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Nobelhart Schmutzig Billy Wagner Yoni Nimrod

Billy Wagner: Ich mache mir keine Sorgen

Datum: 20.11.2020Quelle: B&L MedienGesellschaft I Foto: Nobelhart & Schmutzig / Yoni Nimrod I Ort: Berlin

Billy Wagner betreibt gemeinsam mit Küchenchef Micha Schäfer sehr erfolgreich das Nobelhart & Schmutzig in Berlin. Wie sie mit den Lockdowns umgehen, erzählt uns Billy Wagner im Interview.

Herr Wagner, wie sind Sie für den neuen Lockdown gerüstet?

Beim ersten Lockdown hatte unser Küchenchef Micha Schäfer die Idee, die gleichen großen Mahlzeiten wie sonst auch „nach draußen zu bringen“ und damit Geld zu verdienen. Wir hatten aber noch nie einen Online Shop. Die Gäste konnten sich aber auf einem PDF auf der Homepage die Gerichte aussuchen, anrufen und bestellen. Wir wurden in den ersten drei Wochen richtig überrannt – was auch daran lag, dass kein Mitbewerber auf unserem Niveau am Markt war.
Jetzt machen wir genau das gleiche, verkaufen aber zusätzlich kleine, günstigere Gerichte, bei denen man nicht die „ganz große Show“ bestellen muss. Das sind eine Haselnusspaste, Marmelade, Honig, Versjus, Öle oder Kosmetik. Dazu kommen Geschenkboxen, die sehr gut angelaufen sind. Darin sind in Flaschen abgefüllte, von uns verarbeitete Lebensmittel. Dabei sind zum Beispiel ein Eisenkrauttee, mit Verbenezucker aromatisierte Kekse, ein Wacholderöl oder eine Rauchbutter.
Damit generieren wir auch Umsatz bei den Lebensmittelproduzenten um Berlin. Wir haben beim letzten Lockdown Lebensmittel für 35.000 Euro eingekauft. Diese haben wir verarbeitet und weiterverkauft. Damit sind wir mit unserem Restaurant ein Partner für die Lebensmittelproduzenten aus dem Umland von Berlin.

Wie lange können Sie unter den gegebenen Umständen durchhalten?

Die Leute essen ja trotzdem weiter. Und sie brauchen Unterstützung, wenn sie daheim essen wollen, zum Beispiel zu Weihnachten. Sie wollen dann irgendetwas machen, das das Essen daheim aufwertet. Und das tun wir dann.
Da wir das ganze Jahr über gearbeitet haben und auch während des ersten Lockdowns gut Geld verdient haben, sind wir jetzt relativ gut aufgestellt. Auch aufgrund des Kurzarbeitergeldes, der Mehrwertsteuer-Reduzierung oder der Hilfen, die 75 % des Nettoumsatzes covern sollen.
Es gibt noch eine Digitalprämie, bei der man 50 % der Kosten bis 17.000 Euro bezahlt bekommt. Es ist schon sehr verlockend, nochmal Geld in die Hand zu nehmen, um sich zu digitalisieren. Das tun wir sowieso schon gerade durch den Online-Shop. Da werden wir also auch ein bisschen Geld zurück bekommen.
Das Jahr ist nicht rosig, aber zumindest werden wir es gut überleben – da mache ich mir keine Sorgen. Deswegen habe ich mir noch keine Gedanken darüber gemacht, wie lange wir noch durchhalten. Der Lockdown geht vielleicht noch zwei Monate oder länger. Aber es wird irgendwann den Moment geben, wenn wir wieder aufsperren. Und dann wird das Restaurant wieder voll sein. Das war beim letzten Mal ganz genauso. Denn wenn man in dieser Zeit was macht, bleibt man auch in den Köpfen der Leute.

Wie denken Sie über den Corona Kurs der Bundesregierung?

Ich wünsche mir, dass man die Gastronomie mit an den Tisch holt – vor allem bei der Entscheidung, wie es weitergeht. Die grundsätzliche Verbotsstruktur finde ich nicht zielführend. Nicht weil Verbote nicht wirken. Sondern weil sie bewirken, dass die Leute im Privaten weitermachen, wo man keine Kontrolle mehr hat. Und ich glaube, die Leute werden umso nachlässiger, je weiter der Lockdown fortgezogen wird. Dieses „es ist ja nicht so schlimm“ wird immer öfters passieren. Dann wird es im privaten Bereich mehr Ansteckungen geben. Gerade ein Restaurant kann einen guten Rahmen bieten, um sich an Regeln und Abstände zu halten.

Welche Unterstützungsmaßnahmen wünschen Sie sich zusätzlich?

Ich wünsche mir, dass ich meine Arbeit machen darf – unter den auferlegten Regeln. Ich brauche keine Unterstützung, wenn ich ordentlich arbeiten darf.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Billy Wagner ist nicht alleine

Wie andere Gastronomen mit dem erneuten Lockdown umgehen, lesen Sie in unserem Beitrag 2. Lockdown – so denken Gastronomen darüber.

teo

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