. Wegen mangelnder Nachfrage durch die Gesundheitsämter.

Vielen Dank für das Gespräch!

Redaktion GastroInfoPortal / Carolin Merl

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Weniger Kurzarbeit Im August ist die Zahl der Kurzarbeitenden in Deutschland laut der aktuellen Konjunkturumfrage des ifo-Instituts unter die Millionen-Marke gesunken - ...
Digitales TV-Format In Kürze startet das Netzwerk Culinaria mit einem völlig neuen, digitalen Informationsformat. Die Netzwerk Unternehmen Hupfer, Meiko und MKN haben ihr...
Die Zuversicht wächst Dank der Lockerungen und der gestiegenen touristischen Nachfrage geht es im Gastgewerbe wieder aufwärts. Im August 2021 lagen die Umsätze 5,7 Prozent ...
Artikel mit Bildern drucken Artikel ohne Bilder drucken

Newsletter

Immer die aktuellsten Informationen. Melden Sie sich hier für unseren Newsletter an.
Zum Datenschutz

Send this to friend